Tessin

15. November 2014 19:12; Akt: 16.11.2014 15:19 Print

Regenfälle lassen Pegel weiter ansteigen

Das Tessin kommt nicht zur Ruhe. Nach einer kurzen Verschnaufpause hat in der Nacht auf Samstag anhaltender Regen eingesetzt. Eine Entspannung ist erst morgen in Sicht.

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Auch am 13. November prägt das Hochwasser noch das Stadtbild von Locarno. Überflutete Strassen sind nur über Holzstege passierbar. Ein Herrchen samt Hund hält das jedoch nicht vom Gassigehen ab. Andere Menschen begeben sich sogar auf Reisen. Ein Steg, der über Booten errichtet wurde, machts möglich. Blick auf eine überflutete Fläche der Magadino-Ebene bei Gordola TI. Ein Passant schiesst Erinnerungsfotos von einer überfluteten Strasse in Locarno. Die überflutete Magadino-Ebene erscheint unter bestimmten Lichtverhältnissen beinahe idyllisch. Ein Parkplatz in Locarno ist wegen der Fluten unbenutzbar. Für die Gegend oberhalb des Lago Maggiore rund um Locarno hat der Bund am Dienstagnachmittag, 11. November 2014, die höchste Warnstufe ausgerufen. Zivilschützer bauen in der Nähe der Uferpromenade Stege für die Fussgänger. Im Hintergrund sieht man bereits das Wasser des Sees in den Strassen. Im Bereich von Verbano steht das Ufer schon tief im Wasser. Der Campingplatz musste evakuiert und zahlreiche fest installierte Wohnwagen abtransportiert werden. Mancherorts in Locarno ist das Wasser schon weiter vorgedrungen ... ... und bringt erste Strassenzüge zum Verschwinden. An der Uferpromenade schwappt der See bisher nur leicht über. Noch kann man mit gutem Schuhwerk dem See entlang laufen. Am 17. November 2002 sah dies anders aus. Damals ragten die Bänke nur noch knapp aus dem Wasser. Der Lago Maggiore erreichte damals einen Höchststand von 196,19 Metern. Mit derzeit 195,37 Metern ist der See davon noch einiges entfernt. Doch die Prognosen rechnen mit einem Anstieg auf 196,7 Metern - noch deutlich höher als im Jahr 2002. Dann wird es in Locarno noch deutlich schlimmer aussehen als 2002. Doch Silvano Stern Kommandant der Gemeindepolizei beruhigt: «Es gab zwar schon lang kein Hochwasser mehr, aber wir sind vorbereitet.» Der Höchststand soll in der Nacht auf Donnerstag erreicht worden sein. Beim Hochwasser 2002 waren nur kleine Stege nötig, damit die Bewohner trockenen Fusses in ihre Häuser kamen. Schon damals musste man zum Teil schwimmende Brücken bauen. Und: Eine weitere Gefahr ist nicht gebannt. Für Erdrutsche besteht laut Geologen im Tessin eine grosse Gefahr. Man beobachte derzeit zahlreiche Hot-Spots. Eine Mure könne sich praktisch überall lösen. «Die Hänge sind so voller Wasser», sagt Giorgio Valenti vom kantonalen Amt für Naturgefahren.

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Verbreitet fielen im Tessin innert 24 Stunden 50 bis 70 Millimeter Regen, wie Ludwig Zgraggen, Meteorologe bei MeteoSchweiz, am Samstagabend auf Anfrage sagte. Lokal seien bis zu 100 Millimeter gefallen.

Weil die Schneefallgrenze teilweise auf bis zu 1000 Meter über Meer sank, fiel der Niederschlag mancherorts als Schnee statt als Regen. Teilweise habe es bis auf den Talboden hinuntergeschneit, sagte Alex Helbling vom Zivilschutz Locarno am Samstagabend auf Anfrage.

Höchste Gefahrenstufe

Die erneuten Regenfälle liessen den Pegel des Lago Maggiore am Samstag über das Niveau vom Donnerstag ansteigen. Am Samstagmorgen betrug er 196,53 Meter. Den Rekordpegel von 197,58 Metern aus dem Jahr 2000 wird der See jedoch kaum erreichen.

Beim Hochwasser gilt sowohl für den Lago Maggiore als auch den Luganersee die höchste Gefahrenstufe 5. Die Tessinerinnen und Tessiner können erst ab Sonntagmorgen mit einer Entspannung der Lage rechnen: Dann dürfte es aufhören zu regnen.

Ab Montag wird jedoch wieder Regen erwartet, wie Zgraggen sagte. Bis Dienstag könnten dann erneut verbreitet 40 bis 50 Millimeter Regen fallen, lokal auch mehr.

Geduldige Bevölkerung

Helbling erwartet, dass die Pegel ab Dienstag zurückgehen könnten, wenn auch nur langsam. Die vergangene Woche evakuierte Klinik Sta. Chiara in Locarno dürfte noch bis am Montag in einer Woche geschlossen bleiben, wie er sagte.

Die bisher getroffenen Schutzmassnahmen sind laut Helbling ausreichend. Die Bevölkerung Locarnos zeige sich sehr geduldig und zuversichtlich. In den betroffenen Stadtteilen sind Stege ausgelegt. 25 freiwillige Zivilschützer sind im Einsatz und transportieren unter anderem die Bewohner des besonders betroffenen «Quartiere Nuovo» in Schlauchbooten zu ihren Häusern.

Erdrutsch-Gefahr

Durch den vielen Regen besteht zudem weiterhin die Gefahr von Hangrutschen. Vergangene Woche waren eine Frau und deren kleine Tochter bei einem Erdrutsch im Malcantone ums Leben gekommen.

Weil die erwarteten Niederschläge weniger intensiv sind als jene der vergangenen Woche, nimmt die Hangstabilität gemäss dem Bundesamt für Umwelt zwar zu. Der Abgang von spontanen Rutschungen könne aber «weiterhin nicht ganz ausgeschlossen werden». In den Bergen herrscht zudem grosse Lawinengefahr.

(pat/sda)