Luzerner Ampeln

19. Juni 2018 05:49; Akt: 19.06.2018 05:49 Print

Fussgänger sollen weniger lang warten müssen

In Luzern werden mehr Grünphasen und weniger Wartezeiten an Fussgängerampeln gefordert. Experten unterstützen die Idee, sind aber auch skeptisch.

Warten an der Ampel: 20 Minuten machte einen Selbsttest. (Video: TK)
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«50 Sekunden als maximale Wartezeit an sämtlichen Fussgängerampeln» – dies fordert die SP/Juso-Fraktion per Vorstoss im Luzerner Stadtparlament vom Stadrat. «Die Ampel am Fussgängerstreifen will und will nicht grün werden – manchmal sogar, wenn gar kein Verkehr rollt», schreiben Mario Stübi und Yannick Gauch.

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Müssen Fussgänger an Ampeln in der Stadt Luzern zu lang warten?

Luzern bei Fussverkehrs-Tests auf letztem Platz

Im Postulat verweisen sie auf einen Test, den die Verkehrsorganisation Umverkehr 2016 durchgeführt hatte. Darin nahm sie acht Städte unter die Lupe – Basel, Bern, Biel, St. Gallen, Thun, Winterthur, Zürich und Luzern. Die Stadt Luzern belegte bei der Fussgängerfreundlichkeit den letzten Platz.

Fussgänger an Ampeln sollen weniger lang warten

«Insbesondere zwei getestete Querungen (Pilatusstrasse und Schweizerhofquai) mit Wartezeiten von über 60 Sekunden bezeichnen die Verfasser als ‹deutlich zu lang›», heisst es. Die Tests seien zwar nicht repräsentativ, aber doch fundiert.

Ein Test beim Schwanenplatz ergab, dass Fussgänger eine Minute und sechs Sekunden warten müssen, bis für sie Grün wird. Dann haben sie 14 Sekunden Zeit, die Strasse zu überqueren.

Dauergrün für Fussgänger

Ebenso wird verwiesen auf die Schweizerische Vereinigung der Verkehrsingenieure und Verkehrsexperten (SVI), die ebenfalls eine Anpassung der Ampelzyklen fordere. Diese gehe gar so weit, dass sie für gewisse Ampeln «Dauergrün» empfiehlt. Das heisst, dass die Fussgängerampel grundsätzlich auf Grün gestellt ist. Komme ein Auto vorbei, würde sie umgestellt. Ein solcher Regimewechsel soll ebenfalls geprüft werden – dies aber nur auf Strassen, wo es viele Fussgänger und nur wenig motorisierten Individualverkehr (MIV) hat.

Durch einen Regimewechsel könne auch verhindert werden, das Fussgänger «aus Ärger leichtsinnig bei Rot die Strasse überqueren, was heute leider regelmässig zu beobachten ist», so das Argument der Grossstadträte.

Viele Ampeln unterbinden Fussgängerfluss

Verkehrssoziologe Timo Ohnmacht von der Hochschule Luzern findet die Forderung gerechtfertigt. So sei die Umlaufzeit – die Dauer, bis alle Ampelphasen einmal durch sind – in Luzern mit 120 Sekunden im schweizweiten Vergleich am längsten. «Das klingt nach wenig, aber in der Stadt gibt es viele Ampeln. Dadurch ergibt sich für Fussgänger ein Stop-and-go-Modus, was den Fluss unterbindet.»

Dauergrün für Fussgänger könne eine Option sein: «Aber sicher nicht auf den Hauptverkehrsachsen.» Ohnmacht fände auch längere Grünphasen sinnvoll: «Insbesondere für ältere Menschen oder Touristengruppen sind kurze Grünphasen mühsam.»

Mit kürzeren Wartezeiten würden auch weniger Leute bei Rot über die Strasse huschen. Routinierte Fussgänger wissen laut Ohnmacht, wann die Phasen wechseln und würden diese Chancen nutzen. «Die Leute nehmen sich diese Freiheit heraus, auch weil es für viele Fussgänger offensichtlich ist, dass sie gegenüber dem MIV benachteiligt werden.» Sie seien aber bereit zu warten, wenn die Ampelphasen angepasst würden.

