Burka-Verbot

30. Juni 2016 11:15; Akt: 30.06.2016 11:17 Print

Araber stornieren Ferien im Tessin

Anfang Juli tritt im Kanton Tessin das Burka-Verbot in Kraft. Das hat Auswirkungen auf den Tourismus: Hoteliers berichten von Stornierungen.

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Im Tessin drohen 1000 Franken Busse, warnt die saudische Botschaft: Eine Familie mit verhüllter Frau beobachtet einen Umzug in Genf. (1. August 2015) Das Burka-Verbot ist in Belgien bereits in Kraft und sorgt noch immer für Aufregung: Zwei muslimische Burka-Trägerinnen zeigen ihre Bussen vor dem Stadthaus in Brüssel. Vom Verschleierungsverbot sind nur wenige Frauen betroffen: Verschleierte Frauen vor dem Kultur- und Kongresszentrum Luzern. Der Mann, der die Tessiner Initiative für das Burkaverbot lanciert hat: Der politische Einzelkämpfer und ehemalige Journalist Giorgio Ghiringhelli aus Losone. Nora Illi, Leiterin des Frauenverbandes des Islamischen Zentralrates der Schweiz (IZRS), machte sich am 18. September 2013 noch stark gegen ein Verbot des islamischen Gesichtsschleiers. Urs Schwaller, Ständerat und CVP-Fraktionspräsident, sagte im Vorfeld der Abstimmung: «Wenn sich der Kanton Tessin mit diesem Verbot selbst einengen will, dann sind wir eigentlich offen.» Fraktionschef der BDP Hansjörg Hassler: «Wir haben uns in der BDP stehts für ein Vermummungsverbot an Demonstrationen ausgesprochen. Zur Tessiner Verfassungänderung dürften wir auch eher Ja sagen. Bei einem reinen Burka-Verbot wären wir zurückhaltender, weil es dabei auch um die Religionsfreiheit geht.» Tiana Angelina Moser, Fraktionspräsidentin der Grünliberalen, hält es für unwahrscheinlich, dass sie und ihre Parteikollegen die Tessiner Verfassungsänderung unterstützen werden: «Ein Burka-Verbot würde einer grünliberalen Grundhaltung widersprechen.» Auf der Seite der Befürworter des Verbots war auch die ehemalige Finanzdirektorin des Kantons Tessin, Marina Masoni (FDP).

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Ab dem 1. Juli ist es im Kanton Tessin nicht mehr erlaubt, sich mit dem Nikab oder der Burka in der Öffentlichkeit zu bewegen. Wer dagegen verstösst, muss mit einer Busse von bis zu 1000 Franken rechnen. Im Wiederholungsfall sind sogar bis zu 10'000 Franken Busse möglich.

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Keine Freude am Verbot hat die Tessiner Tourismusbranche. Ihre Befürchtung, dass es sich negativ auf die Nachfrage aus den Golfstaaten auswirkt, scheint sich zu bewahrheiten. «Wir haben erste Stornierungen von arabischen Gästen erhalten», sagt Lorenzo Pianezzi, Präsident des Tessiner Hoteliervereins, der Zeitung «Giornale del Popolo». Hotels werden aufgefordert, ihre Gäste bei der Buchung aktiv und transparent zu informieren.

Keine Ausnahme für Touristinnen

Bisher war der arabische Markt im Tessin ein Wachstumsmarkt. Das Gesetz aus Rücksichtnahme auf die Tourismusbranche nicht auf Touristinnen anzuwenden, kommt für den Tessiner Justizdirektor Norman Gobbi jedoch nicht in Frage. Um den Volkswillen zu respektieren, müsse es strikt angewandt werden. Zuständig für die Durchsetzung sind die Gemeindepolizeien. Diese wurden jedoch angewiesen, Augenmass und Verhältnismässigkeit zu wahren: Bevor sie eine Busse aussprechen, sollen sie die Betroffene auffordern, die Verschleierung abzulegen. Zu einer Busse soll es erst kommen, wenn die Person sich weigert.

Bereits auf das Verhüllungsverbot reagiert hat die saudische Botschaft in Bern. Sie hat ihre Bürger aufgefordert, «die Schweizer Vorschriften zu beachten und zu respektieren, um Probleme zu vermeiden».

