Tödlicher Unfall

10. Juni 2016 17:08; Akt: 10.06.2016 17:08 Print

Hat die Mafia die Gotthard-Arbeiter bedroht?

Die Tessiner Polizei muss sich je länger je öfter mit der Mafia herumschlagen. Sogar bei einem Unfall im Gotthard-Basistunnel soll sie ihre Finger im Spiel gehabt haben.

Bildstrecke im Grossformat »
Der erste Zug wird am Nordportal des Gotthard-Basistunnels bei Erstfeld mit Feuerwerk empfangen. (1. Juni 2016). Doch während des Baus sind insgesamt neun Menschen gestorben. Drei Projektleiter stehen nun vor Gericht, weil sie der fahrlässigen Tötung angeklagt sind. Sie sollen Verbindungen zur Mafia haben. Sie sollen den Unfallort, an dem einer ihrer Mitarbeiter von einem Felsen erschlagen wurde, im Nachhinein verändert haben, um den Tod zu vertuschen. Am 1. Juni wurde der länge Eisenbahntunnel der Welt, der Gotthard-Basistunnel, feierlich eröffnet. Matteo Renzi, Angela Merkel, Francois Hollande und Johann Schneider-Ammann im Sonderzug von Erstfeld nach Bodio. (1. Juni 2016) Die Begeisterung der Hunderten von Schaulustigen kennt keine Grenzen. (1. Juni 2016) Ein Band zwischen Nord und Süd: Johann Schneider-Ammann zerschneidet das rote Band und übergibt den Tunnel damit offiziell der SBB. (1. Juni 2016) Göttliche Weihung: Vertreter aller Weltreligionen gaben dem neuen Tunnel ihren Segen. (1. Juni 2016) Ein geschichtsträchtiger Tag: «Wir vollenden ein Jahrhundertwerk, an dem mehrere Generationen mitgewirkt haben», betonte Bundespräsident Schneider-Ammann bei seiner Ansprache. (1. Juni 2016) Über eine Direktschaltung war Ammann mit Doris Leuthard in Pollegio beim Südportal verbunden. (1. Juni 2016) Leuthard sagte, der Tunnel sei ein Symbol für Offenheit und Fortschritt. (1. Juni 2016) Im Tunnel-Look: Das mit Löchern durchsetzte Kleid von Leuthard gab fast so viel zu Reden wie die Tunneleröffnung. (1. Juni 2016) Journalisten aus aller Welt berichteten über die Eröffnung des prestigeträchtigen Bauwerkes. (1. Juni 2016) Auch der neun Arbeiter, die beim Tunnelbau ihr Leben lassen mussten, gedachte Ammann in seiner Ansprache. (1. Juni 2016) Startschuss: Mit dem Ausspruch «Bahn frei! Place aux trains! Via libra pils trens! Via liberia ai treni!» gab Schneider-Ammann das Signal für die erste offizielle Fahrt von zwei Zügen. (1. Juni 2016) Begeisterung: 1000 Gäste fuhren in den Eröffnungszügen als erstes durch den neuen Gotthard-Basistunnel. (1. Juni 2016) Die Passagiere waren durch einen Wettbewerb der SBB ausgewählt worden. (1. Juni 2016) Die beiden ersten Züge fuhren von Bellinzona und Arth-Goldau aus los. Hier die Passagiere in Bellinzona. (1. Juni 2016) Kurz nach Zwölf begann die Eröffnungsfeier in Rynächt bei Erstfeld. (1. Juni 2016) Mystisch: Tänzer und Akrobaten stellen in der Inszenierung von Volker Hesse den Mythos Gotthards nach. (1. Juni 2016) Auch der moderne Tunnelbau wurde in der Eröffnungsshow mittels Tanz thematisiert. (1. Juni 2016) Unter den geladenen Gästen befand sich der ehemalige deutsche Aussenminister Joschka Fischer, hier mit Alt-Bundesrat Adolf Ogi. (1. Juni 2016) Hesses «Sacre del Gottardo» fand zeitgleich in Pollegio und Rynächt statt. (1. Juni 2016) Mystische Figuren aus der Schweizer Folklore durften bei der Show nicht fehlen. (1. Juni 2016) Die Schausteller trugen Tenues von Tunnelarbeitern. (1. Juni 2016) Und erhoben sich schwebend in die Lüfte. (1. Juni 2016) Die Show kombinierte modernen Tanz mit Eisenbahnmotiven. (1. Juni 2016) Auch eine klassische Gotthard-Postkutsche durfte nicht fehlen. (1. Juni 2016) Danach durfte Schneider-Ammann Bundeskanzlerin Angela Merkel... (1. Juni 2016) ... den italienischen Premierminister Matteo Renzi... (1. Juni 2016) ... und Präsident Francois Hollande begrüssen. (1. Juni 2016) Zusammen mit dem Gesamtbundesrat ging es dann in einem Extra-Zug von Erstfeld aus durch den Gotthard. (1. Juni 2016) Der Tunnel war für die Regierungschefs ausnahmsweise beleuchtet. Blick in die Weströhre. (1. Juni 2016) Die Fahrt dauerte für die Staatsoberhäupter etwas länger als für die normalen Fahrgäste: 30 statt nur 20 Minuten. Hier bei Eintreffen in Pollegio. (1. Juni 2016) Manche Gäste hatten sich für die Eröffnungsfeier ein spezielles Outfit ausgedacht. (1. Juni 2016) Das Jahrhundertwerk sei weitaus mehr als eine Tunnel. «Heute ist in der Schweiz der europäische Traum Realität geworden», sagte Hollande in seiner Rede in Pollegio. Merkel betonte, der Gotthard sei das Herz Europas, «die Aorta fehlt jedoch noch». Damit spielte sie auf die noch unvollendeten Zubringerstrecken in Deutschland und Italien an. (1. Juni 2016) Die Patrouille Suisse liess es beim Südportal aus der Luft krachen. (1. Juni 2016) Freude herrscht: Auch Alt-Bundesrat Adolf Ogi, der als «Vater der NEAT» gilt, durfte sich an der Eröffnung öffentlich äussern. (1. Juni 2016) Auf Richtung Zentralschweiz: Diverse Parlamentarier machten bereits am frühen Morgen auf zum Gotthardmassiv. (1. Juni 2016) Eine Statue der Heiligen Barbara, der Schutzheiligen der Tunnelbauer, steht im neuen Gotthard-Basistunnel bei Amsteg. (1. Juni 2016) Renzo Simoni, Vorsitzender AlpTransit, Peter Fueglistaler, Direktor BAV, und Andreas Meyer, CEO SBB, zeigten sich an der Medienkonferenz in Castione verbunden. (1. Juni 2016) Der Tunnel führt durch das über 3000 Meter hohe Gotthardmassiv. Die unscheinbare Einfahrt bei Erstfeld unten links. (31. Mai 2016) Gedenken am Tag zuvor: Angehörige der neun verstorbenen Mineure nahmen bei Erstfeld an einer Feier teil. (31. Mai, 2016)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Im Tessin hat sich offenbar die italienische Mafia ‘Ndrangheta eingenistet. «Untersuchungen zeigen, dass die kalabrische Kriminalität, vor allem im Bereich der Immobilien und der Gastronomie, hier verwurzelt ist», sagt Dimitri Bossalini, Präsident der Tessiner Kommunalpolizeien. Diese Infiltration des organisierten Verbrechens im Tessin beunruhige ihn sehr.

