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13. September 2013 16:52; Akt: 13.09.2013 18:39 Print

Adelines Killer hat vor der Tat ein Messer gekauft

Damit er Pferde-Hufe behandeln kann, hatte der verurteilte Vergewaltiger Fabrice Anthamatten die Erlaubnis, Messer zu kaufen. Und genau das hat er kurz vor seiner Tat getan.

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Am 15. September hat Interpol Fabrice Anthamatten international zur Haft ausgeschrieben. Er hat wohl die Therapeutin Adeline M. entführt und umgebracht. Noch am gleichen Tag wird er an der deutsch-polnischen Grenze verhaftet. Vorher lieferte er sich eine spektakuläre Flucht. Bewaffnete Polizisten stehen am 13. September .2013 bei einem Grosseinsatz auf der Suche nach dem Vergewaltiger und mutmasslichen Mörder vor dem «Alten Zollhaus» in Weil am Rhein (Baden-Württemberg). Die Spur des 39-jährigen Haeftlings hat sich am Bahnhof in Weil am Rhein verloren. Gemäss jüngstem Bericht der «Badischen Zeitung» ist Anthamattens Aufenthaltsort unbekannt, wahrscheinlich hat der die Dreiland-Region um Basel verlassen. Er konnte sich wohl per Zug absetzen, seine Fahrtrichtung ist jedoch noch unklar. Am 13. September 2013 fand die Polizei den Leichnam der Sozialtherapeutin Adeline Morel im Bois d'Avault bei Versoix. Der Körper der Frau steckte in einem Sack. Die Suche nach dem mutmasslichen Täter läuft auf Hochtouren. Laut diversen Medien führt die Spur nach Norden. So soll das Handy von Adeline Morel in Basel geortet worden sein. Darauf suchten Schweizer Polizisten in einem Helikopter der deutschen Polizei mit einer Wärmebildkamera nach dem Flüchtigen. Auch deutsche Medien melden Suchaktionen. So soll im Zusammenhang mit dem Tötungsdelikt in Genf im südbadischen Weil am Rhein ein Haus durchsucht worden sein. Gegen 11 Uhr morgens am Donnerstag verschwand Adeline Morel während eines begleiteten bewilligten Freigangs. Die Frau ging nicht mehr ans Telefon. Die beiden waren in einem weissen Citroën Berlingo mit dem Kennzeichen GE 719 149 unterwegs. Der verdächtige Häftling heisst Fabrice Anthamatten, ist 181 gross, mit rasiertem Kopf. Er ist Brillenträger. Er trug zuletzt eine blaue Jacke, braune Cargo-Hosen und eine schwarze Mütze.

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Der mutmassliche Mörder der Therapeutin Adeline Morel hat kurz vor seiner Tat ein Messer gekauft. Wie «Le Matin» berichtet, soll es Fabrice Anthamatten sogar in Begleitung seines Opfers gekauft haben, bevor sie zur Reit-Therapie gingen. Er sei dazu befugt, weil er ein Messer braucht, um die Hufe von Pferden zu behandeln.

Ob er Morel damit getötet hat, ist noch nicht klar. Gemäss «Le Matin» soll Anthamatten seine Opfer bereits bei zwei früheren Vergewaltigungen, für die er verurteilt wurde, mit Messern bedroht haben.

Die Leiche der 34-jährigen Therapeutin wurde heute Freitag in der Nähe einer Reithalle wenige Kilometer ausserhalb Genfs gefunden. Der Täter ist offenbar nach Norden geflüchtet. Wie die «Badische Zeitung» berichtet, hat die Polizei am Freitagnachmittag im deutschen Weil am Rhein bei Basel mit einem Grossaufgebot ein Haus umstellt.

Unterwegs zur Reittherapie

Die Frau arbeitete seit 2007 im Zentrum für Sozialtherapie «La Pâquerette» in Genf und war als Kriminologin und Psychologin tätig, wie der Direktor der Genfer Universitätsspitäler HUG, Bertrand Levrat, am Freitag vor den Medien erklärte. «Sie war erfahren und hatte in ihrer Karriere bereits 200 Freigänge mit Häftlingen absolviert.»

Die Psychologin sollte den wegen zweifacher Vergewaltigung zu insgesamt 20 Jahren Haft verurteilten Insassen am Donnerstagmorgen zu einer Reittherapie begleiten. Das Zentrum für Sozialtherapie «La Pâquerette» innerhalb des Gefängnisses Champ-Dollon hatte dafür die Verantwortung, wie die Chefin des Genfer Strafvollzugs, Sandra Favre, erklärte.

Als der Häftling und seine Begleiterin um 11 Uhr nicht zum Rendez-vous erschienen und die Sozialtherapeutin auf Handyanrufe nicht reagierte, wurde Alarm geschlagen.

Erster Freigang ebenfalls mit Frau

Laut Favre hatte der Entführer und mutmassliche Mörder der Sozialtherapeutin sein erstes Delikt 1999 begangen. Er wurde 2001 in Frankreich erstmals wegen Vergewaltigung zu fünf Jahren Haft verurteilt. Wegen einer weiteren Vergewaltigung wurde er in Frankreich zum zweiten Mal zu fünf Jahren verurteilt.

2008 wurde der verurteilte Vergewaltiger nach Genf ausgeliefert, um seine Haftstrafen abzusitzen, wie Favre weiter ausführte. Diese hätten sich unterdessen auf 20 Jahre kumuliert.

Nach Verbüssung von rund zwei Dritteln der Strafe seien ihm aufgrund eines psychiatrischen Gutachtens begleitete Freigänge erlaubt worden. Der erste fand am 3. September statt, der zweite am 12. September - jeweils in Begleitung einer Frau.

(rey)