Hochwasser

13. November 2014 14:54; Akt: 13.11.2014 15:01 Print

Regenpause im Tessin – aber noch kein Aufatmen

Nach drei Tagen Dauerregen zeigte sich am Lago Maggiore am Donnerstag zum ersten Mal wieder die Sonne. Von Entspannung kann jedoch keine Rede sein.

Bildstrecke im Grossformat »
Auch am 13. November prägt das Hochwasser noch das Stadtbild von Locarno. Überflutete Strassen sind nur über Holzstege passierbar. Ein Herrchen samt Hund hält das jedoch nicht vom Gassigehen ab. Andere Menschen begeben sich sogar auf Reisen. Ein Steg, der über Booten errichtet wurde, machts möglich. Blick auf eine überflutete Fläche der Magadino-Ebene bei Gordola TI. Ein Passant schiesst Erinnerungsfotos von einer überfluteten Strasse in Locarno. Die überflutete Magadino-Ebene erscheint unter bestimmten Lichtverhältnissen beinahe idyllisch. Ein Parkplatz in Locarno ist wegen der Fluten unbenutzbar. Für die Gegend oberhalb des Lago Maggiore rund um Locarno hat der Bund am Dienstagnachmittag, 11. November 2014, die höchste Warnstufe ausgerufen. Zivilschützer bauen in der Nähe der Uferpromenade Stege für die Fussgänger. Im Hintergrund sieht man bereits das Wasser des Sees in den Strassen. Im Bereich von Verbano steht das Ufer schon tief im Wasser. Der Campingplatz musste evakuiert und zahlreiche fest installierte Wohnwagen abtransportiert werden. Mancherorts in Locarno ist das Wasser schon weiter vorgedrungen ... ... und bringt erste Strassenzüge zum Verschwinden. An der Uferpromenade schwappt der See bisher nur leicht über. Noch kann man mit gutem Schuhwerk dem See entlang laufen. Am 17. November 2002 sah dies anders aus. Damals ragten die Bänke nur noch knapp aus dem Wasser. Der Lago Maggiore erreichte damals einen Höchststand von 196,19 Metern. Mit derzeit 195,37 Metern ist der See davon noch einiges entfernt. Doch die Prognosen rechnen mit einem Anstieg auf 196,7 Metern - noch deutlich höher als im Jahr 2002. Dann wird es in Locarno noch deutlich schlimmer aussehen als 2002. Doch Silvano Stern Kommandant der Gemeindepolizei beruhigt: «Es gab zwar schon lang kein Hochwasser mehr, aber wir sind vorbereitet.» Der Höchststand soll in der Nacht auf Donnerstag erreicht worden sein. Beim Hochwasser 2002 waren nur kleine Stege nötig, damit die Bewohner trockenen Fusses in ihre Häuser kamen. Schon damals musste man zum Teil schwimmende Brücken bauen. Und: Eine weitere Gefahr ist nicht gebannt. Für Erdrutsche besteht laut Geologen im Tessin eine grosse Gefahr. Man beobachte derzeit zahlreiche Hot-Spots. Eine Mure könne sich praktisch überall lösen. «Die Hänge sind so voller Wasser», sagt Giorgio Valenti vom kantonalen Amt für Naturgefahren.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Kein Regen, dafür stellenweise Sonnenschein: Die Bevölkerung auf der Alpensüdseite kann heute erstmals seit Langem wieder ohne Schirm aus dem Haus. Doch am Horizont ziehen bereits wieder dunkle Wolken auf. Klaus Marquart vom Wetterdienst Meteonews spricht lediglich von einer Verschnaufpause: «Ab Freitag ist erneut mit flächendeckenden Regenfällen zu rechnen.»

Die Situation sei jedoch nicht mehr mit den vergangenen Tagen vergleichbar. Gemäss Meteonews sollen 50 bis 100 Liter Regen pro Quadratmeter fallen. «Das ist nur noch etwa ein Drittel der vorhergegangenen Menge», so der Meteorologe. Ausserdem soll die Schneefallgrenze sinken, somit würde mehr Niederschlag in den Höhen gebunden werden.

Erdrutsch-Gefahr noch nicht gebannt

Ab Dienstag soll die Wettermisere überstanden sein. Die Meteorologen prognostizieren dem Tessin dann mindestens drei trockene Tage am Stück. «Das ist wichtig, damit sich die Pegel etwas erholen können», sagt Marquart. Auch dann bleibe die Erdrutsch- und Bergsturz-Gefahr jedoch hoch. Schliesslich brauche es einige Tage, bis das Wasser abgeflossen sei.

Die bisher gefallene Niederschlagsmenge im November gehört bereits jetzt zu den zehn höchsten seit dem Messbeginn.

Zivilschutz und Freiwillige im Einsatz

In den Kellern der Ufergebiete laufen die Wasserpumpen und der Zivilschutz Locarno TI bereitet sich schon auf die Regenphase vom Freitag vor. Von den Überschwemmungen der letzten beiden Tage seien rund 600 Bewohner betroffen gewesen, sagte der Leiter des Zivilschutz Locarno, Raffaele Dadò, der Nachrichtenagentur SDA. 50 Zivilschützer seien am Mittwoch dauerhaft im Einsatz gewesen, um Stege auszulegen und die ufernahen Häuser durch Trennbalken vor den Fluten zu schützen – darunter 20 Freiwillige, die in solchen Notfällen auf Abruf bereitstehen.

