Felssturz in Preonzo

15. Mai 2012 12:51; Akt: 15.05.2012 14:00 Print

Der Berg will sich nicht beruhigen

300 000 Kubikmeter Fels krachten bei Preonzo TI ins Tal – und noch immer gibt der Berg keine Ruhe. Das Industriegebiet und die Schulen bleiben gesperrt.

(Quelle: Video Reportage/M. Franjo)
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Seit Jahren erwartete die Bevölkerung des Tessiner Dorfes Preonzo den Felssturz – in der Nacht auf Dienstag ist der Berg nun heruntergekommen. Nicht weniger als 300 000 Kubikmeter Gesteinsmassen – knapp die Hälfte der losen Gesamtmenge – krachten während mehreren Stunden ins Tal. «Die Szenerie war mitreissend und irgendwie surreal. Man begreift, wie machtlos man in einer solchen Situation ist», sagt Gemeindepräsident Fabio Pasinetti, der das Naturereignis vom Dorfplatz mit einem Fernrohr beobachtete. Von Aufregung in der Bevölkerung sei trotz polternder Felsen allerdings nichts zu spüren gewesen. «Alle habe geschlafen. Die Menschen sind es gewohnt, mit dem unruhigen Berg zu leben.»

Auch Giorgio Valenti spricht von einem «eindrücklichen Spektakel». Die betroffene Felspartie wird mit Sensoren zwar genau überwacht, dennoch war der Kantonsgeologe von der Menge des herunterstürzenden Gesteins überrascht: «Einen solchen Felssturz haben wir nicht aufs Mal erwartet», so Valenti gegenüber dem Tessiner Radio RSI.

«Wir hatten schon etwas Angst»

Im Dorfkern von Preonzo waren die Beobachter in Sicherheit. Ganz anders war die Lage im Industriegebiet, das sich direkt unter der losen Felspartie befindet. «Wir hatten schon etwas Angst, man konnte ja nicht vorhersehen, wie weit die Gerölllawine vordringen wird», sagt Gemeindepräsident Pasinetti. Offenbar sind die Fabrikanlagen von den Gesteinsmassen aber verschont geblieben.

Dennoch gilt die Zone weiterhin als Gefahrengebiet, der Zutritt ist verboten. Auch die Kantonsstrasse zwischen Gnosca und Preonzo bleibt gesperrt, die Kinder müssen derzeit in der Nachbargemeinde zur Schule. Laut Pasinetti überprüfen Geologen in den kommenden Stunden die Situation im Gebiet. Die Fachleute schliessen nicht aus, dass sich im Verlauf des Tages weitere Felspartien ablösen. Eine ähnlich grosse Lawine wird allerdings nicht mehr erwartet.

Seit Jahrhunderten bekannt

Die Umgebung ist bereits seit rund 400 Jahren als Risikogebiet bekannt. Die ersten Felsstürze wurden bereits im 17. Jahrhundert dokumentiert, dennoch siedelten sich in den 1960er Jahren die ersten Industriebetriebe an. Ein Risiko schien damals gering. Sechs Firmen sind heute noch aktiv und beschäftigen rund 70 Personen.

Pläne, die Unternehmen umzusiedeln, scheiterten in der Vergangenheit an verschiedenen Faktoren. Der Gemeindepräsident hofft, dass ab Montag alle wieder ihre Arbeit aufnehmen können. Ein Wegzug der Betriebe - womit Pasinetti langfristig rechnet - würde für die Gemeinde eine schmerzhafte finanzielle Einbusse bedeuten.


Hier liegt Preonzo:

(fum/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Joel Wüthrich am 15.05.2012 17:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Gewalt der Erde

    Die ganze gewalt der erde rutscht runter! Was für ein spektakel, und trotzdem gefährlich.

  • wahrheit unbeliebt am 15.05.2012 15:03 Report Diesen Beitrag melden

    erstaunt euch das?

    der berg wehrt sich.

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  • cewatti am 15.05.2012 17:06 Report Diesen Beitrag melden

    Erddrehung beschleunigt???

