Morges VD

07. Juni 2016 20:14; Akt: 07.06.2016 20:14 Print

Schüler suspendiert, weil sie Lehrer bewerten

Drei Jugendliche haben eine Plattform eingerichtet, auf der man Lehrer benoten kann. Dafür wurden sie nun freigestellt.

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Der Waadtländer Gymnasiast Nathan Ganser hat mit zwei Freunden einen Blog gestartet. Mit dem Projekt wollte das Trio anderen Schülern die Möglichkeit geben, ihre Lehrer zu bewerten. «Die Lehrer benoten die Schüler, also war das Projekt die Gelegenheit, es ihnen gleichzutun», sagt der Jugendliche zu «Le Matin». Die drei hatten geplant, das Projekt auch auf andere Schulen auszuweiten.

Umfrage
Sollen Schüler ihre Lehrer bewerten dürfen?
54 %
33 %
13 %
Insgesamt 8972 Teilnehmer

In der Öffentlichkeit kam der Blog gut an. «Der Erfolg kam sofort. In weniger als zwei Tagen haben 600 der 1300 Schüler ihre Meinung auf die Seite geschrieben», erzählt Ganser. «Wir haben ausserdem viele Gratulationen von unseren Freunden und einigen Eltern erhalten.» Mittlerweile wurden mit knapp 2000 Bewertungen insgesamt 132 Lehrer beurteilt.

«Das kann man nicht durchgehen lassen»

Die Lehrer waren darüber jedoch nicht erfreut. Seit dem 6. Juni sind die drei Gymnasiasten für drei Wochen suspendiert. Die Begründung von Schuldirektorin Véronique Mariani: «Die Schüler haben nicht die Kompetenz, ihre Lehrer zu bewerten. Sie haben sich über die Warnung eines ihrer Lehrer, des Dekans und der Direktion hinweggesetzt.» Unterstützt wird die Direktorin auch vom Bildungsdepartement.

Françoise Emmanuelle Nicolet, Präsidentin des Waadtländer Vereins der Gymnasiallehrer, konkretisiert: «Der Inhalt der Seite entspricht nicht den gesetzlichen Regeln. Abgesehen vom hetzerischen und kommerziellen Aspekt führt diese öffentliche Vorgehensweise zu Disqualifizierungen und Verstössen gegen das Recht am eigenen Bild. Das kann man nicht durchgehen lassen.»

Schüler kämpft weiter

Die drei Schüler machen deshalb Zwangsferien. Von seinem Vorhaben will sich Ganser nicht abbringen lassen. «Ich werde ein Jahr in England verbringen und beabsichtige, den Dialog zwischen Schülern und Lehrern nach meiner Rückkehr weiterzuführen.»

(vro)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Emily am 07.06.2016 20:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traurig

    "Die Schüler haben nicht die Kompetenz ihre Lehrer zu bewerten." Solange die Schüler ihre Kritik in einem angemessenen Ton abgeben, sind sie sehr wohl kompetent. Wieso sollten Schüler ihre Lehrer nicht bewerten dürfen? Wollen sich diese nicht verbessern? Können diese nicht mit Kritik umgehen? Traurig.

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  • Jasi am 07.06.2016 20:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spiegel vorhalten

    Da war wohl jemand nicht zufrieden mit seiner Bewertung ? ;)

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  • Fred F. am 07.06.2016 20:22 Report Diesen Beitrag melden

    "Nicht die Kompetenz"

    Natürlich haben die Schüler die Kompetenz, ihre Lehrer zu bewerten. Sie sind es ja schliesslich, die von ihnen etwas lernen sollten. Solches hochgestochenes Geschwafel kann man ja nicht ernst nehmen. Es geht vermutlich einfach darum, die Lehrer zu "schützen.", aber das würde vermutlich zu egoistisch rüberkommen. Also lieber irgendwie abgehoben rüberbringen. "Wir haben ja soo viel mehr Kompetenz."

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Anonym am 12.06.2016 08:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Richtig so

    Es wird dringend Zeit, dass diese Generation Jael & Co.lernt, dass in der Schule die Lehrer das Sagen haben und sie sich hier - im Gegensatz zu sonst in ihren verwöhnten Leben - an strenge, klare Regeln zu halten haben und es nicht um sie geht. Wir sind auch so aufgewachsen und es war gut so. Es wird sowieso viel zu wenig auf die Erziehung von Jael & Co geachtet. Sie haben gar nichts zu bewerten! Statt Handys und unverschämten materiellen Wünschen an Unbeteiligte (z.B. "Göttis/Gotten" als Melkkühe oder Grosseltern) müssen sie endlich Verbote, Strenge und klare Regeln bekommen.

  • Patrick am 09.06.2016 14:38 Report Diesen Beitrag melden

    Idee gut strafe absurd

    Ich finde es absurd, als "Strafe" die Schüler 3 Wochen zu dispensieren. Damit hat die Schulleitung keine gute Noten von mir. Man hätte doch, solange juristische Abklärungen im gange sind einfach in gegenseitigem einvernehmen die Seite solange offline nehmen können. Ich bin sicher man kann die Einträge vor Veröffentlichung prüfen. Gemeinsam geht's bestimmt... Lehrer mit einbeziehen um deren Ängste zu verstehen. Es gibt immer eine Lösung

    • Rene am 09.06.2016 16:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Patrick Quatsch!

      Das Internet hat hier nix zu suchen, ganz einfach!!

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  • Pater Noster am 09.06.2016 14:11 Report Diesen Beitrag melden

    Egoismus pur

    So weit haben wir es also gebracht, mit unserem Individualismus à la 2016 - jede/r denkt nur noch an sich und ist auf seinen eigenen Vorteil bedacht. Dass mit solchen Vorhaben der Allgemeinheit geschadet wird und letztendlich sich selber, hat sich keiner von den dreien überlegt. Nur immer ichichichmimimimichichich...

  • Steff am 09.06.2016 14:00 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Schüler

    bewertet seinen Lehrer nur danach, wie viel Freizeit sie bei ihnen haben und nicht, wie viel sie bei ihnen lernen. Ich hatte einen Lehrer im Fachrechnen, der war recht hart, den mochten wir aber nicht, bei dem lernte ich aber am meisten und nicht bei dem, der den Unterricht schleifen liess, den wir deswegen auch total nett fanden.

  • Unnutz am 09.06.2016 13:21 Report Diesen Beitrag melden

    Seltsam

    Es wäre eigentlich eine gute Idee. Müsste man auch mehr Gewicht geben. Beispiel für die Quali als Lehrer. Jeder Lehrer, der sein Unterrichtsstil nicht selbst kritisch bewerten kann, ist für mich eigentlich am falschen Platz. Aber es passt ja mal wieder zu unserem Schweizer Chästlidenken. Alle müssen gleich denken... der Lehrer ein Borg und die Schüler müssen assimiliert werden... Widerstand ist zwecklos!