Lausanner Institut

06. Mai 2014 11:29; Akt: 06.05.2014 11:43 Print

Lehrerin bekommt Job nicht, weil sie Russin ist

Eine Lehrerin hat sich bei einem Lausanner Nachhilfe-Institut beworben und wurde abgelehnt. Grund: Sie ist Russin. Der Direktor spricht nicht von Rassismus, sondern von Sanktionen.

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Er soll für die Ablehnung der Bewerbung verantwortlich sein: Weil Putin provoziere und einen Bürgerkrieg anzettle, könne das Institut keine russische Lehrerin einstellen. (Bild: Keystone/Salvatore di Nolfi)

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Seit vier Jahren sucht Svetlana* aus Neuenburg einen Job. Bisher hat sie unzählige Absagen erhalten. Doch jetzt kam es für sie besonders bitter: Nachdem sie sich beim Nachhilfe-Institut Issal in Lausanne beworben hatte, erhielt sie am Samstag vom Direktor persönlich eine Absage: «Vielen Dank für Ihr Vertrauen, (...) aber unsere Philosophie erlaubt uns nicht, Lehrer einzustellen, die aus einem Land kommen, das provoziert, einen Bürgerkrieg anzettelt und dessen Präsident lügt und das Gesetz missachtet. Wir wünschen Ihnen viel Glück.»

Die Nachricht schockierte Svetlana. «Alle fanden das absurd und nicht tolerierbar. Zumal die Website des Instituts auf Russisch verfügbar ist.» Trotzdem will die Moskauerin, die in Neuenburg lebt, keine Beschwerde einreichen, wie sie «20minutes» erklärt. Im Internet habe es ohnehin schon einen Wirbel darum gegeben.

Natürlich oder rechtswidrig?

Beim Institut steht man zum genannten Argument. Direktor Martin Freiburghaus erklärt: «Wir haben uns entschieden, Sanktionen gegen Russland einzuführen, weil die Schweiz offiziell kaum etwas macht.» In seinem Unternehmen seien mehrere Nationalitäten vertreten. Es gehe deshalb nicht um Rassismus. Man wolle auf diese Weise gegen die Verstösse gegen die Menschenrechte protestieren. «Es war die einzige Lösung, die wir gefunden haben. Es liegt in der Natur der Sache, dass bei Sanktionen auch Unschuldige betroffen sind.»

Aus rechtlicher Sicht ist der Fall heikel. Laut Rémy Wyler, Experte für Arbeitsrecht an der Uni Lausanne, steht es einem Unternehmen frei, einen Vertrag nicht abzuschliessen. Allerdings dürfen die Persönlichkeitsrechte des Bewerbers dabei nicht verletzt werden. Im aktuellen Fall steht für ihn fest: «Das ist rechtswidrig.»

(fbr/vro)