Tamedia Romandie

03. Juli 2018 16:17; Akt: 03.07.2018 18:12 Print

Redaktionen in Lausanne treten in den Streik

Die Redaktoren von Tamedia Romandie haben ihre Arbeit niedergelegt. Sie protestieren gegen die geplante Einstellung der gedruckten Ausgabe der Tageszeitung «Le Matin».

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Die Redaktionen aller Tamedia-Publikationen in der Westschweiz wollen bis (morgen) Mittwoch um Mitternacht streiken, wie die Gewerkschaft syndicom und der Journalistenverband Impressum am Dienstag mitteilten. Der Streik wurde von 88 Prozent des Redaktionspersonals beschlossen.

Ab 16 Uhr trafen sich Dutzende Angestellte vor dem Hochhaus der Tamedia in Lausanne zu einem Sitting. Die Streikenden verlangen vom Zürcher Medienkonzern, dass er auf die Kündigungen bei der Zeitung «Le Matin» verzichtet und sich dafür engagiert, dass die Medienvielfalt in der Westschweiz erhalten bleibt.

Tamedia will die gedruckte Ausgabe von «Le Matin» auf Ende Juli einstellen. 41 Mitarbeitenden droht der Verlust des Arbeitsplatzes. Das Medium soll es nur noch online geben und mit einer 15-köpfigen Redaktion weiterentwickelt werden. Nicht betroffen vom Abbau ist indes die Sonntagszeitung «Le MatinDimanche».

34 Millionen Franken Defizit

Tamedia begründete den Entscheid Anfang Juni mit «den anhaltenden Verlusten der Printausgabe» von «Le Matin». 2017 lag das Defizit des Blatts bei rund 6,3 Millionen Franken, über die letzten zehn Jahre bei 34 Millionen Franken. Die Tamedia-Gruppe wies für das vergangene Jahr einen Gewinn von 170 Millionen Franken aus.

Der Medienkonzern Tamedia gibt in der Westschweiz die Zeitungen «Tribune de Genève», «24 heures», «Le Matin» und «Le Matin Dimanche» sowie die kostenlose Pendlerzeitung «20 minutes» heraus.

Tamedia fordert zum Streik-Ende auf

Tamedia hat die Journalistinnen und Journalisten in der Romandie aufgefordert, ihren bis Mittwoch um Mitternacht geplanten Streik sofort zu beenden. Die Zürcher Mediengruppe droht andernfalls damit, den Gesamtarbeitsvertrag zu kündigen.

In einer Mitteilung vom Dienstag wehrt sich der Medienkonzern gegen den Streik der Redaktionen in der Romandie und von Impressum vom Dienstag. Die Aktion stelle die Existenz des Gesamtarbeitsvertrages (GAV) in Frage.

Die Geschäftsleitung von Tamedia sei seit Beginn der Konsultationsphase am 8. Juni transparent gewesen. Sie habe die relevanten Zahlen zur Verfügung gestellt und in konstruktiven Sitzungen alle Fragen der beteiligten Parteien beantwortet.

Es sei deshalb falsch zu behaupten, Tamedia habe im Zusammenhang mit der Veränderung von «Le Matin» den Dialog einseitig eingestellt. Am 28. Juni habe die Phase der Sozialplanverhandlungen begonnen. Deren Ziel sei es, flankierende Massnahmen zu ergreifen, die es den Betroffenen ermöglichten, die Folgen eines Arbeitsplatzverlustes abzufedern und ihnen zu helfen, eine neue Arbeitsstelle zu finden.

(bee/sda)