Pilotprojekt-Idee

05. Dezember 2013 16:43; Akt: 06.12.2013 13:47 Print

Genfer sollen legal kiffen dürfen

Drei Jahre lang sollen Anbau, Handel und Konsum von Cannabis in Genf legalisiert werden. Die Idee wird von allen grossen Parteien getragen.

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In Genf sollen Anbau, Handel und Konsum von Cannabis im Rahmen eines Pilotprojektes während dreier Jahre legalisiert werden. Diesen Vorschlag macht eine überparteiliche Arbeitsgruppe. Das Projekt könnte auch auf andere grosse Schweizer Städte ausgedehnt werden.

Das Geschäft mit Cannabis stelle einen gewichtigen Teil des offenen Drogenmarktes dar, der mit zahlreichen Delikten verbunden sei, welche die öffentliche Sicherheit in Genf bedrohe, sagte Sandro Cattin, Soziologieprofessor der Universität Genf und Präsident der Arbeitsgruppe. Diese setzt sich aus sämtlichen im Genfer Grossen Rat vertretenen Parteien zusammen: FDP, CVP, SVP, SP, Grüne und MCG.

Die Idee der Arbeitsgruppe ist es, den Cannabis-Konsum innerhalb so genannter «Cannabis Social Clubs» freizugeben. Ein ähnliches Modell kennen Frankreich und seit 2002 auch Spanien.

Legales Kiffen in Vereinslokalen oder zu Hause

Die Konsumenten organisieren sich in Vereinen und zahlen einen Mitgliederbeitrag, der sich an ihrem Konsum misst, der sich um rund zwei Gramm pro Tag bewegen darf. Konsumiert werden kann das Cannabis in den Vereinslokalen oder bei den Vereinsmitgliedern zu Hause.

In anderen Ländern hätten legale Modelle nicht zu einer Erhöhung der Konsumentenzahl geführt, hält die Arbeitsgruppe fest. In der Schweiz wird diese Zahl auf 6,25 bis 8,5 Prozent der Bevölkerung geschätzt. In Holland, wo der Cannabis-Konsum in Coffee-Shops toleriert wird, liegt die Zahl der Konsumenten tiefer, bei 5,74 Prozent.

Während der Cannabis-Konsum in verschiedenen Ländern legalisiert wurde, wird er in der Schweiz seit Anfang Oktober mit Ordnungsbussen geahndet. «Die Schweiz ist oft zu vorsichtig», sagte Lydia Schneider Hausser (SP). Rolin Wavre (FDP) betonte, dass es um einen kontrollierten Konsum gehe und keineswegs um eine Liberalisierung von Cannabis.

Der Marktwert der in der Schweiz konsumierten Haschisch-Produkte beläuft sich auf rund eine Milliarde Franken. Das Modell der Arbeitsgruppe hätte laut Sophie Buchs (CVP) den Vorteil, dass die Qualität der Ware und der THC-Gehalt kontrolliert werden könnten.

Ausserdem könnte der Cannabis-Markt vom restlichen Drogenhandel getrennt werden. Heroin und Kokain sollen weiterhin mit strafrechtlichen und therapeutischen Instrumenten bekämpft werden.

Basel und Zürich sollen ebenfalls mitmachen

Die Arbeitsgruppe schlägt einen auf drei Jahre befristeten Pilotversuch vor. In ihren Augen wäre es zudem wünschenswert, wenn das Projekt in Zusammenarbeit mit anderen grossen Schweizer Städten, insbesondere Zürich und Basel, lanciert werden könnte. Damit die Pilotprojekte überhaupt starten könnten, müsste auf eidgenössischer Ebene eine Ausnahmebewilligung eingeholt werden.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Betroffener am 05.12.2013 19:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bin sehr erstaunt und voller Hoffnung

    Ich bin schwer krank und verwende es damit ich essen kann und meine Tabletten nehmen kann ohne zu brechen. Es wird Zeit, dass der Konsum und Anbau für Erwachsene Legalisiert wird. Wenn nötig ziehe ich um. Der gesunde Menschenverstand scheint sich doch noch durchzusetzen in der Schweiz. Für die die schneller schreiben als denken. Ich trinke keinen Alkohol und ich rauche nicht!

  • R.J. am 05.12.2013 20:40 Report Diesen Beitrag melden

    8-ung!

    Klingt toll für alle die das schon lange wollten. Der Staat hält sich jetzt ein Hintertürchen offen, wenn jetzt die Einnahmen bei den Zigaretten sinken, können die dann bei den Cannabis-Konsumenten noch toll abkassieren!

    einklappen einklappen
  • Harri Qrishna am 05.12.2013 18:52 Report Diesen Beitrag melden

    DABEI!!!

    Bin ich sofort dafür! So werden tausende Kiffer entkriminalisiert. Wenn sich dieses Projekt auf die ganze Schweiz bezieht wären es sicher hunderttausende! Als wäre man Krimineller wenn man friedlich ne Tüte raucht vor dem Einschlafen oder von mir aus an einer Party, als wenn man besoffen rum lungert und Leute anpöbelt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mr. Green am 06.12.2013 13:17 Report Diesen Beitrag melden

    Legalisierung?

    Ist nur eine Frage der Zeit.

  • CHdope am 06.12.2013 13:16 Report Diesen Beitrag melden

    An alle Kiffer da draussen

    Wollen wir uns das wirklich antun? Klar, auf den ersten Blick sieht dies schön und gut aus. Doch warum etwas verändern was bis heute funktioniert? Illegal hin oder her, man bekommt fast in jeder Ortschaft Hanf wenn man will. Man bekommt so viel man will, und der Stoff ist meistens auch ziemlich gut. Was ist also wenn man plötzlich nur noch eine gewisse Menge kaufen darf, und wenn der THC-Gehalt so klein gehalten wird, dass man noch kaum etwas davon mitbekommt? Sind wir dann zufriedener? Denke nicht.

  • Mike am 06.12.2013 02:53 Report Diesen Beitrag melden

    Vaporisator kaufen

    Hanf nicht rauchen, das ist ungesund. Kauft euch einen Vaporisator, der erzeugt Dampf und somit keine krebserregenden Stoffe!

  • Peter am 06.12.2013 01:04 Report Diesen Beitrag melden

    Warum...

    ...nicht in Zürich??!

  • Mündiger Bürger am 05.12.2013 23:55 Report Diesen Beitrag melden

    Kommentare zu diesem Artikel

    Wenn ich die Kommentare hier so lese, fällt mir wieder einmal auf, wie schwach gewisse Argumente sind. Die Cannabis-Gegner treiben hier wieder einmal die üblichen Märchen-Säue durchs Dorf ("in Amsterdam ist Kiffen wieder verboten", "Cannabis ist eine Einstiegsdroge", "Kiffen macht dumm", "Cannabis ist gleich Heroin" etc.). Alles was damit bezeugt wird, ist ein totaler Argumentationsnotstand und dass es genau keinen Grund gibt, der gegen eine Entkriminalisierung und Aufhebung der Bevormundung erwachsener Bürger spricht. Wie allgemein bekannt ist, hat Prohibition keinen Einfluss auf den Konsum.