Prozess in Sion VS

27. August 2018 19:24; Akt: 27.08.2018 19:24 Print

Schütze von Daillon soll therapiert werden

In Sion begann der Prozess gegen einen 33-Jährigen. Er soll 2013 drei Frauen erschossen und zwei Männer verletzt haben.

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Der Angeklagte wird am Montag ins Gerichtsgebäude in Sion geführt. (27. August 2018) Anklage und Verteidigung fordern, dass er therapiert wird. In der Kathedrale von Sitten haben am 7. Januar 2013 mehrere hundert Personen von der getöteten 32-jährigen Mutter Abschied genommen. Der Abdankung wohnten nur Familienangehörige sowie Arbeitskollegen bei. Wie Polizeikommandant Robert Steiner (r., neben Staatsanwalt Jean-Pierre Gross) an einer Pressekonferenz am Vormittag des 2. Januar 2013 sagte, benutzte der Täter mindestens zwei Waffen, einen Karabiner und ein Jagdgewehr. Beim Karabiner soll es sich um eine historische Waffe aus der Armee handeln. Nach wie vor ist unklar, woher der Täter die Waffe hatte. Denn als der Schütze im Jahr 2005 in eine Psychiatrie eingeliefert wurde, sind ihm seine Waffen entzogen worden. Der Schütze hat drei Frauen im Alter von 32, 54 und 79 Jahren getötet und zwei Männer verletzt. Gemäss ersten Untersuchungen hat der mutmassliche Mörder rund 20 Mal geschossen. Daillon in der Nähe von Sion: Hier hat sich das tödliche Drama am Abend des 2. Januar 2013 ereignet. Ein 30-Jähriger schoss auf mehrere Menschen. Drei seiner Opfer kamen ums Leben. Zwei weitere Menschen, die der Schütze getroffen hat, wurden verletzt. Das Motiv des Mannes, der zur Tatzeit offenbar betrunken war, ist noch unklar. «Er war bei uns Gast am früheren Abend», sagt der Wirt des Restaurants «La Channe d'Or». «Er hatte sehr viel getrunken.» Der Ort des Dramas wurde grossräumig abgesperrt. Auch Medienvertreter hatten keinen Zugang.

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Der Mann, der Anfang 2013 in Daillon VS drei Frauen erschossen und zwei Männer verletzt haben soll, ist nach Auffassung von Anklage und Verteidigung unzurechnungsfähig. Für ihn wird eine therapeutische Massnahme gefordert.

Der zur Tatzeit 33-jährige Mann schoss am 2. Januar 2013 mit einem Armee-Karabiner und einer Schrotflinte rund 30 Mal im 400-Einwohner-Dorf Daillon oberhalb von Sitten um sich. Er eröffnete das Feuer auf mehrere Personen, zuerst vom Fenster seiner Wohnung aus und danach auf offener Strasse.

Gutachten attestieren Krankheit

Drei Frauen wurden getötet und zwei Männer verletzt, darunter der Onkel des Schützen. Zwei Gutachten waren zum Schluss gekommen, dass der Angeklagte an paranoider Schizophrenie leide und unzurechnungsfähig sei. Ein Gutachten verlangt eine Verwahrung des Mannes, das zweite eine Therapie in einer geschlossenen Einrichtung.

Der Schütze sagte dem Bezirksgericht Hérens-Conthey bei Prozessbeginn am Montag, er könne sich zwar erinnern, in die Luft geschossen zu haben. Aber er erinnere sich nicht, auf wen auch immer gezielt zu haben. Die Staatsanwältin sprach dennoch von einem kaltblütig und ohne Skrupel begangenen Mord.

Innert Minuten 30 Patronen

Der Angeklagte habe sich an einem Onkel rächen wollen, der ihn nach seiner Geburt eingesperrt habe, sagte die Staatsanwältin. Er habe innerhalb weniger Minuten dreissig Patronen verschossen. Dabei habe er drei Frauen getötet und weitere Menschen zu töten versucht.

Dies solle das Gericht festhalten, auch wenn der Angeklagte gemäss den Gutachten als nicht zurechnungsfähig anzusehen sei, forderte sie. Die Opfer und ihre Angehörigen müssten sagen können, dass der Beschuldigte die Taten begangen habe.

DNA-Spuren hinterlassen

Für die Vorwürfe gebe es Beweise, führte die Staatsanwältin aus. Es seien Aussagen von Augenzeugen und Anrufe von Dorfbewohnern bei der Polizei. Auch habe der Angeklagte DNA-Spuren auf den benutzten Waffen hinterlassen und es lägen gerichtsmedizinische Berichte vor.

Der Täter befindet sich bereits in einer Behandlung. Diese scheine Früchte zu tragen, sagte die Staatsanwältin. Sie plädierte für eine Massnahme in einer geschlossenen Einrichtung.

«Wie verteidigen?»

«Wie den Unverteidigbaren verteidigen», fragte die Verteidigerin. An der Krankheit des Beschuldigten gebe es keine Zweifel. Im Laufe der Zeit hätten sich die Symptome verschärft. Der Mann habe sich zunehmend abgekapselt.

Die Verteidigung unterstützte den Antrag der Anklage, verlangte aber die Abweisung der Forderungen der Zivilkläger. Der Beschuldigte sei mittellos.

Die Anwälte der Opfer und Angehörigen, die als Zivilparteien auftraten, kritisierten diesen Antrag scharf. Insgesamt 17 Opfer verlangen zwischen 30'000 und 90'000 Franken als Genugtuung.

Urteil am Donnerstag

Die Familien seien nach wie vor in Trauer, sagte ein Rechtsvertreter der Angehörigen. Auf ein Eingeständnis, eine Entschuldigung oder eine Geste des Bedauerns dürften sie nicht zählen können. Eine Anwältin warf die Frage auf, wie den Familien die Unzurechnungsfähigkeit des Täters erklärt werden könne.

Ein weiterer Opfer-Anwalt beantragte, eine Zurechnungsfähigkeit wenigstens zum Teil anzuerkennen und so eine Verurteilung möglich zu machen: «Die Opfer verlangen keine Rache, aber Rechtsprechung.»

Das Urteil wird am kommenden Donnerstag eröffnet.

(chi/sda)