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08.04.2019 Print

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Autofahrerin Katja wagt das ÖV-Abenteuer

Katja Meier hat ihren Führerausweis während einer Woche gegen ein Abo des Tarifverbundes Passepartout getauscht. Dabei erlebte die 29-Jährige so manche Überraschung.

«Selbstversuch – eine Woche ohne Jimmy.» Als ich diese Worte in mein Notizbüchlein schreibe, habe ich nur eine Vorahnung davon, was mich in den kommenden Tagen erwarten würde. Ich liess mich dazu überreden, während einer ganzen Woche auf meinen Flitzer Jimmy zu verzichten. Was für regelmässige ÖV-Pendler nicht der Rede wert wäre, ist für mich als Autofahrerin eine ziemlich grosse Sache.

1. Tag – Schulreisefeeling

Nach einigen Klicks habe ich es geschafft: Ich habe online mein erstes ÖV-Abo gelöst! Der erste Tag führt mich mit Bus und Bahn nach Waldibrücke und damit zu meinem Lieblingsort. Nach einem 15-minütigen Spaziergang vom Bahnhof erreiche ich den Bauernhof, in dem mein Pferd Levina schon auf mich wartet. Nirgends kann ich besser abschalten als bei ihr. Da an meinem freien Tag auch noch die Frühlingssonne scheint, kommt mir der ÖV-Ausflug auf die Weide fast ein bisschen vor wie ein Schulreisli.



2. Tag – Wo ist der Wecker?

Leicht in Eile (oder eher: rennend) verlasse ich um 6.36 Uhr meine Wohnung, um zwei Minuten später in den überpünktlichen Bus zu steigen. Statt aufs Handy, blicke ich in die Runde. Spannend! Ich beobachte «gschaffige» Herren in Business-Outfits, bärtige Jungs mit Kopfhörern – und «Candy Crush»-zockende Teenager. Und dann passiert es: Mein Wecker geht ab! Die Zeit scheint still zu stehen, bis ich endlich mein Telefon in meiner Tasche gefunden habe. Nun bin ich auf einmal die Beobachtete – und froh, als ich etwas später meinen Arbeitsort in Honau erreiche.

3. Tag – Swipen, einsteigen, losfahren

Ich verlasse die Wohnung etwas früher als am Tag zuvor und prüfe zwei Mal, ob mein Wecker auch wirklich ausgeschaltet ist. Da ich heute Termine in Zürich und Langenthal und damit ausserhalb der Passepartout-Zone wahrnehmen muss, starte ich am Bahnhof Luzern die Ticket-App Fairtiq. Der Slogan, wonach es sich bei der App um «die einfachste Fahrkarte der Schweiz» handeln soll, hat schon was. Swipen, einsteigen, losfahren. ÖV ist tatsächlich angenehm unkompliziert.

4. bis 7. Tag – Schon fast eine Profi-Pendlerin

Es heisst, der Mensch sei ein Gewohnheitstier. Kann ich bestätigen. Schon nach wenigen Tagen fühle ich mich im ÖV wohl und sicher. Ich freue mich über den Sonnenaufgang über dem Rootsee und nicke bekannten Gesichtern zu. Ich amüsiere mich, wenn Menschen neben mir ihr Frühstück ausbreiten – und stelle mir vor, wo die Dame mit dem Topf voller «Primeli» wohl hingeht. Ich schätze es, nicht im Stau zu stehen und beim Blick aus dem Fenster meinen Gedanken freien Lauf lassen zu können. Kurz: Pendeln ist gar nicht so übel.

Das Fazit

Geschafft! Das ÖV-Experiment ist vorbei – und ich habe wider aller Befürchtungen keinen einzigen beruflichen oder privaten Termin verpasst. In den vergangenen Tagen habe ich den ÖV kennen- und schätzen gelernt. Und ich weiss nun, dass man in der Zentralschweiz auch ohne Auto fast jedes Ziel zu jeder Zeit unkompliziert, pünktlich und günstig erreichen kann. Vorausgesetzt, man steigt in den richtigen Bus – aber diese Geschichte erzähle ich lieber ein anderes Mal.