Illegale Spionage

13. Juni 2014 07:08; Akt: 13.06.2014 07:08 Print

Mitarbeiter des Bundes festgenommen

Unter dem Verdacht der Computer-Piraterie ist ein Mitarbeiter des Nachrichtendienstes des Bundes festgenommen worden. Ein Walliser Weinhändler wollte Journalisten auspionieren.

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Ein Gefangenentransport vor dem Justizgebäude des Kantons Genf. Hierher wurden der Walliser Winzer Dominique Girod und seine drei mutmasslichen Helfer gebracht. (Bild: Keystone/Martial Trezzini)

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Die Genfer Staatsanwaltschaft hat am Mittwoch nach mehrwöchigen Ermittlungen vier Personen unter dem Verdacht der Daten-Piraterie festgenommen. Sie sollen Hacker-Angriffe auf Computer von mindestens zwei Journalisten in Auftrag gegeben respektive ausgeführt haben.

Neben dem Walliser Weinhändler Dominique Giroud handelt es sich bei den Verhafteten um einen professionellen Hacker, einen Privatdetektiv und einen Angestellten des Nachrichtendienstes des Bundes (NDB). Die vier Personen wurden am Donnerstagmorgen vom Genfer Generalstaatsanwalt Olivier Jornot angehört. Am Donnerstagnachmittag sollten sie erneut verhört werden.

Undichte Stellen identifizieren

Die Festnahme erfolgte im Auftrag der Staatsanwaltschaft durch die für Finanzdelikte zuständigen Justizbehörden und mit Unterstützung mehrerer Kantonspolizeien. Zusätzliche Informationen wollte die Staatsanwaltschaft vorerst nicht geben. So ist beispielsweise nicht bekannt, wo die Festnahmen erfolgten.

Ziel des Hackerangriffs war es laut Jornot aber anscheinend, die undichten Stellen zu identifizieren, über die Informationen zu den laufenden Untersuchungen gegen Giroud an die Medien gelangt waren.

NDB-Mitarbeiter per sofort freigestellt

Der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) hatte Kenntnis von der laufenden Untersuchung der Genfer Strafverfolgungsbehörden gegen einen seiner Mitarbeiter, wie er am Donnerstag mitteilte. Er habe unverzüglich das Departement VBS und die Aufsichtsorgane informiert.

Der NDB sei aber in keiner Weise in die Affäre des Walliser Weinhändlers Dominique Giroud verwickelt und habe seinen Mitarbeiter auch nicht beauftragt. Für diesen gelte im Übrigen die Unschuldsvermutung. Er wurde gemäss den Vorgaben des Bundespersonalgesetzes jedoch per sofort freigestellt.

Seit Monaten in den Schlagzeilen

RTS und «Le Temps» bestätigten am Donnerstag, dass ihre Redaktionen Ziel von Piraterie-Versuchen gewesen seien. Die beiden Medienunternehmen erhoben deshalb Klage gegen Unbekannt. Bei RTS sei ein Computer der Redaktion vor einigen Wochen von einem Hacker angegriffen worden. Es sei eine sehr raffinierte Software verwendet worden, sagt Chefredaktor Bernard Rappaz. Er könne allerdings nicht sagen, ob dieser Piraterie-Versuch und die Affäre Giroud in einem Zusammenhang stünden.

Die Genfer Zeitung «Le Temps» hatte im Oktober 2013 aufgedeckt, dass die Eidgenössische Steuerverwaltung wegen gravierender Steuerdelikte gegen den Walliser Weinhändler Dominique Giroud ermittelt.

Die Affäre Giroud macht in der Westschweiz seit Monaten Schlagzeilen. Der Weinhändler steht einerseits wegen Verdachts auf Steuerdelikte im Fokus der Steuerbehörden. Zudem wird er beschuldigt, zwischen 2006 und 2009 über 35'ooo Liter Wein unerlaubt gemischt zu haben. In dieser Sache läuft im Kanton Waadt eine Strafuntersuchung wegen Betrugs, Warenfälschung und Urkundenfälschung.

(ann/sda)