Ermittlung wegen Ritual

12. März 2019 10:52; Akt: 12.03.2019 10:52 Print

Gefängniswärter erniedrigt und in Zelle eingesperrt

Als Ritual ist ein neuer Gefängniswärter in Genf in eine Zelle gesteckt und mit Essen beschmiert worden. Ein Gericht ermittelt nun.

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Gegen 14 Gefängniswärter in Champ-Dollon läuft ein Verfahren. Sie werden verdächtigt, einen Kollegen gedemütigt und mit Essen beschmiert zu haben. Konkret sollen sie einen neuen Mitarbeiter in eine Gefängniszelle gesperrt und über Nacht dort gelassen haben. Dabei soll es sich um ein Initiationsritual gehandelt haben.

Ein Video zeigt, wie mehrere Wächter flüssige und feste Nahrung in einem Behälter zusammengemischt haben. Danach legten fünf Wärter dem Neuankömmling Handschellen an und platzierten diesen auf dem Boden der Gefängnisdusche. Dort wurde er mit Wasser bespritzt und mit dem Nahrungsmittelbrei beschmiert. Ausserdem färbte man ihm den Bart grün und klebte Glitzer an.

«Solche Zeremonien werden auch in der Armee abgehalten»

Der Sprecher des Genfer Sicherheitsdepartements, Laurent Paoliello, hält fest, dass solches Handeln nicht toleriert werde. Insbesondere deshalb nicht, da es dem Opfer nicht freistehe, sich gegen die Schikanen zu wehren, da ansonsten seine Karriere auf dem Spiel stehe.

Ziel der Ermittlungen ist es einerseits, herauszufinden, ob sich diese Sachverhalte tatsächlich so zugetragen haben, andererseits aber auch, abzuklären, ob die Sicherheit des Gefängnisses aufs Spiel gesetzt wurde. Dies verneint der Verteidiger, Romain Jordan, jedoch. Zu keiner Zeit sei es zu einer Einbusse der Sicherheit im Gebäude gekommen. Ebenfalls Gegenstand der Untersuchung ist das Video, wie die «Tribune de Genève» schreibt. Denn eigentlich ist es nicht erlaubt, uniformiertes Überwachungspersonal zu filmen.

«Eine so grosse Untersuchung ist unverhältnismässig»

Jordan sagt: «Solche Zeremonien werden auch in der Schweizer Armee abgehalten. Sie steigern den Zusammenhalt. Natürlich war aber kein Alkohol im Spiel und es ist auch nicht zu rassistischen, sexistischen oder diskriminierenden Aussagen oder Taten gekommen.» Der Betroffene sei nicht gedemütigt worden.

Es seien ausserdem alle Gefängniswärter befragt worden und alle hätten ausgesagt, den Praktiken zugestimmt zu haben. «Es ist daher äusserst unverhältnismässig, eine so grosse Untersuchung einzuleiten», sagt Jordan.

Auch ein zweiter Verteidiger, Robert Assael, bestätigt, dass solche Initiationsriten in Champ-Dollon eine lange Tradition haben. Dies sei nicht nur im Gefängnis der Fall, sondern auch unter Anwälten. «Es ist absurd, zu behaupten, die Sicherheit sei gefährdet worden. Wäre es zu einem Notfall gekommen, hätten die Wärter unverzüglich reagieren können.»

(doz)