Waadt

15. Juli 2014 07:33; Akt: 15.07.2014 07:33 Print

Sozialamt steckt Familie mit Kindern ins Puff

von Abdoulaye Penda Ndiaye - Eine Frau und ihre beiden Kinder wurden von den Behörden an einem unzumutbaren Ort untergebracht. Die Mutter richtet einen ohnmächtigen Hilferuf an die Öffentlichkeit.

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Agnès zeigt die roten Pässe ihrer beiden Kinder. Derzeit hausen die drei in einem Stundenhotel. (Bild: apn)

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Sie schweigt und beisst sich auf die Lippen. Dann, von Emotionen überwältigt, bricht es aus Agnès heraus. «Mein Sohn hört nicht auf, mich zu fragen, warum die Frauen in den Zimmern so schreien. Dann schalte ich den Fernseher auf die maximale Lautstärke und weine aus Scham.» Seit April dieses Jahres wohnt Agnès aus Kamerun in einem Stundenhotel bei Broye im Waadtland, in dem regelmässig Prostituierte verkehren.

Das Sozialamt hatte sie dort einquartiert. Das elfjährige Mädchen und sein fünfjähriger Bruder schlafen je in einem kleinen Bett, ihre Mutter auf dem Boden. «Wir können weder kochen noch abwaschen. Nicht mal Mikrowellenöfen sind hier erlaubt. Zum Essen ist also nur Fast Food möglich, oder die Kinder müssen zurück nach Granges-Marnand zum ihrem Vater. Ich mag ja Ausländerin sein, aber meine Kinder sind Schweizer», regt sich Agnès auf.

Jugendschutz kritisierte «ungesunde Wohnsituation»

Nach der Rückkehr zur Schule im Jahr 2013 begann sich das Jugendschutzamt für die beiden Kinder zu interessieren. Der Grund: die «ungesunde Wohnsituation» der Kinder. Eine Kinderärztin in Moudon hatte im November 2013 eine beunruhigende Diagnose gestellt: Nasenschleimhautentzündung beim Mädchen, Atemprobleme beim Jungen. «Sie müssen in einer Wohnung ohne Feuchtigkeitsprobleme und Schimmelpilzbefall leben», riet die Spezialistin. Das rief den Jugendschutz auf den Plan.

Das Urteil wurde schnell gefällt: Entweder die Eltern verlassen ihre unsaubere Wohnung oder die Kinder werden fremdplatziert. Im Frühling verliess Agnès ihren 30 Jahre älteren Mann.

«Man muss die Kinder in ein Heim bringen»

«Die, die diese Kinder in diesem Hotel untergebracht haben, die haben gar nichts im Kopf», enerviert sich der 70-jährige Schweizer, der sich jeweils am Wochenende um die Kinder kümmert. «Man muss sie in ein Heim bringen. Ich habe schon zwei Mädchen in einem Heim untergebracht. Beide sind heute erwachsen, und es geht ihnen sehr gut heute.»

Weder das Waadtländer Jugendschutzamt noch der Direktor der regionalen Sozialdienste haben bisher auf die Fragen von 20 Minutes geantwortet.