Katholische Schule

01. Oktober 2015 11:01; Akt: 01.10.2015 11:01 Print

«Elfjährige zwangen meinen Sohn zu Oralsex»

In einer Schule im Tessin soll ein Schüler von seinen Klassenkameraden missbraucht worden sein. Die Behörden tun sich mit der Klärung des Falls schwer.

storybild

Zwei Minderjährige sollen einen Mitschüler an einer katholischen Schule im Tessin zu Oralsex gezwungen haben. (Symbolbild) (Bild: Fotolia)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Schockierende Nachrichten aus einer katholischen Schule in Lugano: Zwei Minderjährige sollen dort auf der Toilette einen Gleichaltrigen zu Oralsex gezwungen haben, berichtet «Tio». Dabei hatte die Mutter des elfjährigen Jungen ihn extra auf diese Schule geschickt, weil sie diese für «eine sichere Umgebung» hielt: «Mein Sohn hatte in der öffentlichen Schule einige Probleme», berichtet die Mutter.

Doch im Januar machte der Sohn dann das Geständnis. Zwei Mitschüler hätten ihn mit zur Toilette genommen und ihn gezwungen, sich auszuziehen. «Dann verlangten sie Oralsex von ihm», so die Mutter. Besonders schockierend: «Es war kein Einzelfall, das passierte immer und immer wieder.»

Polizei überlastet?

Sie nahm ihren Sohn sofort von der Schule. Die dortigen Verantwortlichen hätten alles heruntergespielt. Ihr Sohn habe das Ganze womöglich erfunden, hiess es, vielleicht habe er seine Kameraden missverstanden.

Doch die Mutter wollte handeln. Also ging sie ein paar Tage später zur Polizei und erstattete Anzeige. «Ich wurde rund drei Stunden lang ausgefragt. Am Schluss sagten sie mir, dass sie mit meinem Sohn mitfühlen können.»

Dann hörte sie allerdings nichts mehr. Die Mutter versuchte, den Fall voranzutreiben – vergeblich. «Wir fühlen uns im Stich gelassen», sagt sie. Die Familie wandte sich deshalb an die Jugendstaatsanwaltschaft. Dort habe man ihr gesagt, dass der Fall noch nicht bei den zuständigen Beamten gelandet sei. Die Polizei sei womöglich überlastet.

Täter sind womöglich auch Opfer

Als «Tio» nachzufragen begann, kam jedoch Bewegung in die Sache. Viele Fragen sind aber nach wie vor offen. Etwa, weshalb die Schulleitung noch nicht befragt wurde oder warum das Opfer auch acht Monate nach dem Geständnis den Beamten noch nicht seine Sicht der Dinge erzählen konnte.

Die Ermittlungen dürften nicht ganz einfach werden. Es besteht die Vermutung, dass die jungen Täter selbst Opfer sind, erklärt der Kriminologe Michel Venturelli der Zeitung. Es sei möglich, dass die beiden selbst misshandelt worden seien oder eine Misshandlung miterlebt hätten. Gerade deshalb müsse die Polizei die Sache umso ernster nehmen.

(vro)