SBB zum Unglück

30. Juli 2013 11:06; Akt: 30.07.2013 16:52 Print

Lokführer hat wohl Signal missachtet

Das verheerende Zugunglück bei Granges-près-Marnand hat einen Menschen das Leben gekostet. Erste Erkenntnisse der SBB zeigen: Der Lokführer, der den Unfall überlebt hat, dürfte ein Rotlicht überfahren haben.

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An der Pressekonferenz am Tag nach dem Unglück geben die SBB Auskunft über den Stand der Ermittlungen. Sie gehen von einem menschlichen Versagen aus. In Granges-près-Marnand (VD) sind am Abend vom Montag, 29. Juli 2013, zwei Züge kollidiert. Einer der Lokführer, ein 24-jähriger Franzose, der in Payerne wohnte, kam dabei ums Leben. Bei dem Unfall wurden 25 Menschen verletzt und mussten ins Spital überführt werden. Drei der Verletzten befanden sich auch am Tag nach dem Unfall noch in Spitalpflege. Es handelt sich um zwei Erwachsene und ein Kind. Zunächst war die Anzahl der Verletzten unklar. Es war von 35 Verletzten die Rede. «So stark, wie der Aufprall war, könnte es auch Tote gegeben haben.» Das spekulierte ein Augenzeuge gegenüber «24 heures» bereits in den ersten Minuten nach dem Unglück. Er sollte recht behalten. Polizei, Feuerwehr, mehrere Ambulanzen und ein Helikopter waren schnell vor Ort. Am Abend wurden schwere Maschinen zur Bergung der der Züge aufgeboten. Die Ursache des Unglücks ist noch unklar. Die Passagiere der beiden Züge am Unglücksort. Der Aufprall der beiden Züge war heftig, wie die folgenden Bilder eindrücklich zeigen. Zum Zusammenstoss zwischen den beiden Zügen kam es gegen 19 Uhr direkt bei der Ausfahrt aus dem Bahnhof Granges-Marnand. Die Kollision ereignete sich, als ein Zug im Bahnhof ankam, während ein anderer losfuhr, wie Pierre-Olivier Gaudard, Mediensprecher der Kantonspolizei Waadt auf Anfrage sagte. Die Linie Palézieux - Payerne ist unterbrochen. Zwischen Moudon und Payerne fallen die S-Bahnzüge von Lausanne nach Payerne aus. Bahnersatzbusse sind aufgeboten.

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Beim Zugunfall bei Granges-près-Marnand VD hat einer der beiden Lokführer möglicherweise ein Rotlicht überfahren. Dies sind die ersten Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft.

Der Lokführer des Zuges, der von Payerne her kam, hatte im Bahnhof angehalten und diesen dann zu früh wieder verlassen. Ob ein Signal nicht funktionierte oder ob der 54-Jährige ein Rotlicht übersah, wird derzeit ermittelt. Der Mann konnte noch eine Vollbremsung einleiten. Dem 54-Jährigen gelang es zudem, den Führerstand vor der Kollision zu verlassen, wie Christophe Sauterel, Mediensprecher der Waadtländer Kantonspolizei, am Dienstag an einer kurzfristig einberufenen Medienkonferenz in Lausanne sagte.

Der Lokführer wurde bereits von der Polizei befragt, wie Sauterel festhielt.

Beim verstorbenen Lokführer handelt es sich um einen 24-jährigen Mann, der in Payerne VD wohnhaft war. Er hatte den Zug gesteuert, der von Lausanne in Richtung Payerne unterwegs war.

«Wir wollen der Familie des Lokführers unser Beileid aussprechen», sagte SBB-Direktor Andreas Meyer. Er entschuldigte sich bei allen vom Unfall betroffenen Kunden.

Neues technisches System nötig

Der Unfall müsse zuerst abgeklärt werden, erst danach würden die notwendigen Konsequenzen gezogen, hielt Meyer fest. Um die Sicherheit auf ein ganz hohes Niveau zu bringen, brauche es das System ETCS 2. Dies dauere ungefähr zehn Jahre und koste rund zwei Milliarden Franken.

Auf der betroffenen Strecke war das Zugsicherungssystem Signum eingerichtet. Dieses System bremst einen Zug erst, wenn ein Signal überfahren wurde - nicht im Voraus.

Untersuchung läuft weiter

Die beiden Züge werden derzeit von Experten untersucht. Danach sollen sie ins SBB-Werk in Yverdon abgeschleppt werden.

Nach dem Zugsunfall bei Granges-près-Marnand VD wurden 25 Personen ins Spital eingeliefert.

Der Grossteil der Verletzten konnte das Spital inzwischen wieder verlassen. Noch drei Personen befinden sich in Spitalpflege. Es handelt sich um zwei Erwachsene und ein Kind.

Sie befinden sich ausser Lebensgefahr, wie Jean-Christophe Sauterel, Mediensprecher der Kantonspolizei Waadt, vor den Medien in Lausanne sagte. Es handle sich um eine aussergewöhnliche Situation.

Zug 8 Meter kürzer

Der Zug, in dem sich der verstorbene Lokführer befand, wurde durch den heftigen Aufprall zusammengedrückt und um acht Meter verkürzt. Man könne derzeit nicht ausschliessen, dass sich noch ein Passagier darin befinde. Der Wagen wird nun ins SBB-Werk in Yverdon gebracht und auseinander genommen, um Klarheit zu schaffen.

Weiter sagte SBB-Chef Meyer, die Zugunglücke von Granges-près-Marnand und Neuhausen Anfang des Jahres seien miteinander vergleichbar, weil es sich um Unfälle handle. Die Überlastung des Zürcher SBB-Netz sei jedoch etwas ganz anderes. Der Bau eines neuen Bahnhofes bei uneingeschränktem Zugbetrieb bringe einige Schwierigkeiten mit sich.

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(aeg)