Walliser in der Türkei

31. Juli 2012 12:17; Akt: 31.07.2012 12:51 Print

Polizei-Chef drohen zehn Jahre Gefängnis

Sein Sohn soll einen Kieselstein im Gepäck gehabt haben. Deshalb sitzt Christian Varone, der Kommandant der Kantonspolizei Wallis, weiter in der Türkei in Haft. Sein Reisebüro kritisiert die Behörden.

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Christian Varone wurde am Freitag vor dem Abflug aus der Region Antalya verhaftet. (Bild: Keystone)

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Die Ehefrau sowie der Bruder des in der Türkei festgenommenen Kommandanten der Walliser Kantonspolizei hoffen auf ein baldiges Treffen. Christian Varone war am Freitag bei der Rückreise aus den Ferien von der türkischen Polizei verhaftet worden. Nach einem Gespräch mit der amtlichen Anwältin des Festgenommenen am Montagabend hoffe er auf ein Zusammentreffen am Dienstag, sagte Christian Varones Bruder Patrick auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA.

Trotz der Anstrengungen der Anwältin dürfte der Fall noch «viele administrative Hürden» bereithalten, sagte Varone. Umso mehr, als sich offensichtlich viele Personen in den Ferien befänden.

Schweizer Botschaft involviert

Was dem Walliser Polizeikommandanten im Detail vorgeworfen wird, konnte dessen Bruder bisher noch nicht in Erfahrung bringen. Patrick Varone hoffte diesbezüglich aber auf Klärung noch am Dienstag. Gemäss Varone unternimmt der Schweizer Botschafter vor Ort sein Möglichstes, um Klarheit in die Sache zu bringen.

Aufgrund der konstant hohen Spannung «schlafe er wenig», sagte Varone weiter. «Die grosse Zahl von Botschaften mit aufmunternden Worten hat uns gefreut und wir werden versuchen, sie an Christian weiterzuleiten.» Auf Facebook hat sich eine Gruppe zur Unterstützung des Polizeikommandanten gebildet. Bereits sind mehr als 650 Personen beigetreten.

Bis zu zehn Jahre Gefängnis möglich

Varone war nach den Familienferien in der Region von Antalya am vergangenen Freitag auf dem Rückweg in die Schweiz, als er verhaftet wurde. Buchstäblicher Stein des Anstosses war offenbar ein Stück Gestein, das Varones Sohn während eines Spaziergangs bei einer archäologischen Fundstätte eingesteckt hatte.

In der Türkei wird die Ausfuhr von Kultur- und Naturgütern hart bestraft, weshalb Schweizer Reiseveranstalter wie Hotelplan davor warnen, solche einzupacken. Es drohen Gefängnisstrafen von bis zu zehn Jahren. Fälle wie denjenigen der Familie Varone kommen trotzdem regelmässig vor.

Organisiert hat Varones Reise die Firma Bentour Swiss. Deren Chef Kadir Ugur wird auf dem türkischen Reiseportal Turizm Güncel damit zitiert, dass es seiner Ansicht nach falsch war, Varone zu verhaften. «Es hätte gereicht, ihm den Pass wegzunehmen», sagt Ugur, man habe voreilig gehandelt. «Zuerst hätte man eingehend abklären sollen, ob der Stein wertvoll ist.»

(alp/rme/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Simon Mächler am 31.07.2012 13:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Masslos und lächerlich!

    Sind auch an jenem Freitag von Antalya abgeflogen. Ebenfalls mit dem Reiseveranstalter Bentour swiss. Bestimmt wurde der Stein nicht absichtlich mitgenommen... Die Türkei reagiert in solchen Fällen sowiso viel zu Krass! was ist den an einem lächerlichen Stein so wichtig dass man jemandem dafür 10 Jahre hinter Gitter zu bringen?!

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  • Nick am 31.07.2012 14:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Voll daneben

    Hoffentlich hatten sie keine steinchen an den schuhsohlen... Solche länder sollte man gar nicht mehr besuchen...

  • mal am 31.07.2012 18:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    zum Schämen

    ich finde es absolut in ordnung, dass wer klaut - und dann noch Artefakte oder antikes Gestein, wo explizit darauf hingewiesen wird, dass es verboten ist, dies auszuführen -, dafür bestraft wird. Beschämend finde ich, dass dies ein höherer Polizeibeamter tut. Denke die Familie hat gewusst, was im Gepäck ist. Andernfalls. . . und sowas ist Kommandant der Walliser Polizei! !!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Linda Holderbank am 03.08.2012 11:51 Report Diesen Beitrag melden

    So so so

    Also die Warheit bekommt ein Licht.All die Kritik an die Türkei war wieder einmal daneben. Der Polizei Chef hat lange Finger bekommen und ist straflos davongekommen.

  • Fredi Hartmann am 02.08.2012 12:12 Report Diesen Beitrag melden

    Türkei nicht zu entfehlen

    Die Türken übertreiben,wegen einem kleinen Steinchen das nicht einmal sicher wertvoll ist so ein Theater zu machen.Ich war mit meiner Familie auch in der Türkei und auch bei uns bleibt Antalia in schlechter Erinnerung.Sie beschlagnahmten ein Kinderspielzeug weil es zuviele Lichter hatte.Die Türkei ist also nicht zu entfehlen.

    • M. Kara am 02.08.2012 17:28 Report Diesen Beitrag melden

      Einverstanden

      nicht zu entfehlen heisst: man darf es nicht verpassen. Gruss von Türkin die Deutsch kann.

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  • Walter am 02.08.2012 10:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Völlig doof

    Ich freue mich, dass Herr Varone wieder frei. Trotzdem ist sein Verhalten, gerade für einen Polizeichef, völlig naiv. Wenn man schon von den Bestimmungen weiss, packt man sicher lieber gar keine Steine in den Koffer. Auch kann man wohl kaum von einem Kieselstein reden, wenn der Durchmesser 10-30 cm betrug. Sorry Herr Varone, aber das ist einfach nur doof !

  • Peschä am 01.08.2012 12:57 Report Diesen Beitrag melden

    Gut!

    Ich freue mich für Herrn Varone, dass er frei kommt. Gleichzeitig frage ich mich aber auch, ob das auch so schnell gegangen wäre, wenn er nicht Polizeikommandant wäre...

  • Wilhelm Dell am 01.08.2012 12:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vorsicht:hier klaut die Polizei

    Das nächste Mal nimmt der Herr Sohn vielleicht ein paar Pflanzen mit. Hanf, Mohn, etc. Was kann da schon passieren? Was sind denn ein paar Steine? Nächstes Mal ein Steinchen, dass bei einem Juwelier rumliegen? Immer wohlfeil, Schweizer Polizistenehre. Ich weiss von nix, also kann ich nix dafür.