Zugunglück mit Tieren

04. April 2019 04:42; Akt: 04.04.2019 04:42 Print

Für eine Kuh kann man bremsen, für Katzen nicht

Neben einem Esel sind in den letzten Wochen in der Ostschweiz auch Ponys, Pferde und Pfauen von Zügen überfahren worden. Der Lokführer kann meist nicht bremsen, selbst wenn er wollte.

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Traurige Gewissheit: Der Esel, der in Mörschwil SG am Samstag von einem Zug gestreift wurde, ist tot. «Da das Tier zu schwere Verletzungen erlitt, beschloss man, es einzuschläfern», sagt Roman Kohler, Sprecher der Stadtpolizei St. Gallen. Vergeblich hatte man beim Tierarzt versucht, das Tier noch zu retten.

Es ist in den letzten Wochen nicht der erste Fall, bei dem ein Tier durch einen Zug stirbt. Auch am 29. März konnte ein weisser Pfau nicht schnell genug vom Bahngleis flüchten: Das berühmte Maskottchen aus Weinfelden TG starb am Unfallort. Der gravierendste Fall in letzter Zeit ereignete sich am 4. Februar in Horn TG: Drei Ponys und ein Pferd prallen in einen Thurbo-Zug und sterben daraufhin ebenfalls an der Unfallstelle.

Für die jeweiligen Besitzer sind die Verluste schlimm: «Für uns ist das sehr traurig. Es gab viele Tränen», äusserten sich die Besitzer der Pferde damals.

Zusammenstoss kann selten verhindert werden

Wie es auf Anfrage bei der SBB und Thurbo heisst, wird keine Statistik darüber geführt, wie oft Tiere von Zügen angefahren werden. Nur so viel: Meist seien es Wildtiere (Rehe oder Wildschweine), Nutztiere seien eher selten betroffen. Laut SBB-Sprecher Christian Ginsig kommen aber auch Haustiere, zum Beispiel Katzen, unter den Zug. «Überfahrene Tiere werden jeweils dem Wildhüter gemeldet und durch unsere SBB Intervention anschliessend aus dem Gefahrenbereich gebracht», so Ginsig.

Ein Unglück zu verhindern, sei vielmals gar nicht möglich. «Der Bremsweg eines Zuges beträgt oft 800 Meter und mehr. Trotz Schnellbremsung kann ein Zusammenstoss deshalb meistens nicht verhindert werden», so Ginsig. Ob eine Schnellbremsung sinnvoll sei, müsse situativ entschieden werden. «Wenn eine Katze über die Gleise springt, wird sicherlich nicht gebremst. Wenn der Lokführer hingegen sieht, dass in 300 Meter Entfernung eine Kuh auf der Fahrbahn steht, kann eine Schnellbremsung Sinn machen.» Auch bei Thurbo liegt die Schnellbremsung im Ermessen des Lokführers, wie Sprecher Werner Fritschi sagt. Er gibt zudem zu bedenken, dass Unfälle auch in den Nachtstunden bei eingeschränkter Sicht passieren.

Entgleisung wegen eines Tieres sehr unwahrscheinlich

Vor einer Entgleisung wegen eines Tieres müsse man grundsätzlich keine Angst haben: «In der Regel ist das Eigengewicht des Triebfahrzeugs genug gross. Auch die Stossfänger am Fahrzeug sorgen dafür, dass uns keine Entgleisungen bekannt sind», so Ginsig. Es könne aber vorkommen, dass beim Unfallfahrzeug trotzdem ein Sachschaden entstehe.

Wenn der Lokführer eines Unfallfahrzeugs nach einem Zugunglück psychologische Hilfe braucht, gibt es sowohl bei der SBB als auch bei Thurbo die Möglichkeit, professionelle Hilfe zu erhalten. Die erste Anlaufstelle sei dabei immer der Vorgesetzte.

(mwa)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Radieschen am 04.04.2019 05:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jetzt aber!

    Schade für die Tiere. Aber wo bleibt der Aufschrei der Umweltschützer, dass das verboten werden müsse? Ach ja, es sind nicht die bösen Autos!

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  • Peter am 04.04.2019 07:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute Idee

    Machen wir es wie für die Schweiz üblich. Sofort Züge verbieten!

  • Typhoeus am 04.04.2019 06:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traurige Bilanz

    des technischen Zeitalters aber kaum zu ändern.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • S. Egli am 04.04.2019 12:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Direkter Vorgesetzter als Anlaufstelle?

    Finde ich total daneben das es keine neutrale Stelle ist wo sich ein Lokführer hinwenden kann. Sowas darf bei einem Unternehmen wie der sbb nicht sein. Das sollte eine neutrale Stelle sein denn nicht jeder will sowas mit seinem Vorgesetzten besprechen.

    • Meghan am 04.04.2019 13:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @S. Egli

      Gibt es doch....

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  • Izmir Übel am 04.04.2019 11:44 Report Diesen Beitrag melden

    Insekten

    Und für die armen Mücken, Fliegen, Bienen und Wespen bremst der Lokführer auch nicht.

  • dreamdriver am 04.04.2019 10:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Statistik

    Mich würden noch die Wildschwein-Unfälle interessieren, die leider fehlen...

  • C.v am 04.04.2019 10:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hupe

    Ich bin Lokführer bei der SBB und Züge haben wie Autos auch eine Hupe, etwas lauter, aber die haben das. Diese benutze ich regelmässig bei Katzen, Hunde und Menschen am Perron und wenn nicht, ist es die natürlichste sache zu bremsen, aber leider reicht es nicht immer! Aber es ist immer traurig für mich, wenn es zur Kollision kommt.

  • SBB am 04.04.2019 10:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo fahren Züge 200 km/h in der Schweiz ?

    Nirgends ! In der Schweiz fahren Züge 160 Max. Gibt in der Schweiz viele Besserwisser und ignoranten.

    • Lokifritz am 04.04.2019 10:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @SBB

      Doch. In der Schweiz fahren die Züge im erweiterten Geschwindigkeitsbereich mit System ETCS 200km/h. Im Moment sind dies die Strecken zwischen Olten und Bern auf der Neubaustrecke Mattstetten Rothrist, im Lötschbergbasistunnel und im Gotthardbasistunnel. Ach ja ich bin weder Ignorant noch Besserwisser sondern Lokführer

    • Lokführer II am 04.04.2019 11:08 Report Diesen Beitrag melden

      200 km/h

      Es gibt sehr wohl Strecken in der Schweiz, auf denen 200 km/h gefahren wird, u.a. im Gotthardtunnel oder auf der Neubaustrecke zwischen Rothrist und Mattstetten!

    • Loki Walti am 04.04.2019 11:37 Report Diesen Beitrag melden

      Altmodisch

      Phach, vor 90 Jahren schon fuhren Dampflokomotiven 200 kmh. Heute muss zuerst der Dampf eine Turbine antreiben im Atomkraftwerk, um den Strom herzustellen.

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