Ex-Meth-Labor in Oberägeri

13. August 2019 18:13; Akt: 13.08.2019 20:52 Print

«Breaking Bad»-Wohnung wird zwangsversteigert

In einem selbstgemachten Drogenlabor hatte ein Banker Crystal Meth hergestellt. Die exquisite Wohnung mit 7,5 Zimmern und Top-Seesicht kommt jetzt unter den Hammer.

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2'425'000 Franken – so hoch wird der Wert einer 7,5-Zimmer-Maisonettewohnung in der Erlimatt in Oberägeri geschätzt, die das Betreibungsamt Ägerital Ende Monat versteigern wird. Speziell daran: In einer der beiden Wohnungen wurde einst Crystal Meth hergestellt, berichtet Zentralplus.

Wohnung bietet viel Platz und Aussicht

Das Bijou mit rund 270 Quadratmetern Wohnfläche besteht aus zwei verbundenen Wohnungen, die sich im Erd- und im Untergeschoss des Gebäudes befinden. Neben einer offenen Küche und grosszügigen Zimmern gehören ein Gartensitzplatz, Balkone, ein Keller, ein Hobbyraum und zwei Tiefgaragenplätze dazu. Nicht zu vergessen: Die Wohnung bietet eine wunderschöne Aussicht auf den Ägerisee und die Alpen.

Besitzer ist ein 42-jähriger Investmentbanker aus Norwegen: Der Schuldner hatte in einer Wohnung in einem selbstgebastelten Drogenlabor herumexperimentiert – und dabei zu Testzwecken auch 40 Gramm Crystal Meth hergestellt.

Crystal Meth und 2CB

Auf einer Party hatte er selbstgemachtes Crystal Meth zum Verkauf angeboten. Hergestellt hatte er die Drogen wegen Geldproblemen, wie er selbst angegeben hatte. Zudem stellte die Polizei bei ihm auch eine grosse Menge 2CB sicher, ein synthetisch hergestelltes Meskalinderivat, das wie Crystal Meth zur Gruppe der Phenylethylamine gehört.

Im Mai wurde der Mann vom Zuger Strafgericht zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten verurteilt. Hinzu kam eine Geldstrafe. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig: Der Norweger meldete Berufung an. Der Banker hatte zudem eine thailändische Komplizin, die ihm beim Aufbau des Labors geholfen hatte. Auch für sie gab es 18 Monate bedingt und eine Geldstrafe. Beide wurden zudem für mehrere Jahre des Landes verwiesen.

Labor wegen vermeintlichen Einbruchs entdeckt

Vor seiner Verurteilung hatte der Norweger noch beteuert, dass er keine Absicht hatte, Drogen zu verkaufen. Er habe mit Phenylethylaminen experimentiert, um herauszufinden, welche Reaktionen mit diesen Stoffen möglich sind und welche Modifikationen es davon gibt.

Auf das Drogenlabor gestossen war die Polizei durch Zufall: Ein Bürger hatte der Polizei an einem Abend gemeldet, dass in besagter Wohnung im Dunkeln jemand mit einer Taschenlampe hantiere. Die ausgerückte Polizei stellte fest, dass kein Einbrecher in der Wohnung war. Es handelte sich um den Norweger. Die Taschenlampe benutzte er, weil der Strom ausgefallen war. Und als die Polizei die Wohnung betrat, entdeckte sie schliesslich das Drogenlabor.

Investitionen von 100'000 Franken nötig

Wer die Wohnung ersteigert, muss jedoch noch einige Arbeiten ausführen: «An der Besichtigung wurde festgestellt, dass die Wohnung nicht fachgerecht unterhalten bzw. beschädigt wurde», heisst es in einem detaillierten Wohnungsbeschrieb. So habe man «diverse Beschädigungen des Parketts, der Elektro- und Lüftungsinstallationen, der Sanitärianstallationen» und weitere Schäden entdeckt. Laut Liegenschaftsschätzer müssten gegen 100'000 Franken investiert werden.

(gwa)