Lausanne

02. Oktober 2019 13:24; Akt: 02.10.2019 13:24 Print

Eltern gehen essen und lassen Baby in Tiefgarage

Ein Ehepaar aus Lausanne liess ein 9-monatiges Kind zweieinhalb Stunden allein im Auto. Nun wurde es verurteilt.

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Das Schlimmste konnte verhindert werden. «Das Kind schrie, sein Gesicht war ganz rot, heiss und voller Tränen. Sein Haar war durchnässt und die Windeln so voll mit Urin, dass diese bereits am überlaufen war», schreibt die Polizei in ihrem Bericht. «Es sass in einem Auto mit geschlossenen Fenstern, das in der Tiefgarage des Beau-Rivage-Palastes in Lausanne parkiert war. An diesem Nachmittag des 8. Mai herrschten mindestens 20 Grad.» Die Polizei hatte eine Scheibe eingeschlagen, um das Kind zu retten.

Die Eltern, eine 40-jährige Ukrainerin und ein 71-jähriger Schweizer, assen unterdessen im Restaurant der luxuriösen Anlage. Als der Hotelmanager die beiden über das Eingreifen der Polizei informierte, hätten die beiden lediglich gesagt: «Das macht nichts. Solche Dinge passieren. Setzen Sie sich und trinken Sie etwas mit uns.»

«Aus persönlichen Gründen und aus Angst vor verurteilenden Blicken habe das Paar das Baby im Auto zurückgelassen», schrieb der Staatsanwalt Laurent Contat. Das Baby blieb zwischen 12.08 Uhr und 14.40 Uhr unbeaufsichtigt. Nur einmal sei die Mutter gegen 13.30 Uhr für eine Minute in der Garage gewesen.

Ausweisung der Mutter «unverhältnismässig»

«Das Kind sei nicht direkt dem Tod ausgesetzt worden, dafür sei die Zeitspanne, in der es im Auto war, zu kurz gewesen», schreibt der Staatsanwalt.

Der Vater wurde zu 120 Tagessätzen mit einer zweijährigen Bewährung und 2400 Franken Busse verurteilt. Die Mutter, welche weniger verdient als ihr Mann, erhielt dieselbe Strafe, allerdings in der Höhe von 600 Franken. Die Eltern müssen sich zudem die 1800 Franken Unkosten teilen.

Der Staatsanwalt hatte eine mögliche Ausweisung der Ukrainerin aufgeworfen, er betrachtete dies schliesslich jedoch als unverhältnismässig. Das Ehepaar legte keinen Rekurs gegen das Urteil ein.

(kat)