Sirnach TG

08. Januar 2019 05:47; Akt: 08.01.2019 05:47 Print

Zoff unter Luxusauto-Liebhabern

Millionenschulden, mutmassliche Selbstjustiz, ein Millionärssohn in Untersuchungshaft: Unter Luxusautobesitzern in der Ostschweiz herrscht dicke Luft.

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Hat einen langen Betreibungsregisterauszug: Sandro A. vermietete mit seinem Unternehmen «Enjoy your dream» Luxusautos. Das Unternehmen ist mittlerweile Konkurs. Die Forderungen belaufen sich laut der Zeitschrift «Beobachter» auf 2,7 Millionen Franken. Einer der Gläubiger ist der Ostschweizer Nidal B.. Nidal B. zeigt sich gerne mit Champagnerflaschen. Sandro A. (rechts) soll von Nidal B. in dessen Villa gegen seinen Willen festgehalten worden sein. Nidal B. widerspricht. «Das sagt er nur, um seine Schulden nicht zu bezahlen.» Nidal B. geriet kürzlich mit einem seiner Sportwagen in die Schlagzeilen, weil er auf einer Spritztour in den Hoch-Ybrig mit dem Boliden stecken blieb. Dabei handelte es sich um einen grünen Lamborghini. Erst ein Pistenbully konnte den Boliden befreien. Der Einsatz des Bullys wurde mit 50 Franken in Rechnung gestellt. Nidal B. lud daraufhin mehrere Videos auf die sozialen Netzwerken hoch und liess sich von seiner Gefolgschaft für teils waghalsige Aktionen feiern. Hier posiert Nidal B. mit Rapper Kay One. Hier ein kleiner Einblick in die Sammlung von Nidal B. Der Millionärs-Erbe protzt auf Instagram mit seinen neuen Schlitten... ...und wie er die Sportwägen auf Bergstrecken ausführt. Auch unter dem Titel «Ein Teil meiner White-Sammlung» veröffentlicht er einige, in der Garage parkierte Fahrzeuge. Ein Auto fehlt in der Sammlung. Den Ferrari 458 Italia liess Nidal B. 2014 im deutschen Augsburg anzünden. Darauf wurde er wegen Versicherungsbetrug verurteilt.

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«Ferrari-Abfackler ausser Rand und Band», titelte der «Blick» kurz vor Weihnachten. Gemeint damit ist Nidal B.* Dem 23-Jährigen wurde vorgeworfen, er habe Geschäftspartner gegen deren Willen in seiner Villa im Thurgau festgehalten. Einem Opfer habe man sogar versucht, die Haare abzuschneiden. In der Folge sass Nidal B. in Untersuchungshaft.

Laut «Beobachter» handelt es sich bei einem der Opfer um Sandro A.*, der mit seiner Luxusautovermietung «Enjoy your dream» mit Sitz in Sirnach TG, in Konkurs ging und einen Scherbenhaufen hinterliess. Laut dem Magazin hat der Zürcher 2,7 Millionen Franken Schulden.

Seine Masche: Er habe Luxusautos zu relativ günstigen Preisen vermietet, jedoch oft die vorab hinterlegte Kaution nicht zurückbezahlt. Zudem nahm er zahlreiche Darlehen auf, für die Luxusautos aus seinem Fuhrpark dienten, die ihm jedoch nicht gehörten.

Vorwürfe an den Haaren herbeigezogen

Bei Nidal B., dem Sohn eines Selfmade-Millionärs, scheint Sandro A. an den Falschen geraten zu sein, als er sich nicht an die vereinbarten Zahlungsmodalitäten für Luxusautos hielt. Nidal soll ihn in seiner Villa gefesselt und gefangen gehalten haben.

«Die Vorwürfe gegen mich sind alle an den Haaren herbeigezogen», sagt Nidal B. am Montag zu 20 Minuten. «Das ist eine Taktik von Sandro A., um die Schulden nicht zu bezahlen.» Dagegen gehe er rechtlich vor. Es werde sich bald zeigen, ob er schuldig oder unschuldig sei. Das Verfahren läuft noch. Aus diesem Grund äusserte sich der Anwalt von Nidal B. nicht zum Fall.

Betreibungen gegen Nidal B.

Gegen Nidal B. laufen Betreibungen in der Höhe von rund 600'000 Franken, wie 20 Minuten weiss. «Diese stammen aus Streitfällen aus meinem Immobiliengeschäft», sagt Nidal B. «Finanziell stehe ich auf den Füssen.» Das Geld für das Luxusleben stammt von der Familie.

Nidal B. und seine Luxusautos sorgen schon mehrfach für Schlagzeilen. Mitte Dezember blieb der 23-Jährige mit einem grünen Lamborghini in Hoch-Ybrig SZ im Schnee stecken. Ein Pistenbully musste den Boliden aus dem Pulverschnee ziehen.

Ferrari brannte

Unrühmlich ist eine andere Episode. Im Oktober 2014 ging ein schwarzer Ferrari von Nidal B. vor einem Bordell in Augsburg (D) in Flammen auf. Laut «Bild» hatte der Ostschweizer zwei Bosnier angestiftet, den Sportwagen anzuzünden. Ziel: die Versicherungssumme einzukassieren. Dafür verhängte das Jugendschöffengericht Augsburg im August 2015 wegen Versicherungsbetrug eine Bewährungsstrafe von 22 Monaten sowie eine Geldstrafe von 30'000 Euro.

* Namen der Redaktion bekannt

(jeb)