«Bin nicht sicher, ob das nötig ist»

Alexander Stadelmann von der TCS-Sektion Waldstätte ist skeptisch: «Es müsste kritisch hinterfragt werden, ob mehr Grünphasen für Fussgänger sinnvoll sind», sagt er. Denn dadurch müssten auch andere Verkehrsteilnehmer wie ÖV-Benutzer und Velofahrer viel länger warten. «Es ist fraglich, ob dies der Weisheit letzter Schluss ist.»

Bezüglich dauergünen Ampeln sagt Stadelmann: «Ich kann die Idee nachvollziehen, bin aber der Meinung, dass das nicht nötig ist.» Auf Strassen mit wenig Verkehr habe es meist keine Ampeln. «Die Leute auf den Fussgängerstreifen haben dort sowieso Vortritt.» Am wichtigsten sie es, «einen Mix zu finden, bei dem niemand benachteiligt wird – egal, ob ÖV, MIV oder Langsamverkehr».

(gwa)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Martin am 19.06.2018 06:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    TCS

    Als ob Velofahrer sich um Ampeln kümmern würden. Bei denen ist immer grün und Trottoirs ein Veloweg.

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  • Auu am 19.06.2018 06:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Velofahrer

    Und wer welcher Velofahrer bitteschön hält sich an Verkehrsregeln in der Stadt Luzern, Herr Alexander Stadelmann von der TCS-Sektion Waldstätte? somit ist ja eigentlich egal wie lange die Ampel auf Rot ist für den MIV, ÖV oder andere sich auf der Strasse bewegnde Verkehrsteilnehmer.

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  • Reredor am 19.06.2018 06:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Intelligente Systeme

    Wie wäre es mit intelligenten ampeln? Bodensensoren für den MIV, Drücker bei den Fussgängerstreifen. So kann die Ampelanlage selbst entscheiden, wo eine Grünphase nötig ist. Leider wird diesem System zu wenig beachtung geschenkt m. M. n.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ein Busfahrer am 19.06.2018 13:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Probleme

    Gott, diese Probleme. Ich glaube die Stadt Luzern hatVerkehrs technisch andere Probleme.

  • Karl Schmid am 19.06.2018 12:55 Report Diesen Beitrag melden

    Niemand benachteiligt?

    Fussgänger warten doppelt so lang wie Autos, obwohl 3x so viele Personen.

  • Fussgänger am 19.06.2018 11:37 Report Diesen Beitrag melden

    Also ich finde es nicht schlimm

    Man muss aber bedenken, dass der motorisierte Verkehr nacheinander die Ampel überquert, und eine kürzere Ampel Zeit dass Verkehrschaos noch grösser macht, als es sonst schon ist.

  • Marti W. am 19.06.2018 10:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rot- Orange- Grün

    Länger warten für mich als Fussgänger wäre nicht das Schlimmste. Hingegen der schnelle Wechsel von Grün auf Rot, wenn man die andere Strassenseite noch nicht erreicht hat, empfinde ich schlimmer. Ich überquere den Fussgängerstreifen stets zügig ohne Handy in der Hand. Für Fussgänger mit stierem Blick aufs Smartphone nützt die Ampel praktisch nicht mehr. Velofahrer die keine Regel kennen und einfach quer über den Fussgängerstreifen zwischen den Fussgängern hindurch losfahren fahren. Auch Autofahrer gibt es die vor Rotlicht fixiert aufs Handy schauen, dann beginnt die Huperei der hinteren Autofahrer. Diesen Kommentar schreibe ich zu Hause(ich bin pensioniert). Unterwegs zu Fuss oder mit ÖV beobachte ich gerne das Geschehen um mich herum. Es gibt viel zu sehen.

  • ZumBeispiel am 19.06.2018 09:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schwanenplatz

    Wie passend, dass auf dem Bild ein Fussgängerstreifen am Schwanenplatz gezeigt wird. Da gehen auch Touristen über die Strasse,bin sicher, man findet schnellstens eine Lösung. Wir LuzernerInnen haben ja Zeit und alle schon ne Uhr.