Selbstfahrende Busse in Deutschland

10. März 2017 13:56; Akt: 12.03.2017 15:07 Print

«‹Olli› muss noch viel lernen»

von Noah Knüsel - Was in der Schweiz gerade erst in den Startlöchern steht, ist in Deutschland schon einen Schritt weiter: Autonome Busse sind bereits in verschiedenen Städten im Test.

20 Minuten war bei der Präsentation der selbstfahrenden Busse in Zug dabei. (Video: gwa)
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In Zug sollen ab Sommer zwei Jahre lang selbstfahrende Busse getestet werden. Produziert werden sie in Berlin vom Kleinunternehmen Local Motors. In Deutschland ist man schon einen Schritt weiter: In Berlin befinden sich autonom fahrende Busse der gleichen Firma bereits seit November 2016 in der Testphase. Bisher allerdings erst im halb öffentlichen Raum, nämlich auf dem Campus der Technischen Universität. Und auch in anderen Gegenden des Landes, wie etwa Leipzig oder Bayern, ist das Modell im Test. Jedoch: «Es ist sehr schwierig, für autonome Fahrzeuge Bewilligungen für den regulären Strassenverkehr zu bekommen», erklärt Peter Neumann, Journalist bei der «Berliner Zeitung». Die Bewilligungspraxis sei sehr restriktiv.

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Neumann konnte bei einer der ersten Fahrten mit dem selbstfahrenden Bus in Berlin dabei sein, der in Deutschland «Olli» genannt wird. Er meint: «‹Olli› muss noch viel lernen.» Er kenne zwar das Strassenlayout des Campusgeländes, unvorhergesehene Situationen hätten ihn aber immer wieder vor Probleme gestellt. Beispielsweise seien Strassenschwellen von seinen Sensoren nicht richtig erkannt worden. «Mit anderen Worten: Es gab jeweils eine Vollbremsung.» Dieses Problem sei aber mittlerweile gelöst worden.

Unfälle habe es aber seines Wissens noch keine gegeben. «Das ist ja schlussendlich auch der Sinn von autonomen Fahrzeugen: den menschlichen Faktor auszuschliessen und so Unfälle zu verhindern», so der Journalist. Das Ziel sei, dass «Olli» dereinst das Campusareal verlassen und Gäste auch zum rund 1,5 Kilometer entfernten Bahnhof Südkreuz befördern könnte. Die Deutsche Bahn habe dieses Projekt unter ihre Fittiche genommen.

Nach Neumanns Eindruck hält sich die Skepsis gegenüber der neuen Technologie in engen Grenzen. Das habe aber wohl damit zu tun, dass «Olli» in einem sehr innovationsfreundlichen Umfeld getestet werde. Und: «Sein freundliches, geradezu niedliches Design dürfte auch einen Einfluss haben.» Das ist seiner Meinung nach wohl auch Teil des Spiels.

Gewerkschaften haben Thema noch nicht auf dem Schirm

Pro-Bahn-Präsident Kurt Schreiber ortete jedoch gegenüber 20 Minuten ein grosses Problem: «Hat ein Zug Verspätung, fahren sie ohne Rücksicht auf Verluste ab.» Da der denkende Chauffeur wegfalle, bleibe die Vernunft auf der Strecke. Und der Schweizerische Eisenbahn- und Verkehrspersonal-Verband kritisierte, dass führerlose Shuttles Stellen kosten. Derartige Bedenken gibt es laut Neumann bislang in Deutschland nicht: «Das hängt wohl auch damit zusammen, dass diese Busse nur in sehr kleinem Rahmen getestet werden.» Die Gewerkschaften hätten das Thema schlicht noch nicht auf dem Schirm.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Innerschweizer am 10.03.2017 16:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Seltsam

    ".....ist in Deutschland schon einen Schritt weiter" Vor kurzem habe ich im Deutschen TV einen Bericht über genau dieses Fahrzeug gesehen, dort wurde gesagt das die Schweiz schon weiter ist, da in Deutschland die Fahrzeuge nur auf Privatem Grund getestet werden.

  • Rapphy am 10.03.2017 14:13 Report Diesen Beitrag melden

    Da steige ich nicht ein!

    Habe mich an die ruppige Fahrweise der Buschauffere gewöhnt!

  • Kein Automat am 11.03.2017 08:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grundeinkommen finanzieren

    Es ist längst an der Zeit für Robotter und Computer für jede eingesparte Stelle eine "Grundeinkommenssteuer" zu erheben um die Menschen zu bezahlen die keinen Job mehr haben!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Doni am 11.03.2017 15:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Heute noch schwer zu glauben

    Baustellen, Umleitungen, drängelnde Autofahrer, Müll auf der Fahrbahn... Ich bin gespannt, wie sich diese Technologie entwickeln wird.

  • Otti am 11.03.2017 15:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Olli macht uns faul!

    Da bin ich doch viel eher für ein Velo oder E-Bike. Tut man wenigstens noch etwas für die Beinchen. Zugegeben, zum Flughafen oder Hotel mit schweren Koffern, da macht vielleicht so ein Olli noch Sinn. Ansonsten wäre ich viel eher für mehr Fahrradwege und Fussgängerzonen in den Stätten. Der Mensch soll etwas für seinen Körper tun, statt ständig am Compi, Tablets, Handy zu hängen!

  • Sandra am 11.03.2017 13:44 Report Diesen Beitrag melden

    Ohne chauffeur, nein danke!

    Ich werde niemals in ein Auto oder Bus steigen, ohne dass ein Chauffeur am Steuer sitzt.

    • Berner am 11.03.2017 15:02 Report Diesen Beitrag melden

      Ohne Chauffeur

      Solltest Du noch nicht Rentnerin sein, dann wirst Du dich in diesem Fall wohl bald einmal darauf einstellen müssen nur noch zu Fuss oder mit dem Velo unterwegs zu sein....

    einklappen einklappen
  • romy christen am 11.03.2017 12:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Olli

    wo soll das hinführen? wenn's 1. April wäre...nein leider nicht!

  • Fritz am 11.03.2017 11:52 Report Diesen Beitrag melden

    Gute Sachen dauern länger

    Wenn die Schweiz etwas macht,dann macht sie es perfekt