«Verhüllte werden das Tessin meiden»

Tessiner Hoteliers halten diese Mitteilung laut dem «Tages-Anzeiger» für doppeldeutig: Sie könne auch als Aufforderung gelesen werden, den Kanton Tessin nicht mehr zu bereisen. Der Tessiner Verkehrsverein geht davon aus, «dass weibliche Gäste, die ihr Gesicht verhüllen, das Tessin künftig wohl meiden werden». Die Bedeutung des Verhüllungsverbots dürfe aber nicht überschätzt werden: Mit 45'000 Übernachtungen beträgt der Anteil der Gäste aus den Golfstaaten nur 2,1 Prozent des Gästevolumens – und nur ein Teil davon trägt Burka oder Nikab.

Die Volksinitiative, die das Burkaverbot verlangte, hat das Tessiner Stimmvolk bereits im Jahr 2013 angenommen. Auch auf nationaler Ebene soll ein solches Verbot kommen: Das SVP-nahe Egerkinger Komitee hat dazu eine Volksinitiative lanciert. Bis im September 2017 hat das Komitee Zeit, die dafür nötigen 100'000 Unterschriften zu sammeln.

(lüs)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Taifunny am 30.06.2016 11:19 Report Diesen Beitrag melden

    Sehe kein Problem

    Was ist so schlimm daran? Ich verhalte mich in anderen Ländern auch nach deren Sitten und Gebräuchen und drücke meinen sonstigen Lebensstil nicht mit aller Gewalt durch. Im Tessin will man keine Burka sehen, in Saudi-Arabien keinen Alkohol. Also. Wo ist das Problem?

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  • B.Bürkli am 30.06.2016 11:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Passt!

    Wir müssen uns in deren Ländern auch anpassen und werden nicht gehätschelt.

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  • carlixo am 30.06.2016 11:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super!

    Endlich ein Kanton der mit gutem Beispiel voran geht.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Beat Bachmann am 30.06.2016 16:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    istanbul zeigte realität

    istanbul hat ja gezeigt, was man alles unter kleidern verstcken kann. 3 sprengstoffgürtel explodierten. also burka und verhüllungen weg.

  • JonSnow am 30.06.2016 16:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Übers Ziel geschossen

    Ich bin anderer Meinung als die Meisten hier. Burkas sind die absolute Ausnahme und ich wette, dass weit über 90% hier noch nie eine in der CH gesehen haben. Es geht nur drum Kindergarten zu spielen. Betreffend Anpassung glaube ich auch, dass über 100% der Leute noch nie in einem Land waren in welchem Frauen eine Burka tragen müssen, weil es keine so Länder gibt. Sogar der Hijab wird nur in wenigen Ländern verlangt und da gehen die wenigsten hin. Viel Lärm um Nichts und überflüssiges Theater. Ich bin überzeugt, dass allein der IZRS Schuld ist, dass es so weit kam.

    • apollocombat am 30.06.2016 17:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @JonSnow

      genau so ist es man ist rassistisch will es aber nicht zugeben

    • gloria derungs am 02.07.2016 00:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @apollocombat

      warum ist das rassistisch, wenn man sagt, wen man ins land lässt und wen nicht? wir haben nicht gesagt, alle sind willkommen. die, welche unsere gesetze missachten, unsere werte nicht akzeptieren oder unruhe stiften, die sind bestimmt nicht erwünscht.

    • apollocombat am 06.07.2016 11:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @gloria derungs

      was für gesetze misachten sie den ??

    • Wiederkehr am 30.07.2016 14:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @apollocombat

      Der Islam teilt die Menschen in Gläubige und Ungläubige auf. Ungläubige haben kein Lebensrecht. Wer ist rassistisch?

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  • BB-8 am 30.06.2016 15:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo Tessin!

    Finde ich absolut korrekt so. Als wir damals in Dubai waren, lief ich auch nicht rum als ob ich im Ballermann in den Ferien verweile! Jeder sollte sich so gut als möglich dem Land und dessen Kulturen anpassen in das man reist.... Sonst am besten sein lassen. Ich gehe auch nicht zb. In Italien mit Mini und Tragerlosen Top in eine Kath. Kirche... Jeder muss sollte sich den Gegebenheiten anpassen, meine Meinung

  • Leid am 30.06.2016 15:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Burka

    Das sollte die ganzen Schweiz mit machen Super Tessin mit Burka verbot

  • Leid am 30.06.2016 15:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Burka

    Wen ich zu Ihnen gehe muss ich anpassen also dann sollen sich hier anpassen wen nicht sollen sie gehen