Unfall von Charmey FR

28. Oktober 2015 13:28; Akt: 28.10.2015 13:35 Print

«Unsere Köpfe schlugen auf die Frontscheibe auf»

Ein Autofahrer fuhr am Sonntag in vier Personen. Unter den Verletzten ist Snowboard-Champion Gilles Jaquet – der Getötete war der Freund seiner Mutter.

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Vor dem Hotel de l'Etoile im freiburgischen Charmey hat sich am Sonntag ein schrecklicher Unfall ereignet. Ein Mann kam wegen eines epileptischen Anfalls mit seinem Auto von der Strasse ab und fuhr in eine Menschengruppe, die auf dem Parkplatz vor dem Hotel stand. Anschliessend kollidierte das Auto mit drei Fahrzeugen und krachte gegen die Hotelwand. Ein 71-jähriger Mann verstarb noch vor Ort. Ein 10-jähriges Mädchen und zwei 43- und 41-jährige Männer mussten teils schwer verletzt ins Spital gebracht werden.

Einer der beiden Männer ist der Schweizer Snowboard-Profi Gilles Jaquet, der in La Chaux-de-Fonds wohnt. Er liegt noch immer im Spital in Freiburg. Der Zeitung «Le Matin» erzählt er, dass sich am Sonntag seine Familie zusammengefunden habe, um den 70. Geburtstag von Jaquets Mutter zu feiern. Begleitet wurde der 41-jährige mehrfache Weltcup-Sieger von seiner Frau und den beiden Söhnen sowie von seinem Bruder, der aufgrund eines Stromschlags im Rollstuhl sitzt. Ein weiterer Bruder von Jaquet war ebenfalls mit seiner Frau und den drei Töchtern angereist. Der 71-jährige Mann, der ums Leben kam, war der Lebenspartner der Mutter, so die Zeitung.

Über das Auto geschleudert

Die Familie hatte laut Jaquets Aussagen ein Wochenende in Charmey mit einem Besuch im Thermalbad und einer Übernachtung im Hotel verbracht. Als es zum tragischen Unfall kam, waren sie gerade dabei, sich voneinander zu verabschieden. Der Snowboard-Profi bekam zuvor ein mulmiges Gefühl: «Wie bei einer Vorahnung habe ich für meine Söhne von drei und vier Jahren Gefahr gewittert. Ich habe sie angewiesen, sich ins Auto zu setzen und mit Hilfe ihrer Cousine anzuschnallen.»

Dann sah Jaquet das Auto auf die Gruppe zusteuern. Seine Mutter habe gerade noch ausweichen können, er nicht. «Die Stossstange hat mein linkes Knie gerammt, als ich meinem Bruder aus dem Rollstuhl helfen wollte. Unsere Köpfe schlugen auf die Windschutzscheibe auf und wir wurden über das Auto geschleudert», berichtet Jaquet. Passanten seien den Opfern zu Hilfe gekommen. Seine Mutter, sein anderer Bruder und seine Schwägerin, die als Krankenpflegerin auf einer Intensivstation arbeite, hätten erste Hilfe geleistet.

Bruder liegt mit gebrochenem Bein im Spital

Jaquet hat mehrere Prellungen sowie Verletzungen im Gesicht. Ein Auge ist blutunterlaufen, eine Wange angeschwollen. Hals und Lenden des Snowboarders schmerzen, schreibt die Zeitung. Auch seine Frau habe Prellungen erlitten. Seine 10-jährige Nichte habe drei gebrochene Zehen, eine Wunde am Unterkiefer musste genäht werden. Ihre Schwester, die Jaquets Buben beim Anschnallen geholfen hatte, wurde bei der Kollision mit den anderen Fahrzeugen zwischen zwei Autos eingeklemmt, erlitt jedoch glücklicherweise lediglich einen Bluterguss am Oberschenkel.

Die Gedanken des Snowboarders seien jedoch bei der Familie seines Stiefvaters und bei seinem Bruder, der mit einem gebrochenen Bein im Spital in Lausanne liege, sagt er zu «Le Matin». Auch seine Söhne, die durch das Geschehen einen Schock erlitten hatten, bereiten ihm Sorgen. Er müsse noch die richtigen Worte finden, um ihnen das Ganze zu erklären.

«Es ist Schicksal»

Auf den Unfallfahrer sei die Familie jedoch nicht wütend. «Lassen wir die Polizei und die Justiz ihre Arbeit tun, bevor wir jemandem die Verantwortung zuschreiben. Es ist Schicksal. Dieser Unfall ist passiert und die Ermittlungen werden uns helfen, das Ganze zu verstehen. Das ist alles.»

(vro)