Nach Mord in Genf

13. September 2013 18:59; Akt: 13.09.2013 18:59 Print

Polizeihund findet Spur des Vergewaltigers

Die Leiche der am Donnerstag entführten Therapeutin, Adeline Morel, wurde in Versoix GE gefunden. Der mutmassliche Täter ist höchstwahrscheinlich in Deutschland.

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Am 15. September hat Interpol Fabrice Anthamatten international zur Haft ausgeschrieben. Er hat wohl die Therapeutin Adeline M. entführt und umgebracht. Noch am gleichen Tag wird er an der deutsch-polnischen Grenze verhaftet. Vorher lieferte er sich eine spektakuläre Flucht. Bewaffnete Polizisten stehen am 13. September .2013 bei einem Grosseinsatz auf der Suche nach dem Vergewaltiger und mutmasslichen Mörder vor dem «Alten Zollhaus» in Weil am Rhein (Baden-Württemberg). Die Spur des 39-jährigen Haeftlings hat sich am Bahnhof in Weil am Rhein verloren. Gemäss jüngstem Bericht der «Badischen Zeitung» ist Anthamattens Aufenthaltsort unbekannt, wahrscheinlich hat der die Dreiland-Region um Basel verlassen. Er konnte sich wohl per Zug absetzen, seine Fahrtrichtung ist jedoch noch unklar. Am 13. September 2013 fand die Polizei den Leichnam der Sozialtherapeutin Adeline Morel im Bois d'Avault bei Versoix. Der Körper der Frau steckte in einem Sack. Die Suche nach dem mutmasslichen Täter läuft auf Hochtouren. Laut diversen Medien führt die Spur nach Norden. So soll das Handy von Adeline Morel in Basel geortet worden sein. Darauf suchten Schweizer Polizisten in einem Helikopter der deutschen Polizei mit einer Wärmebildkamera nach dem Flüchtigen. Auch deutsche Medien melden Suchaktionen. So soll im Zusammenhang mit dem Tötungsdelikt in Genf im südbadischen Weil am Rhein ein Haus durchsucht worden sein. Gegen 11 Uhr morgens am Donnerstag verschwand Adeline Morel während eines begleiteten bewilligten Freigangs. Die Frau ging nicht mehr ans Telefon. Die beiden waren in einem weissen Citroën Berlingo mit dem Kennzeichen GE 719 149 unterwegs. Der verdächtige Häftling heisst Fabrice Anthamatten, ist 181 gross, mit rasiertem Kopf. Er ist Brillenträger. Er trug zuletzt eine blaue Jacke, braune Cargo-Hosen und eine schwarze Mütze.

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Der flüchtige Vergewaltiger, der mutmasslich für den Tod einer 34-jährigen Sozialtherapeutin bei Genf verantwortlich ist, hat sich tatsächlich im deutschen Weil am Rhein aufgehalten. Ein Polizeihund fand am Freitag eine Spur des Gesuchten, die sich jedoch an einem Bahngleis verlor.

Das teilte die Polizeidirektion Lörrach (D) am Freitagabend mit. Sie schliesst nicht aus, dass sich der Mann weiterhin in der Gegend aufhält. In einer Mitteilung warnen die Behörden vor dem flüchtigen Straftäter, der gefährlich und möglicherweise bewaffnet sei.

Eine Handyortung hatte die Polizei in die Region Basel geführt. In einem Grosseinsatz wurde am Freitag das alte Zollhaus in Weil am Rhein abgeriegelt und alle anwesenden Personen kontrolliert. In der Nacht auf Freitag hatte die Polizei mit Unterstützung eines Helikopters im Raum Basel nach der Frau und dem Straftäter gesucht.

Im Einsatz standen laut einem Sprecher der Polizeidirektion rund 60 Polizeiangehörige, darunter auch solche aus der Schweiz. Gefunden habe man aber bisher nichts, weder den mutmasslichen Täter noch das geortete Handy. Wem das Handy gehörte, war nicht zu erfahren.

«Ein Vergewaltiger alleine mit einer jungen und schönen Frau zusammen!»

Am Donnerstagmorgen um 11 Uhr sollte Adeline Morel, Sozialtherapeutin und Mutter eines kleinen Kinds, den verurteilten Vergewaltiger Fabrice Anthamatten zu einer Therapiesitzung nach Genf begleiten. Jetzt wurde die Leiche der Therapeutin in einem Genfer Vorort gefunden, wie die Zeitung «Le Matin» berichtet. Sie steckte in einem Sack im Wald von Versoix.

Ihre Mutter zeigt sich im Interview mit «Tribune de Genève» tief traurig, aber auch wütend darauf, dass ein Verbrecher so ohne Chip mit einer Frau allein gelassen wurde: «Ein Vergewaltiger alleine mit einer jungen und schönen Frau zusammen!»

Adeline habe zwei Jahre Kriminologie studiert. Sie habe bei ihrem Job nie Angst gehabt, so die Mutter unter Tränen. Besonders tragisch ist, dass es innert kurzer Zeit der zweite Fall ist, bei dem ein Strafgefangener eine erneute Tat begeht. Fabrice Anthamatten sitzt eine zehnjährige Strafe wegen Vergewaltigung ab.

