Zirkuspfarrer Heller

28. Juli 2014 06:14; Akt: 28.07.2014 06:14 Print

«Clown Gottes» geht in Pension

Pfarrer Ernst Heller war 15 Jahre lang Zirkuspfarrer und Seelsorger für Schausteller und Fahrende. Am Sonntag hielt er seinen letzten Gottesdienst im Circus Knie in Luzern ab.

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Das Zelt des Circus Knie auf der Allmend war am Sonntagmorgen so voll wie bei einer Premiere. Einige Personen mussten sogar draussen bleiben. Sie alle waren gekommen, um sich von einem der berühmtesten Schweizer Pfarrer zu verabschieden: Der Luzerner Pfarrer Ernst Heller (67), der 1980 zum Priester geweiht wurde, gab nach 15 Jahren sein Amt als Zirkuspfarrer an Adrian Bolzern (35) ab.

«Der Zirkus möchte den Menschen Freude bringen, und Pfarrer Heller hat seine Seelsorger-Rolle grossartig wahrgenommen und den Menschen Freude gebracht», sagte der Weihbischof Martin Gächter während des fast zweistündigen Gottesdienstes.

Beliebter Pfarrer mit offenem Ohr

Nach dem Gottesdienst nahm sich Pfarrer Heller sehr viel Zeit für die Personen, die sich von ihm verabschieden wollten. Auf die Frage, was in den letzten 15 Jahren besondere Höhepunkte gewesen seien, antwortete er gegenüber 20 Minuten: «Highlights gibt es ganz viele, es ist schwierig, spezifische Ereignisse zu nennen. Es war immer wieder wunderbar, wie viel Freude mir entgegengebracht worden ist. Im Circus Knie habe ich viele Gottesdienste gehalten und es herrschte immer eine paradiesische Stimmung.»

Ein weiterer Höhepunkt seiner Karriere seien zudem die Audienzen bei Papst Johannes Paul II gewesen. Auch Papst Franzikus hat Heller schon empfangen: «Papst Franziskus' Augen haben gestrahlt, als ich von meinem Beruf erzählte», so Heller. Franziskus habe gesagt: «Zirkuspfarrer verbreiten die Frohbotschaft der Freude.»

Humor im Gottesdienst

Auch zur Familie Mack, die im Familienunternehmen den Europa Park in Rust (D) leitet, hatte Pfarrer Heller eine sehr gute Beziehung. Roland Mack reiste kurzfristig extra aus Deutschland an und richtete während des Gottesdienstes emotionale, aber auch humorvolle Worte an den Pfarrer: «Ernst hatte bei uns immer eine Suite. Das Bett ist nun jedoch abgezogen und steht für Adrian Bolzern bereit!» Mack weiss auch: «Ernst geht nicht gerne früh ins Bett.» Pfarrer Heller, der es verstand, den Gottesdienst immer wieder mit Witzen und Sprüchen aufzulockern, gestand, dass er gerne feiert. Am Ende des Gottesdienstes durfte auch eine musikalische Einlage mit der Klarinette nicht fehlen, wobei er von seiner Band «Heu-obe-n-abe» begleitet wurde.

Ernst Heller zeigte immer wieder, dass Kirche und Zirkus gut zusammen passen. Mittlerweile hat er den Übernamen «Clown Gottes» bekommen, denn wo Pfarrer Heller ist, wird gelacht. Auch der Vertreter der Schausteller, die aktiv von Heller betreut wurden, sagte: «Pfarrer Heller bringt immer einen grossen Wagen voller Freude mit.»

(msa)