Lutry VD

18. März 2016 05:38; Akt: 18.03.2016 08:14 Print

Paar lebt vier Jahre unbemerkt am Waldrand

von Francesco Brienza - Ausser Sichtweite am Waldrand einer Gemeinde im Kanton Waadt hauste ein Pärchen über vier Jahre in einer Jurte. Nun hat ein Förster sie entdeckt und sie müssen weg.

storybild

In einer Jurte hat ein Paar über vier Jahre am Waldrand der Gemeinde Lutry im Kanton Waadt gewohnt. Nun haben die Behörden Anzeige erstattet. (Symbolbild) (Bild: 20minutes.ch)

Zum Thema
Fehler gesehen?

«Als ich davon hörte, fiel ich aus allen Wolken.» Pierre-Alexandre Schlaeppi, Gemeinderat von Lutry im Kanton Waadt, spricht von einem Paar, das in einer Jurte in der Nähe eines Waldes auf seinem Gemeindegebiet wohnt – seit vier Jahren. Ausgestattet mit einem Holzofen lebten die zwei dort autark und vor allem illegal.

Umfrage
Könnten Sie sich vorstellen, im Wald zu leben?
25 %
28 %
7 %
20 %
18 %
2 %
Insgesamt 16623 Teilnehmer

Ein Förster war Mitte Februar praktisch über das Zelt gestolpert, das direkt am Ufer eines Bachs steht. «So etwas kommt sehr selten vor», sagt Jean-François Métraux, Direktor der Waadtländer Waldinspektion, zu 20minutes.ch.

«Die Leute sind sehr sympathisch»

Obwohl das Paar bisher niemanden störte und die längste Zeit unbemerkt am Waldrand lebte, muss es seine Jurte nun abbauen. Denn die Zelt-Bewohner haben gleich dreifach gegen das Gesetz verstossen. «Erstens sind alle Hauskonstruktionen im Wald und in einem Radius von 10 Metern darum herum verboten», sagt Métraux. Zweitens war das Zelt illegalerweise ausserhalb der Bauzone aufgestellt. Drittens – auch wenn man auf dem Gelände hätte bauen dürfen – war die Gemeinde nicht informiert. «Für jedes Wohngebäude braucht es aber eine Genehmigung der lokalen Behörden.»

Diese haben nun Anzeige gegen das Paar erhoben. Zudem wurde eine Untersuchung eingeleitet. Die Gemeinde berät den Fall demnächst. «Die Leute sind sehr sympathisch», sagt Schlaeppi. «Aber ihr Verhalten ist illegal und wir können sie deswegen nicht einfach davonkommen lassen.» Dennoch gibt es möglicherweise eine Lösung – «wenn die Jurte in eine Bauzone verlegt wird und ein Baubewilligungsgesuch eingereicht wird», wie Schlaeppi sagt. Doch auch dann könne die Jurte nicht als fester Wohnsitz dienen, sondern dürfe nur für gewisse Nächte genutzt werden, ähnlich wie ein Wochenendhaus.

Auf Facebook sucht die 30-jährige Frau, die in der Jurte wohnte und von Beruf Künstlerin ist, bereits nach einem neuen Platz – weil sie wegen einer «Anzeige» weg müssten, wie sie schreibt. Gegenüber 20 minutes wollte das Paar sich nicht äussern.

125'ooo Hektar Wald im Kanton

Wie aber konnte ein 27 Quadratmeter grosses und 3,50 Meter hohes Zelt überhaupt so lange unbemerkt bleiben? «Wir haben keinen Radar, der das gesamte Gebiet überwacht», so Schlaeppi. Das Grundstück befinde sich ausser Sichtweite in einer Sackgasse.

Einen Grund, die zwei zu verdächtigen, habe es ausserdem nie gegeben: Das Paar habe gültige Papiere und der Mann miete ein Zimmer und sei daher auch im Besitz einer gültigen Adresse. Métraux: «125'000 Hektar Wald stehen im Kanton Waadt. Wir können nicht wissen, was hinter jedem Busch passiert.»

