Suspendierung

04. Februar 2016 15:55; Akt: 04.02.2016 15:55 Print

Genfer Priester missbraucht Teenager (17)

Ein katholischer Priester soll in Genf einen 17-Jährigen sexuell missbraucht haben. Er wurde von seinen Aufgaben entbunden, ist aber auf freiem Fuss.

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Der katholische Priester hat gestanden, einen 17-Jährigen sexuell missbraucht zu haben. (Bild: zvg./Le Matin)

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Bevor er verhaftet wurde, war der 75-jährige Priester, der in drei Kirchgemeinden im Kanton Genf arbeitete, beliebt. Im Pfarrblatt bedankte man sich Ende August bei ihm mit einem kleinen Text für seine «beeindruckende Präsenz», seine Dienstbarkeit und seinen Anstand.

Worte, die nachhallen, wenn man weiss, welchen bleibenden Eindruck der Geistliche offenbar bei einem 17-Jährigen hinterliess. Der junge Mann, der als sehr religiös beschrieben wird, besuchte regelmässig eine der Kirchen, in der der Priester seit rund einem Jahr tätig war. Eine Frau erinnert sich an ihn: «Man sah ihn immer in der Messe, ein toller Junge», sagt sie zu «Le Matin».

Wegen sexuellen Handlungen mit Abhängigen angeklagt

Die Beziehung zwischen dem Minderjährigen und dem Priester begann zu wachsen. Im vergangenen Sommer lud der Geistliche den jungen Mann zum Mittagessen in ein Restaurant ein. Danach nahm er ihn mit zu sich nach Hause. Und dort soll es passiert sein. Der 17-Jährige erstattete sofort Anzeige wegen sexuellen Missbrauchs. Die Polizei verhaftete den Priester am 28. August. Nachdem er seine Tat jedoch gestanden hatte, wurde er am 6. November vorläufig wieder entlassen.

Die Staatsanwaltschaft hat gegen den Mann Anklage wegen sexueller Handlungen mit Abhängigen erhoben. Er habe als Erwachsener das Vertrauensverhältnis zum jungen Mann ausgenutzt. Der Prozess findet noch dieses Jahr statt.

Der Bischof weiss Bescheid

Lorella Bertaini, die Anwältin des Opfers, sagt, ihr Mandant «habe gelitten und leide noch immer unter der Straftat – genau wie seine Eltern». Das Bistum habe nichts Konkretes unternommen, um dieser Familie zu helfen.

Bei der Diözese in Lausanne, Genf und Freiburg bestätigt Sprecherin Laure-Christine Grandjean, dass Bischof Charles Morerod seit Ende August über ein Strafverfahren informiert wurde. Seither sei der Priester von all seinen Aufgaben entbunden. Der Bischof werde sich vor dem Gerichtsverfahren aber nicht zum Fall äusssern. Grandjean sagt zudem, die Diözese stelle für Opfer von sexuellem Missbrauch eine Menge Mittel zur Verfügung.

(tab)