Waadtland

01. November 2018 09:49; Akt: 01.11.2018 09:49 Print

IV-Rentner getötet – Täter kommt 8 Jahre früher frei

Vier junge Leute haben 2006 einen 62-Jährigen gefoltert und getötet. Einer von ihnen kommt nun frei. Acht Jahre früher als vorgesehen.

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In einer Mainacht im Jahr 2006 drangen ein minderjähriger Serbe, der mittlerweile ausgeschafft worden ist, eine 18-Jährige, ihr 17-jähriger Freund und ein damals 22-Jähriger bei einem 62-jährigen IV-Rentner in Clarens VD ein und versuchten dessen Kreditkarten und Kokain zu erbeuten. Erst traktierten sie den Mann mit Fäusten und Füssen, schlugen ihn mit Flaschen und Hanteln, dann töteten sie ihn mit rund 20 Messerstichen. Drei Tage später kehrten sie zurück und legten in der Wohnung des Opfers Feuer. Die junge Frau und der damals 22-Jährige wurden zu einer Freiheitsstrafe von 20 Jahren verurteilt.

Einer der Täter kommt nun wieder auf freien Fuss – acht Jahre vor dem Ablaufen seiner Strafe. Der mittlerweile 34-Jährige hatte immer wieder ein Gesuch gestellt, nun haben die kantonalen Richter zugestimmt. Dies entgegen der Meinung der Staatsanwaltschaft.

«Kein ernstzunehmendes Risiko»

Die Freilassung unterliegt jedoch strengen Auflagen: So darf der Mann während der nächsten fünf Jahre keine Straftat begehen. Zudem muss er eine Psychotherapie absolvieren und von Alkohol und Drogen die Finger lassen. Der Konsum wird überwacht, denn mehrere Gutachten hatten ihm damals eine Persönlichkeitsstörung und ein erhöhtes Rückfallrisiko attestiert.

Seit dem Verbrechen sei sich der Verurteilte seiner Taten und seiner potentiellen Gewalt bewusst geworden. Er habe sich um seine berufliche Wiedereingliederung gekümmert und während der Haft keine Probleme verursacht. Zudem werde er von seiner Familie unterstützt. Ein neueres Gutachten vom April dieses Jahres zeigte auf, dass «kein ernstzunehmendes Risiko» mehr besteht, wie sein Anwalt ausführte.

Auch die Richter sahen keinen Grund, das Gesuch abzulehnen. «Er hat gelernt, mit seinen Defiziten zu leben. Er hat sich engagiert. Er hat Pläne», so ihre Schlussfolgerung. Unter strikten Auflagen, Kontrollen und einer langen Bewährungszeit darf er deshalb das Gefängnis verlassen.

(vro/20 Minuten)