Überlebender

13. März 2019 12:29; Akt: 13.03.2019 21:45 Print

«Als ich erwachte, ragte der Kopf aus dem Schnee»

Vier Bergsteiger wurden am Ben Nevis in Schottland von einer Lawine erfasst. Nur einer überlebte. Der Schweizer schildert die dramatischen Szenen.

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Eine Lawine hat in Schottland eine vierköpfige Bergsteiger-Gruppe mitgerissen. Drei von ihnen starben, einer wurde verletzt. Bei den Todesopfern handelt es sich um drei Walliser, einer von ihnen ist Schweizer, die beiden anderen Franzosen. Der einzige Überlebende, Mathieu Biselx, ist ebenfalls Schweizer. Er liegt derzeit in Glasgow im Spital. «Es ist schrecklich, sie sind nicht mehr da», erzählt der 30-Jährige dem «Nouvelliste» (Bezahlartikel). «Sie kommen nicht mehr zu ihrer Familie zurück.»

Biselx ist Präsident der SAC-Sektion Monte Rosa in Sion. Seine drei Begleiter waren ebenfalls beim SAC. Die Reise war jedoch privat organisiert. «Meine Freunde haben mir diesen Trip vorgeschlagen, damit ich auf andere Gedanken komme, da ich derzeit eine schwierige Phase durchlebe. Ich habe schliesslich zugestimmt und wir haben die Reise um Weihnachten organisiert.»

«Wir drehten uns um und zwei Sekunden später wurden wir vom Schnee mitgerissen.»

In Schottland seien die vier am Sonntag angekommen. Die Tour am Dienstag sei die erste gewesen. Kurz nach dem Mittag sei es dann zum Unglück gekommen. «Wir waren nicht sehr weit oben, als wir plötzlich ein Geräusch hörten. Wir haben uns umgedreht und zwei Sekunden später wurden wir von schwerem, kompaktem Schnee mitgerissen.»

Biselx verlor das Bewusstsein. «Als ich aufwachte, ragten nur mein Kopf und ein Arm aus den Schneemassen.» Seine Freunde hatten weniger Glück. «Es ist ein schreckliches Drama. Zwei waren auf der Stelle tot, der dritte kurz darauf. Es waren wunderbare Leute im Alter von 33, 42 und 43 Jahren. Ob sie nun Walliser oder Franzosen waren, alle hatten eine starke Bindung zum Kanton.»

«Sie sind Familienväter. Es ist ein schreckliches Drama.»

Biselx wurde beim Unglück schwer verletzt, schwebt aber nicht in Lebensgefahr. Er sei an seinen Beinen verletzt worden, sagt er zum «Nouvelliste». «Mein Bauch, eine Schulter und ein Arm sind ebenfalls verletzt, aber das wird wieder. Anders als bei meinen Freunden, sie sind Familienväter. Es ist ein schreckliches Drama.»

Der verletzte Schweizer sei ansprechbar gewesen, als der stellvertretende Leiter von Lochaber Mountain Rescue, Donald Patrson, ihn am Unglücksort antraf. «Es ging ihm nicht gut, aber er war bei Bewusstsein und er konnte uns seinen Namen sagen», sagt er gegenüber einem Reporter der «Sun».

Eines der Opfer war als Bauleiter tätig, ein weiteres arbeitete im sozialen Bereich, schreibt «Le Nouvelliste». Das dritte Opfer war Ingenieur in einem grossen Walliser Unternehmen. Die Männer wohnten in Siders und Bramois.

«Meiner Meinung nach haben sie nichts falsch gemacht.»

Während des Unglücks herrschten am Ben Nevis schwierige Verhältnisse. Die Lawinengefahr war hoch, starke Winde, kräftige Schneefälle und eisige Temperaturen erschwerten die Rettungsaktion. Patrson sagt gegenüber dem Reporter: «Die Verhältnisse waren ehrlich gesagt ziemlich schrecklich.» Er selbst sei vom Wind viermal umgeblasen worden. Einen Vorwurf macht er der Gruppe aber nicht. «Meiner Meinung nach haben sie nichts falsch gemacht. Das Wetter war am Morgen gut, ich wäre wohl selbst auch los gegangen. Das Leben ist voller Risiken, wir leben in einer riskanten Welt und ich würde das Handeln dieser Leute nicht im geringsten kritisieren.»

Ein Bergsteiger beschrieb auf Instagram, wie er bei der Bergung half. Er habe den Kopf eines bewusstlosen, sterbenden Mannes in den Händen gehalten. Patrson bestätigt: «Zum Glück waren Leute da. Sie begannen die Rettung gemeinsam mit einer Gruppe Militärs, die vor Ort trainierten. Das war eine grosse Hilfe. Ohne diese Leute wäre das Unglück noch viel schlimmer ausgegangen.»

(vro/mm)