Heiden/Untereggen

16. Juni 2014 11:58; Akt: 16.06.2014 12:04 Print

Wolf schon vor den Toren von St. Gallen

Meister Isegrim schleicht um die Stadt St. Gallen: Ein Wolf hat in Heiden und Untereggen vier Schafe gerissen. Dies haben genetische Analysen bestätigt.

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Am 18. Mai ging bei der Jagdverwaltung Appenzell Ausserrhoden eine Mitteilung ein, dass auf einem Bauernbetrieb in Heiden zwei Schafe durch ein unbekanntes Tier getötet wurden. Nur wenige Tage zuvor gab es einen ähnlichen Fall im sankt-gallischen Untereggen, rund 7,5 Kilometer entfernt. Auch dort wurden zwei Schafe getötet und weitere durch Bisse verletzt, wie die Staatskanzlei St. Gallen schreibt.

An den Kadavern der gerissenen Tiere wurden Proben entnommen, um die Todesursache zu klären. Wie die genetische Analyse des Laboratoire de Biologie de La Conservation der Universität Lausanne ergeben hat, sind die Tiere von einem Wolf mit italienischer Abstammung gerissen worden. Um noch nähere Angaben zum Tier zu erhalten, werden die Ergebnisse einer zweiten Analyse abgewartet.

Respektvolle Distanz

Seit dem Vorfall im Mai habe es keine weiteren Wolfsrisse in der Gegend mehr gegeben, wie der Ausserrhoder Jagdverwalter Willi Moesch sagt. Deshalb sei momentan noch unklar, ob es sich um ein Einzeltier handelt und wo sich der Wolf aufhält.

Der Bevölkerung rät Moesch, Ruhe zu bewahren: «Vom Wolf geht für den Menschen in der Regel keine Gefahr aus», so Moesch. Allerding sei eine respektvolle Distanz angezeigt. Moesch: «Man sollte sich dem Tier keinesfalls nähern um ein Föteli zu schiessen.»

Letzte Wolf-Überlieferung vor 319 Jahren

Derzeit ist allerdings noch unklar, ob sich der Wolf überhaupt noch in der Region aufhält. «Möglicherweise war er auf Durchreise», sagt Dominik Thiel, Leiter des Amtes für Natur, Jagd und Fischerei des Kantons St. Gallen. «Junge Männchen können weit über 1000 Kilometer weit wandern.» Ebenso ungeklärt ist, ob es sich um einen der jungen Calanda-Wölfe handelt, der nun das Rudel verlassen hat. Thiel: «Dagegen spricht, dass er Schafe gerissen hat. Das haben die Tiere am Calanda bisher nicht gemacht.»

Laut Medienmitteilung werden die Eigentümer der Schafe finanziell entschädigt. Die letzte historische Überlieferung für einen Wolf in Appenzell Ausserrhoden geht 319 Jahre auf das Jahr 1695 zurück. Damals wurde im Steineggerwald zwischen Teufen und Speicher der letzte Wolf in Appenzell Ausserrhoden erlegt.

(jeh)