Affäre wegen häuslicher Gewalt

13. Januar 2020 21:32; Akt: 13.01.2020 21:32 Print

Waadtländer SVP-Politiker Ravenel gibt Ämter ab

Nachdem Yves Ravenel wegen häuslicher Gewalt verurteilt worden ist, fehlt das Vertrauen in den Grossratspräsident. Deshalb tritt er überraschend zurück.

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Nach der Affäre wegen häuslicher Gewalt tritt der Waadtländer SVP-Politiker Yves Ravenel nicht nur als Präsident des Grossen Rats zurück. Er scheidet überraschend vollständig aus dem Kantonsparlament aus - mit sofortiger Wirkung.

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Er habe diesen Beschluss nach einer Woche des Nachdenkens, umgeben von Begleitern, seiner Partei, seinen Verwandten und Freunden gefasst, gab Ravenel am Montagabend in einem Communiqué der SVP Waadt bekannt. Angesichts der Medienflut über sein Privatleben seien das notwendige Vertrauen und die Gelassenheit nicht mehr vorhanden, um die Waadtländer zu vertreten.

Wegen häuslicher Gewalt verurteilt

Der Vorstand der SVP Waadt lud zu einer Medienkonferenz am Dienstagmorgen ein. Ravenel war seit vergangenem Juli Präsident des Grossen Rats des Kantons Waadt.

Der 54-Jährige war am 21. August von einem Strafgericht wegen häuslicher Gewalt schuldig gesprochen worden. Er wurde zu einer Geldstrafe von 80 Franken à 60 Tage und einer Busse in Höhe von 960 Franken mit einer Bewährungsfrist von zwei Jahren verurteilt. Während des Scheidungsverfahrens hatte er seine Frau bedroht.

Details in den Medien

In den Westschweizer Medien gab der Fall mit zahlreichen Details aus dem Scheidungsstreit in den vergangenen Tagen viel zu reden. So sprach die Ehefrau von Morddrohungen. Ravenel bestritt dies. Auch habe es keine körperliche Gewalt gegeben.

Der Fall wäre vermutlich nicht publik geworden, hätte der SVP-Politiker das Urteil des Strafgerichts akzeptiert. Ravenel aber legte Rekurs ein. Ein Prozess war auf den 23. Januar vor einem Gericht in Nyon angesetzt worden. Ravenel zog seine Beschwerde später - als die Affäre bereits in den Medien kursierte - zwar zurück. Die Strafverfügung trat anschliessend in Kraft.

Affäre offenbar unterschätzt

Der oberste Waadtländer hatte die Dimension der Affäre offenbar unterschätzt. «Er dachte, der Fall würde ohne eine Verurteilung erledigt werden», sagte sein Anwalt vergangene Woche gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.
Sein Mandant sei der Ansicht, dass diese Verurteilung keine Auswirkungen auf sein politisches Mandat habe, erklärte der Anwalt und sprach dagegen von einer «rein privaten Angelegenheit».

Unter Waadtländer Politikern hatte die Nachricht der Verurteilung letzte Woche für einen Eklat gesorgt. Einige bezeichneten es als «schockierend», dass jemand unter diesen Bedingungen den Vorsitz des Parlaments innehabe.
Das Linksaussen-Bündnis Ensemble à Gauche und Pop (Partei der Arbeit) forderte Ravenel zum Rücktritt auf. Er habe die Vorbildfunktion missachtet, die ein solches Amt mit sich bringe.

(vro/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • bätschert am 13.01.2020 23:12 Report Diesen Beitrag melden

    meine Sichtweise

    wenn es so ist wie geschrieben, finde ich den Abgang zwingend. Häusliche Gewalt, in welcher Dimmension auch immer, ist absolut inakzeptabel und geht gar nicht

  • tjt am 14.01.2020 00:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    SVP, oje schon wieder

    Schon wieder ein SVPler. In dieser Partei ist der Wurm drin. Sprich die falschen Leute werden portiert.

    einklappen einklappen
  • Fred am 13.01.2020 23:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wen wunderts

    Tja, seine Parteizugehörigkeit erstaunt nicht. Auch nicht, dass er die Wirkung davon so falsch einschätzt. Beweis genug, dass er als Vorbild ungeeignet ist.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Rassismusopfer sagt danke am 14.01.2020 13:20 Report Diesen Beitrag melden

    Freie Meinung

    freut mich riesig

  • Rob de Bob am 14.01.2020 13:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    Schade musste er zurücktreten aber ist sicher besser so.

  • Linker am 14.01.2020 12:44 Report Diesen Beitrag melden

    Uebertrieben

    Also zuerst muss ich sagen, dass ich kein SVP Wähler bin und eher links orientiert. Aber in dieser Sache finde ich es sehr übertrieben wie hier berichtet wird. Nach meiner Informationen hat er ihr nur einen Besen nachgeschmissen und den Garten verunstaltet. Das ist keine Häusliche Gewalt. Häusliche Gewalt ist wenn jemand seinen Partner schlägt. Was heisst drohen? Aber das ist wohl das Ergebnis dieser unträglicher "Metoo" bewegung. Wenn er sein Job gut macht, sollte er bleiben

    • Rob de Bob am 14.01.2020 17:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Linker

      Bin mir ihnen einig, so grob war er jetzt auch nicht. Das eine Trennung hoch emotional ist, ist doch verständlich.

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  • Moni.I am 14.01.2020 10:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Menschen

    Was hat das Privatleben von Ravenel mit seiner Arbeit als Politiker zu tun?Rein gar nichts.

    • BZ am 14.01.2020 17:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Moni.I

      dann lasst Greta in ruhe, oder ist das zuviel anti-doppelmoral für euch?

    einklappen einklappen
  • Uschle am 14.01.2020 09:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unterlegen

    Wieso gibt es häusliche Gewalt, ist dass ein unterliegen der starken Person? Im Prinzip sind es sehr schwache Menschen die Gewalt anwenden und so Ihre Macht demonstrieren. Sage da nur Ein NoGo.