Dadò und seine Mitarbeiter konnten sich schon frühzeitig auf den vorläufigen Pegelhöchststand des Lago Maggiore in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag einstellen: Seit der letzten grossen Überschwemmung im Jahre 2000 habe sich die Technik rasant weiterentwickelt.

Mithilfe eines Programms der Tessiner Fachhochschule Supsi können Wetterdaten und Niederschlagsmengen direkt auf einem Stadtplan von Locarno visualisiert werden. «So wussten wir schon am Montagabend mit sehr grosser Sicherheit, welche Zonen wir in den kommenden Tagen evakuieren beziehungsweise schützen müssen», sagt Dadò. In diese Risikozone fiel auch das ufernahe Spital Santa Chiara in Locarno, das am Dienstagmorgen evakuiert wurde.

Uferstrasse am Luganersee gesperrt

Ab Samstag stellen sich die Locarneser Zivilschützer auf weitere starke Regenfälle ein. In der grössten Tessiner Stadt war am Mittwochabend vorübergehend die Uferstrasse am Luganersee im Zentrum gesperrt. Seit Donnerstagmorgen seien aber wieder beide Fahrspuren für den Verkehr freigegeben, teilte die Luganeser Kommunalpolizei in einem Communiqué mit.

(cho/sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Itaalyyy am 13.11.2014 15:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tessin

    Ich hoffe es wird besser :)

  • Original Peter Hänsi am 13.11.2014 20:14 Report Diesen Beitrag melden

    Anscheinend hat

    Anscheinend hat, das Tessiner-Schweizer-Volk kein Recht auf Spende-geld. Wir kennen es in der Schweiz, man ist JA Versichert. Wer (Gerechtigkeit) kennt, würden die Tessiner schon lange was von der Glückskette hören.

  • Original Peter Hänsi am 13.11.2014 19:39 Report Diesen Beitrag melden

    Das Wetter im Tessin

    Das Wetter im Tessin, wird viele Leute in denen Regionen verändern, Gedanklich, Vertrauen, Zusammenarbeiten. Wer die drei Punkte, begriffen hat, ist ein Schritt näher an der Realität.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • andreas am 13.11.2014 22:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Viel Glück

    Alles gute den Tessinern! hoffe es werden nicht noch mehr menschen verletzt/ getötet!

  • Michael Palomino am 13.11.2014 20:20 Report Diesen Beitrag melden

    Ein zweiter Abfluss?

    Wieso der Lago Maggiore noch keinen zweiten Abfluss hat, das wissen die Götter. Alle 10 Jahre ist dort Hochwasser. Langenthal hat einen Wassertunnel, Lyss hat einen. Irgendwie fehlt da was am Lago Maggiore - ein System wie zwischen Bielersee und Neuenburgersee.

    • Adriano.M am 14.11.2014 06:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Italien!

      Der lago Maggiore fliesst nach Italien ab, versuch Du mal mit denen ein Abkommen zu schliessen das, wir nicht selber bezahlen müssen.

    einklappen einklappen
  • Original Peter Hänsi am 13.11.2014 20:14 Report Diesen Beitrag melden

    Anscheinend hat

    Anscheinend hat, das Tessiner-Schweizer-Volk kein Recht auf Spende-geld. Wir kennen es in der Schweiz, man ist JA Versichert. Wer (Gerechtigkeit) kennt, würden die Tessiner schon lange was von der Glückskette hören.

  • Original Peter Hänsi am 13.11.2014 19:39 Report Diesen Beitrag melden

    Das Wetter im Tessin

    Das Wetter im Tessin, wird viele Leute in denen Regionen verändern, Gedanklich, Vertrauen, Zusammenarbeiten. Wer die drei Punkte, begriffen hat, ist ein Schritt näher an der Realität.

    • Papierlischweizer am 14.11.2014 10:23 Report Diesen Beitrag melden

      Die Hoffnung stirbt zuletzt

      Im Tessin, wie auch in anderen Bergregionen, insbesondereden abgelegenen Seitentälern, ist der Zusammenhalt seit jeher hoch. Gerade die Abgeschiedenheit fördert den Gemeinsinn, da man in der Not aufeinander angewiesen ist. Das Wissen, im Notfall auf den Nachbarn vertrauen zu können, macht ein überleben in solchen Regionen erst möglich. Anonymität und Egoismus hatten noch nie einen Platz in diesen Gemeinschaften. Leider Gottes Eigenschaften, die im Mittelland je länger je mehr verschwinden.

    • Original Peter Hänsi am 14.11.2014 13:19 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht jeder in dem Tessin oder in den Bergregionen

      Nicht jeder in dem Tessin oder in den Bergregionen, kennt das Wort (Zusammenarbeiten) Sie @Papierlischweizer zeigen Ihre (Anonymität und Ihr Egoismus) in dem Sie sich mit Ihrem Vorname und Nachname hinter einem (Pseudonymen Name) verstecken.

    einklappen einklappen
  • Stralo48 am 13.11.2014 16:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wasser Pegelstand abrufen per SMS

    dir chöit dr Pegelstand abrüefe unter SMS senden an : 9234 Dann text eingeben: H 2022 Dann kommt die Daten H 2022 ist Lago Magiore Man findet die Code unter Bundesamt für Umwelt