Die Wirtschaft werde buchstäblich aufgefressen. «Wenn wir nichts unternehmen, kaufen sie alles.» Weitere wichtige Sektoren für die Mafia ist laut einem Bericht des Fedpol auch das Baugewerbe. «Sie profitieren von den tiefen Hypothekarzinsen, um günstig an Immobilien zu kommen und so ihr Geld zu waschen», so Bossalini.

In der Schweiz seien der Polizei aber oft die Hände gebunden: Sie hätten nicht dieselben Mittel zur Verfügung wie die italienischen Behörden – beispielsweise bei Telefonüberwachungen oder Beschattungen. Bossalini: «Das Gesetz ist bei uns viel restriktiver.»

Projektleiter des Gottard-Basistunnels vor Gericht

Nun sieht es laut dem italienischen Onlineportal «Il Fatto Quotidiano» so aus, als ob die Mafia sogar beim Gotthard-Basistunnel ihre Hände im Spiel hatte. Drei Projektverantwortliche stehen vor Gericht, weil unter ihrer Aufsicht 2010 ein 54-jähriger Italiener von einem Felsen erschlagen wurde und dabei sein Leben verlor. Sie sind wegen fahrlässiger Tötung angeklagt.

Der zuständige Staatsanwalt John Noseda sagt, der Unfallort sei im Nachhinein völlig verändert worden, wobei aber keine zusätzlichen Sicherheitsmassnahmen angebracht wurden. Man gehe davon aus, dass die Projektleiter im Mafiastil den Unfall zu vertuschen versuchten.

Von den 30 Arbeitern hat laut Noseda noch keiner Auskunft geben wollen. Sie hätten Angst um ihre Arbeit und ihre Familien. Diese Aussageverweigerung sei ebenfalls typisch für die Mafia – ein Schweige-Code quasi. «Sie bringen die Arbeiter aus Italien in die Schweiz, beuten sie aus und erpressen oder bedrohen sie danach.»

(tab)