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Godie am 18.03.2016 05:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Na und?

    Dann haben sie ja anscheinend niemanden gestört.

    einklappen einklappen
  • Omi am 18.03.2016 05:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schön, das man in der Schweiz

    noch unbemerkt wohnen kann, Gratulation an das Pärchen.

    einklappen einklappen
  • Makatitom am 18.03.2016 05:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das ist wieder so typisch.

    Strafverfahren gegen Firmen, welche im Ausland bereurs zugaben, betrogen zu haben, werden gar nicht erst in Betracht gezogen und wegen so einr Kleinigkeit wird ein Riesentheater gemacht. Da soll mir noch jenand sagen, die CH sei KEINE Wirtschaftsdiktatur

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • vanL am 18.03.2016 13:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    An alle 'Augenzudrücker'

    Nehmen wir mal an, 2% der schweizer Bevölkerung würde das selbe tun und kein 'Amt/Gesetz' würde 'etwas regeln' - so würden gut 160'000 Menschen 'irgendwo/irgendwie' leben/hausen'... Gewisse 'Regelungen' haben schlicht und einfach ihren 'Sinn und Zweck' - zum Glück haltet sich die Mehrheit auch daran. Die Rechenspielerei ließe sich ja noch weiter treiben: Bei 4 Jahren mietfrei Leben, könnten (bei einer Monatsmiete von CHF 800.- einiges eingespart werden; 38'400.- abzüglich Jurtenanschaffung)... Nun kann jeder selber errechnen, was/wieviel Mieteinnahmen 'gespart' würden, weil 2% der Bevölkerung es sich 'irgendwo/irgendwie' bequem gemacht hat... Die Schweiz ist ein - von der Wirtschaft getragenes - Land, jeder möchte gern Arbeit, Rente usw... Das kann nur gemeinsam funktionieren; mit der einen oder andern Regelung. Vergesst nicht, was/wieviele 2% der Bevölkerung ausmachen kann...

    • Schnitzelkind am 19.03.2016 11:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @vanL

      Um dem entgegen zu wirken, hört man verdammt noch mal endich mit dem Augenzudrücken bei Firmen und Superreichen auf! Aber dort ist es dann ja ok.. Sie können nicht Gleichheit für alle fordern und dann beispielsweise Steuererleichterungen für Reiche unterstützen, weil diese eh schon 'viel' bezahlen. Das mag stimmen, aber sie haben auch noch mehr!! Im Gegensatz zu diesem Künstler Paar, welches auch keine Menschen ausbeutet.

    einklappen einklappen
  • Petbo am 18.03.2016 13:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vielfalt

    Bei uns im Aargau lebt seit über 25 jahren einer im wald tippi, inoffiziell und einfach geduldet!! Es würde allso gehen!!! Wenn man weis was Vielfalt bedeutet!

  • Waldfrau am 18.03.2016 13:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Theater

    Ich wohne schon über zehn Jahre im Wald, bis jetzt hat das niemand interessiert. Vielleicht auch weil meine Schriften bei der Heimatgemeinde de deponiert sind.

    • Dölf am 18.03.2016 14:45 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht zu Glauben

      Glaube ich nicht! Aber falls ja sicher nicht in der Schweiz!

    einklappen einklappen
  • lola am 18.03.2016 13:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    verkehrte Welt

    alle reden von Gesetze. Gut, aber wenn die Gesetze nicht für alle sind, dann würde ich sagen " Sie dürfen bleiben". Ich denke, dass sie mit der Natur besser umgehen können als einige Menschen. Die Reiche oder die Mächtige können tun was sie wollen, aber wir sterbliche müssen zahlen auch für diese, leider.

  • Wulline am 18.03.2016 13:14 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Ruhe

    Nirgends wird man in Ruhe gelassen. Schon traurig.