Erinnerungen an den Fall Marie

«Das schlimmste Szenario wäre eine Wiederholung des Falls Marie», sagte eine Polizeiquelle kurz nach der Entführung zur Westschweizer Zeitung «Le Matin». Der Informant nahm Bezug auf die Entführung und Ermordung einer jungen Frau durch einen Verurteilten in Payerne VD. Der Fall sorgte im Mai 2013 für Schlagzeilen. Die 19-jährige Marie, die Ex-Freundin des Täters, wurde Tage nach ihrer Entführung ermordet gefunden. Der Täter befand sich zur Zeit der Tat unter Hausarrest, die Fussfessel hatte er vor der Tat entfernt.

Als nicht mehr gefährlich eingestuft?

Der aktuelle Fall wirft Fragen auf: Weshalb erhielt der 39-jährige, zu zehn Jahren verurteilte Vergewaltiger die Erlaubnis für einen begleiteten Ausgang? Der Mann war im Zentrum für Sozialtherapie La Pâquerette im Kanton Genf inhaftiert, einer Institution des Gefängnisses Champ-Dollon, in der gefährliche Verbrecher untergebracht werden. Ein Genfer Anwalt sagt gegenüber «Le Matin», dass diese Institution unter anderem dazu dient, Verurteilte an ein Leben ausserhalb des Gefängnisses zu gewöhnen. Er geht davon aus, dass der Flüchtige als «nicht mehr gefährlich» eingestuft worden ist. Ob das so ist und wer die Entscheidung getroffen hat, ist zurzeit nicht bekannt.

Dass dem verurteilten Vergewaltiger jedoch eine einzelne Frau als Begleitung zugewiesen wurde, ist mehr als fragwürdig. «Das ist unfassbar», sagt dazu Vincent Spiro, Präsident der Anwaltskammer, gegenüber «Le Matin». Er hofft, dass durch diesen Vorfall nicht gleich die ganze Institution La Pâquerette infrage gestellt wird: «Mehrere meiner Klienten konnten dank dieser Einrichtung erfolgreich in die Gesellschaft wiedereingegliedert werden.»

(kmo/kub)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Benno Imhof am 14.09.2013 09:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Parkuhren und Reittherapie

    Die Polizei investiert mehr Energie und Zeit Parksünder zu kontrollieren. Daneben gehen Schwerkriminelle auf Staatskosten in Reittherapie. Dummerweise schicken sie noch eine Frau als Begleitung mit einem Mann der offensichtlich ein Problem mit Frauen hat. In der Justiz muss massiv ausgeräumt werden.

    einklappen einklappen
  • Blondie200 am 14.09.2013 17:01 Report Diesen Beitrag melden

    Messer zum auskratzen der Hufe..

    traurig und fassungslos....wie können wir das nur verstehen...dan noch ein messer kaufen(zum auskratzen der Hufe)......hei hei hei so was ist ja grobfahrlässig....arme Familie...arme schweiz...ohne Polizeischutz ohne Fuss warn system...versteh ich nicht..

  • Anton Keller am 13.09.2013 11:05 Report Diesen Beitrag melden

    teuer und nutzlos

    Die Strafbehörden haben immer noch nicht begriffen, dass Straftäter gegen Leib und Leben nur auf freien Fuss gehören, wenn gewährleistet ist, dass keine neue Straftat begangen werden wird. Im Zweifelsfall muss verwahrt werden. Wir haben die Verwahrungsinitiative angenommen. Die Therapien waren wieder einmal teuer und nutzlos.

Die neusten Leser-Kommentare

  • s.l. am 15.09.2013 23:53 Report Diesen Beitrag melden

    hufmesser für reittherapie?

    wie kommen die auf die Idee, dass es zum putzen von pferdehufen ein hufmesser braucht.....!? das hufmesser ist ein werkzeug für hufschmiede und sicher nicht für eine reittherapie.... 2x vergewaltigt,2x mit messer und die schicken eine frau mit ihm ein messer kaufen.....!!! sehr intelligent!!!! fahrlässiger gehts wohl nicht mehr!

  • Markus Gfeller am 14.09.2013 17:02 Report Diesen Beitrag melden

    Psychiater

    Und das ist das Werk unserer selber gestörten Psychiater, welche überhaupt keinen Erfolg erziehlen. Pfui.

  • Blondie200 am 14.09.2013 17:01 Report Diesen Beitrag melden

    Messer zum auskratzen der Hufe..

    traurig und fassungslos....wie können wir das nur verstehen...dan noch ein messer kaufen(zum auskratzen der Hufe)......hei hei hei so was ist ja grobfahrlässig....arme Familie...arme schweiz...ohne Polizeischutz ohne Fuss warn system...versteh ich nicht..

  • Tommy am 14.09.2013 11:42 Report Diesen Beitrag melden

    zum hundertsten Mal

    Bzw. zum zwölften Mal in 10 Jahren ist es jetzt vorgekommen, dass ein Sexualverbrecher während dem Strafvollzug rückfällig wird (jedenfalls gem. Bildstrecke im anderen 20min Artikel). Ausserdem hat das Volk jeder Verschärfung des Strafrechts zugestimmt, wann immer das möglich war (Verwahrungs-, Unverjährbarkeits- und Ausschaffungsinitative) Ist es denn wirklich so unglaublich schwer, die wenigen wirklich gefährlichen Verbrecher richtig zu bewachen?!? Wir sind so ein kleines Land mit praktisch unendlich viel Geld und kriegen es einfach nicht hin! Das kann es doch nicht sein!

  • Kurt alt am 14.09.2013 10:29 Report Diesen Beitrag melden

    Unkontrollierbarer Sexualtrieb

    Wann begreift man unter den Psychologen, dass gewalttätige Triebtäter ihren Trieb nicht ausschalten können und folglich immer wieder straffällig werden?