Genf

09. März 2016 20:05; Akt: 09.03.2016 20:05 Print

Vater tyrannisiert Töchter wegen Schulnoten

Der Staatsanwalt forderte 22 Monate Haft für einen Angeklagten. Er hatte Töchter und Ex-Frau überwacht und bedroht, weil er angeblich nur das Beste für sie wollte.

storybild

Um seinen Töchtern angeblich eine gute Zukunft zu ermöglichen, tyrannisierte ein Vater seine Töchter und seine Ehefrau. (Bild: Petro Feketa)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Seit zehn Monaten sitzt der Vater von zwei Töchtern im Gefängnis Champ-Dollon und wird der einfachen Körperverletzung, der Nötigung, des Missbrauchs und der Verletzung der Erziehungspflicht beschuldigt. Jetzt musste er sich deswegen vor Gericht verantworten, wie die «Tribune de Genève» berichtet.

Umfrage
Darf man Kindern auch drohen, damit sie bessere Noten schreiben?
4 %
21 %
75 %
Insgesamt 3524 Teilnehmer

Der Staatsanwalt forderte eine Strafe von 22 Monaten und wirft ihm vor, sich jahrelang wie ein Haustyrann benommen zu haben. Er habe sich «seinen» Frauen – seiner Ex-Frau und seinen Töchtern – gegenüber «gewalttätig, aggressiv und beleidigend» verhalten. Er habe eine «ständige Überwachung» eingerichtet, so dass alle immer genau das tun mussten, was er wollte. Seine Ex-Frau schlug er regelmässig und beleidigte sie mit Worten wie «Hure» oder «Schlampe». Was die Kinder anbelangt, so wurden sie vor allem Zeugen der Gewalt gegen ihre Mutter und lebten darum in ständiger Angst vor ihrem Vater.

«Eine gute Zukunft für meine Töchter»

«Wieso benehmen Sie sich so?», will der Richter vom Angeklagten wissen. «Sie sind im Gefängnis und Ihre Töchter wollen Sie nicht sehen.» Der angeklagte Vater gibt dem Richter recht und gibt viele Vorwürfe zu. «Im Gefängnis ist es schwer, aber ich versuche die Zeit zu nutzen, um darüber nachzudenken, was ich getan habe.»

Er sagte, er verstehe, dass er seine Ex-Frau und seine Töchter verletzt habe, aber er erklärte auch, warum er so autoritär sei. Die Familie stammt aus Paraguay. Man sei in die Schweiz gekommen, um den Kindern die bestmögliche Ausbildung zu geben. «Ich wollte, dass meine Töchter eine gute Zukunft haben.»

«Typisches Verhalten eines Vaters»

Darum treffe es ihn auch schwer, von seiner Ex-Frau zu hören, dass seine Töchter seit seiner Gefangenschaft ihr Teenager-Leben geniessen würden und ihre «akademischen Leistungen» zurückgegangen seien. Entsprechend bezweifelte die Anwältin der Ex-Frau, dass der Angeklagte sich geändert hat. Sie betonte, dass Töchter und Mutter «Angst haben vor dem Tag, an dem er aus dem Gefängnis kommt.»

Der Anwalt des Angeklagten fordert einen Freispruch in einigen kleineren Punkten. Er glaubt, man könne seinen Klienten nicht wegen der Drohung verurteilen, seine Töchter nach Paraguay zurückzuschicken, wenn die Noten nicht besser würden. «Welcher Vater oder Mutter hat seinem Kind noch nie gedroht, es ins Internat zu schicken, wenn die Noten nicht besser werden?», fragte er das Gericht.

Paar schon lange getrennt und dennoch zusammen

Ähnlich argumentiert er in Bezug auf einen Disput, der entstanden war, weil die Ex-Frau ihre Schuhe wechseln wollte. «Welches Paar hat nicht schon ähnliche Situationen erlebt?», fragte der Anwalt. Es zeige auch, wie verwirrend die Situation in dieser Familie sei. Der Vater hat wieder geheiratet, aber die meiste Zeit verbringt er immer noch bei seiner Ex-Frau, die die Patin seines Sohnes aus zweiter Ehe ist. Das Urteil wird heute erwartet.

(ann)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bejhon am 10.03.2016 06:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leistungsgesellschaft

    Klar: hier ein übertriebener Fall. Aber viele Eltern sollten sich bewusst sein, dass nicht die besten Schulnoten das Beste für Ihr Kind ist. Nur mit Akademikern funktioniert die Welt nicht.

  • Jc17 am 10.03.2016 07:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bitte!

    es gibt auch einen ausbildungsweg nach der normalen Schule.

  • Cendius am 10.03.2016 07:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gewalt

    Es ist ja in Ordnung wenn man dem Kind mal droht dass es keinen Nachtisch gibt aber Gewalt ist nie eine Lösung.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Schildkrötchen am 10.03.2016 12:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ruhige stimmen wirken besser

    Natürlich nicht, was für ne blöde Frage! Wenn man Kinder demütigt weil sie schlechte noten schreiben muss man sich net wundern wenn die kinder vor lauter angst anfangen unterschrift zu fälschen oder den eltern nicht mehr vertrauen. Man kanns auch im anständigen ohne geschrei sagen.

  • Chiara am 10.03.2016 09:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ekeltyrann

    Die Mutter soll endlich das Richtige tun und in eine andere Stadt ziehen. Sie ist es den Kindern schuldig. Dieser Haustyrann soll hoffentlich eine tüchtige Strafe kriegen.

  • s.k. am 10.03.2016 08:39 Report Diesen Beitrag melden

    Psychische Gewalt

    Vor allem wenn Kinder mit ansehen müssen, wie der Vater die Mutter fertig macht. Die armen Kinder trauen sich nicht dem Vater zu sagen, dass er aufhören soll, denn sie wissen genau, dass wenn sie was sagen, er sie fertig machen wird. Kinder brauchen Vater und Mutter doch in diesem Fall fangen sie an, den Vater zu hassen und die Mutter zu vergöttern. Mir tun solche Kinder einfach nur leid und darum hoffe ich, dass man in Zukunft Psychische Gewalt anzeigen kann.

  • M.Wyss am 10.03.2016 08:07 Report Diesen Beitrag melden

    Motivieren und ermutigen ohne Druck!

    Drohen wird nur Stress auslösen, was zu angst, plockaden und vielleicht sogar zu burnout führen wird. Wir waren fünf Kinder zu hause. Uns wurde nie gedroht, noch Druck ausgeübt. Das Resultat: 3x selbstständig mit eigenem oder mehreren Geschäften, einmal stellvertretender Teamleiter, und einmal zurzeit glückliche Mutter und Hausfrau mit ehrenamtlichen Aufgaben in Leitungsposition. Ein grosses Danke an meine Eltern, dass wir eine sorgen-und druckfreie Kindheit erleben durften!

  • Danka am 10.03.2016 07:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erreichte den Gegenteil

    Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert