Wunderknabe

26. Juni 2013 21:09; Akt: 27.06.2013 14:48 Print

«Als Student brauchts mehr als bloss Intelligenz»

von Deborah Sutter - Dass der 9-jährige Maximilian nur als Hörer an der ETH zugelassen wird, ist laut Jugendpsychologe Allan Guggenbühl gut so. Denn: Der Junge soll auch Kind sein dürfen.

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Der neunjährige Maximilian in einem Schulzimmer des Gymnasiums Immensee: Als Hörer darf er ab Oktober auch Vorlesungen an der ETH Zürich besuchen. (Bild: Remo Naegeli)

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Das neunjährige Mathe-Genie aus der Innerschweiz muss sich noch etwas gedulden, bevor es sein Studium an der ETH starten kann: «Wir haben Maximilian vorgeschlagen, sich als Hörer einzutragen», sagt ETH-Sprecher Roman Klingler.

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Heute Mittwoch haben sich Maximilian, seine Eltern sowie eine Delegation der ETH zu einem Gespräch getroffen. «Wir wollten den Knaben persönlich kennenlernen und erfahren, was seine Motivation, seine Wünsche und Vorstellungen sind», so Klingler. Denn der Wunsch zu studieren müsse dem Willen des Jungen entsprechen und dürfe nicht «ferngesteuert» sein. Als Hörer, also als freiwilliger Gast an der Hochschule, könne Maximilian nicht nur in Mathematik-Vorlesungen sitzen, sondern auch an Übungen teilnehmen und sich schon etwas in den ETH-Alltag eingewöhnen. Denn ein ETH-Studium sei ein «Fulltime-Job», was sich mit dem straffen Stundenplan des ersten Jahres am Langzeitgymnasium Immensee nicht vereinbaren lasse. Ein weiteres Angebot seien die Studienwochen an der ETH, die sich an Gymnasiasten richten. Zudem gebe es auch ausserhalb der ETH Möglichkeiten, Maximilians Talent zu fördern, so Klingler. Der Entscheid, sich als Hörer an der ETH einzuschreiben, liege selbstverständlich bei Maximilian und seinen Eltern.

«Auch superintelligente Kinder brauchen eine Kindheit»

Für den Jugendpsychologen Allan Guggenbühl ist der gefällte Entscheid wohl die beste Lösung, auch im Interesse des Kindes. «Wenn hochbegabte Kinder nur noch in Spezialeinrichtungen verkehren und keinen Kontakt mehr zu Gleichaltrigen haben, kann das deren Entwicklung schaden.» Max müsse die Möglichkeit haben, sich wieder zurückzuziehen, wenn es ihm an der ETH nicht gefalle. «Denn auch superintelligente Kinder brauchen eine Kindheit, die ihnen nicht verwehrt werden soll», so Guggenbühl. «Zudem braucht es als Student nicht nur Intelligenz, sondern auch andere Fähigkeiten, wie etwa Integrationsvermögen oder soziale Kompetenzen.»

Wird Max jüngster Student aller Zeiten?

Maximilian ist ein aussergewöhnlicher Fall, bestätigt Klingler, und fügt an: «Wir würden uns natürlich freuen, ihn eines Tages als Student bei uns begrüssen zu dürfen.»

Auch wenn Maximilian noch nicht «richtig» an der ETH anfangen kann, könnte er dennoch der bisher jüngste Student werden: «Wenn Maximilian in diesem Tempo weitermacht, wird er mit 14 die Matura im Sack haben und mit dem regulären Studium beginnen können – der jüngste Student bisher war 15», so Klingler. An der ETH in Lausanne studiert seit kurzem sogar ein noch jüngeres Mädchen: «Die Studentin ist 12 Jahre alt und erfüllt alle Aufnahme-Kriterien. Zusammen mit den Eltern schauen wir, dass das Mädchen richtig begleitet wird», sagt Sprecher Daniel Chuard.

Mathe-Matur war «kleine Denkübung»

Ob Maximilian und seine Eltern – der Vater ist pensionierter Mathematik-Lehrer – auf den von der ETH vorgeschlagenen Deal eingehen werden, ist nicht klar. In der «Neuen Luzerner Zeitung» erzählte der Knirps, wie er überhaupt dazu kam, die Mathe-Matur mitzuschreiben: «Als kleine Denkübung – ich hatte aber Mühe, mich so lange zu konzentrieren.» Deshalb brachte er ein «Donald-Duck-Heft» mit zur Auflockerung zwischendurch.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Driton Komani am 27.06.2013 11:14 Report Diesen Beitrag melden

    Rechnungen an der Tafel

    Die Rechnunge an der Wandtafel sind falsch. Das Wunderkind (falls die Rechnungen von ihm sind) kann weder ableiten noch integrieren. Und richtig Grenzwerte berechnen kann es auch nicht.

  • Anonymous am 28.06.2013 22:54 Report Diesen Beitrag melden

    Fehler an Tafel

    Nur der Vollständigkeit halber: Was hintendran an der Tafel steht, wurde wohl nur schnell, schnell hingekritzelt um ein gutes Foto zu machen und ist Unsinn. Es handelt sich um ein uneigentliches Integral, das nicht existiert (denn es strebt gegen unendlich). Die Rechnung ist also falsch, vor allem - wie schon erwähnt wurde - ist das unbestimmte Integral der Funktion x -> ln(x) nicht x -> 1/x, sondern die Funktion x -> x*ln(x) - x.

  • ETH-Studentin am 26.06.2013 23:01 Report Diesen Beitrag melden

    Unser Schulsystem...

    Das Kind ist nicht speziell hochbegabt, das "Mathe-Flair" wurde ihm nun mal auf die Wiege gelegt (kein Wunder, wenn der Vater Mathi-Professor ist) Dieses Intelligenzniveau zu erreichen wäre jedem Kind möglich, wenn unser Schulsystem nur nicht davon ausgehen würde, dass Kinder dumm sind und so ihre Lernfreude abstumpfen, bzw. auslöschen würde...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Anonymous am 28.06.2013 22:54 Report Diesen Beitrag melden

    Fehler an Tafel

    Nur der Vollständigkeit halber: Was hintendran an der Tafel steht, wurde wohl nur schnell, schnell hingekritzelt um ein gutes Foto zu machen und ist Unsinn. Es handelt sich um ein uneigentliches Integral, das nicht existiert (denn es strebt gegen unendlich). Die Rechnung ist also falsch, vor allem - wie schon erwähnt wurde - ist das unbestimmte Integral der Funktion x -> ln(x) nicht x -> 1/x, sondern die Funktion x -> x*ln(x) - x.

  • Lou S. Renggli am 28.06.2013 22:52 Report Diesen Beitrag melden

    warum nicht einmal umgekehrt studieren?

    Warum nicht einmal umgekehrt studieren gehen, und zuerst seinen Titel schreiben, um zum Studium zugelassen zu werden...? Es ist das erste Mal, dass ich höre, dass es möglich ist, gleich alle Klassen eines Gymnasiums zu überspringen! Ich selbst stamme übrigens auch aus dem Kanton Luzern...und schreibe momentan gerade an einer unglaublich aufwendigen Arbeit über tropische Regenwälder, die schon 68 Seiten umfasst! Ich wette Maximilian kann noch viel mehr! Meine Idee es sollte möglich sein, eine Arbeit über ein Fachgebiet zu schreiben, um dafür zum Hauptfach zugelassen zu werden!

  • Schokokuchen 13 am 28.06.2013 14:04 Report Diesen Beitrag melden

    Richtiger Entscheid

    Finde ich absolut richtig, dass der Junge nicht aufgenommen wird! Kein Zweifel, der Junge hat Talent und muss gefördert werden, aber mit neun Jahren muss und darf man doch noch Kind sein! Fördern ja, aber nicht so. Wie soll er sich denn sozial entwickeln, er muss doch auch eine Kindheit durchleben!

  • Ludwig am 28.06.2013 11:11 Report Diesen Beitrag melden

    Reife Studenten

    Ach ja, die Studenten sind ja auch alle wahnsinnig reif, wenn sie das erste Semester antreten. Ich staune immer wieder....

  • Friso Stutz am 28.06.2013 07:12 Report Diesen Beitrag melden

    Ja und?

    Kann er seien Namen auch schreiben?