Bodensee

07. Oktober 2018 13:12; Akt: 07.10.2018 13:12 Print

Wieder Taucher-Drama beim Wrack der «Jura»

Bei einem Tauchgang zum gesunkenen Raddampfer Jura hat eine 40-Jährige das Bewusstsein verloren. Ihr Ehemann konnte sie bergen.

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Wie die Polizei mitteilte, ereignete sich der Unfall am Samstagvormittag. Die 40-jährige Deutsche tauchte mit einer Gruppe im Bodensee. Ziel war der 1864 gesunkene Raddampfer Jura, der in rund 38 Metern Tiefe vor Bottighofen TG liegt. Zur Gruppe gehörte auch der Ehemann der 40-Jährigen.

Beim Wiederaufstieg signalisierte die Frau ihrem Partner, dass es Probleme gab. Wie die Polizei schreibt, konnte der Mann die Frau aus 20 bis in fünf Meter Tiefe hinauf bringen, dann verlor sie das Bewusstsein, die Atmung setzte aus. Mit Hilfe weiterer Taucher konnte sie auf das Begleitboot gebracht und beatmet werden.

«Auf dem Boot setzte die Atmung wieder ein», schreibt die Polizei. Die Frau wurde ans Ufer gebracht, ein Rettungshelikopter flog sie ins Spital. Was zu dem Vorfall geführt hat, war am Sonntag nicht restlos geklärt. Die Polizei verweist aber darauf, dass die Frau mit einer Fotoausrüstung schwer beladen war.

Anspruchsvoller Tauchplatz

Beim Wrack der Jura kam es in der Vergangenheit immer wieder zu dramatischen Unfällen. Erst im April kam ein 56-jähriger Taucher ums Leben, der den Raddampfer erkunden wollte. Der Schweizer, der alleine unterwegs war, wurde leblos neben dem Wrack gefunden.

2015 ertrank ein erfahrener deutscher Taucher, 2008 traf es einen Schweizer aus dem Kanton Aargau und schon 2005 waren kurz nacheinander zwei Männer direkt beim Schiff ums Leben gekommen.

«Das Wrack liegt mitten im Bodensee, sodass man über einen sogenannten Freiwasserabstieg hinuntertauchen muss», sagt Murat Antakli, der regelmässig Expeditionen zur Jura betreut. Einem Seil entlang bewegt man sich zum Grund des Sees. «Das Seil ist in diesem Fall der einzige Orientierungspunkt, rundherum sieht man nur Grün.» Das mache das Gebiet zu einem speziellen und anspruchsvollen Tauchplatz. Antakli rät: «Jeder, der die 'Jura' anschauen möchte, sollte eine gute Ausrüstung mitnehmen und Bodenseeerfahrung haben.»

Vom «Teufelsschiff» versenkt

Gebaut wurde die «Jura» 1854 von der Maschinenfabrik Escher-Wyss in Zürich. Das Schiff hatte eine Länge von 46,3 Metern und mass an der breitesten Stelle 10,25 Meter. Angetrieben wurde sie von einer Dampfmaschine mit 45 PS, was ihr eine Höchstgeschwindigkeit von 18,5 km/h ermöglichte. Erst wurde sie auf dem Neuenburgersee eingesetzt, ab 1861 kam sie auf den Bodensee als Ersatz für das nach einer Kollision gesunkene Dampfschiff «Ludwig».

Nur gerade zwei Jahre danach ging auch sie unter. Im dichten Nebel wurde die «Jura» am 12. Februar 1864 von der «Stadt Zürich» – von den Bayern auch «Teufelsschiff» genannt – gerammt und sank innert vier Minuten. Drei Menschen starben. Das «Teufelsschiff» machte seinem Namen alle Ehre. Zuvor hatte die «Stadt Zürich» nämlich bereits die «Ludwig» versenkt.

1953 zufällig entdeckt

Danach war es lange ruhig um die «Jura». 1953 wurde das Wrack bei der Suche nach abgestürzten Weltkriegsflugzeugen zufällig in rund 38 Metern Tiefe entdeckt. Danach geriet sie wieder in Vergessenheit, bis sie 1976 wiederentdeckt wurde. Allerdings war die «Jura» da bereits stark geplündert worden.

Die 2002 gegründete Stiftung Historische Schifffahrt Bodensee (SHSB) hatte deshalb die Absicht, das Schiff zu bergen und zu restaurieren. «Das Wrack wurde so stark geplündert, dem musste man Einhalt gebieten», sagt Otto Egloff, Präsident der Stiftung. Allerdings hätten Bergung und Restaurierung rund vier Millionen Franken gekostet. «Wir wussten, dass das nicht realistisch war, aber wir haben die Leute sensibilisiert», so Egloff. Am 7. Dezember 2014 stellte der Kanton Thurgau das Wrack schliesslich als Unterwasser-Industriedenkmal unter Schutz.

(20 Minuten)