    300'000 m3 Fels sind etwa 1'000'000 Tonnen, welche jetzt näher beim Erdmittelpunkt sind. Dreht sich die Erde jetzt schneller?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Martin am 16.05.2012 03:17 Report Diesen Beitrag melden

    Erstaunlich!

    Die konnten den Felssturz so genau voraussagen? Wirklich erstaunlich. Wenns dann fertig ist, sollte es eigentlich wieder eine zeitlang halten, oder nicht?

  • Burgi stef am 15.05.2012 22:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verrückt

    Damals in Randa VS waren es 30'000'000 m3 Felsen und hier "nur" 300'000m3. Gewaltig wie klein wir sind...

  • Joel Wüthrich am 15.05.2012 17:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Gewalt der Erde

    Die ganze gewalt der erde rutscht runter! Was für ein spektakel, und trotzdem gefährlich.

  • cewatti am 15.05.2012 17:06 Report Diesen Beitrag melden

    Erddrehung beschleunigt???

    300'000 m3 Fels sind etwa 1'000'000 Tonnen, welche jetzt näher beim Erdmittelpunkt sind. Dreht sich die Erde jetzt schneller?

    • ManuSch am 17.05.2012 11:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Antwort

      Ja

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  • baba am 15.05.2012 15:28 Report Diesen Beitrag melden

    Zufahrt Lugano?

    hmmm... hoffentlich kann ich am Donnerstag da durch wenn ich nach Lugano möchte....

    • L.W. am 15.05.2012 16:17 Report Diesen Beitrag melden

      Bestimmt

      da kannst du bestimmt durch, die autobahn biasca-bellinzona liegt eine rechtes stück weit weg, ansosten wirt du bestimmt auf die Kantonalstrasse von biasca bis bellinzona nord umgeleitet abgeschnitten wird man dort bestimmt nicht ;-P

    • Heidi Ampühl am 15.05.2012 16:26 Report Diesen Beitrag melden

      An Lugano Reisende

      . . . . oder Du fährst via Lötschberg-Simplon nach Milano und kommst von Süden her nach Lugano. Bist Du Bahnfahrer, empfehle ich Dir die Bernina Route mit der RhB, die auch einen Bus betreiben von Tirano nach Lugano.

    • Maya Reichert am 15.05.2012 16:51 Report Diesen Beitrag melden

      Wie wär's mit...

      ...fliegen??? Dann könntest du das Bergsturzgebiet von oben anschauen ;-)

    • Schneehasi am 16.05.2012 07:29 Report Diesen Beitrag melden

      Schon etwas doof

      San Bernadino kann man auch fahren ... habt ihr alle in der Geographie geschlafen? Dass die Autobahn und Hauptstrasse durch die Leventina nicht betroffen sind wurde gestern schon im Bericht erwähnt ....

    • Tanja und Norbert Hauser am 16.05.2012 09:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Natürlich kann man auf der Autobahn durchfahren

      @Heidi Ampühl Es gibt auch von St. Moritz nach Lugano, via Maloyapass, Bergell und Chiavenna nach Lugano eine Buslinie, die 2-3x pro Tag in beiden Richtungen angefahren wird. Aber reisende Richtung Bellinzona, Locarno, Lugano oder Italien werden ohne Probleme durchfahren können. Es ist ja nicht so das dieses Geröll bis in die Talsohle der Transitstrecke kommt. Habt ihr schon mal geschaut wieviele km da zum Glück noch fehlen. hehe Wir fahren heute am späteren Nachmittag auch dort vorbei. Wollen mit dem Wohnmobil bis zum Dienstag nach Pfingsten nach Apullien fahren. Erste Badeferien im Frühling bei durchsch. 26 Grad. Fahren dann im September nochmals für 4Wo an den gleichen Ort. Der vielleicht schönste und romantischte Strand, Ort am Meer den wir in Europa kennen. Wünschen allen ein schönes verlängertes Wochenende.

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