Fast-Kollision

31. Oktober 2018 05:43; Akt: 31.10.2018 08:09 Print

«Das ist die Horrorvision für einen Piloten»

Der Luzerner Fotograf Niklaus Wächter musste bei einem ruhigen Flug plötzlich einem unbekannten Objekt ausweichen. Erst auf den Videoaufnahmen erkannte er, was es war.

Niklaus Wächter fliegt über Konau, als er plötzlich einem Objekt ausweichen muss. (Video: Niklaus Wächter)
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Anfangs sei es ein ruhiger Flug von Beromünster in Richtung Zürichsee gewesen. Turbulenzen habe es fast keine gegeben. «Der Flug war eigentlich ruhig, nur etwas neblig», sagt der Fotograf und Pilot Niklaus Wächter aus Adligenswil.

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Er flog gerade in rund 500 Metern Höhe über Knonau, als er plötzlich ein unbekanntes Objekt in der Fluglinie bemerkte: «Direkt vor uns war etwas aufgetaucht. Es war rot und glänzte metallisch.» Wächter reagierte rasch: «Ich habe sofort den Steuerknüppel raufgezogen.»

Objekt erst auf Video erkennbar

Direkt danach sei das Objekt unter dem Flugzeug verschwunden. «Es war nur eine Sekunde zu sehen.» Noch nie sei er mit einem Objekt in dieser Grösse konfrontiert gewesen, so Wächter. «Wir waren zu zweit im Cockpit und beide haben das Objekt zuvor nicht gesehen oder erkannt, was es war.»

Per Zufall hatte der Fotograf eine Kamera am T-Leitwerk des Flugzeuges montiert. So konnte er nach dem Flug das Videomaterial auswerten. Erst glaubte Wächter an eine Drohne – doch auf den Videoaufnahmen war schliesslich ein Ballon in Form eines Vogelkopfs zu erkennen.

Horrorvision für den Piloten

«Es war eine Schrecksekunde. Wenn plötzlich etwas direkt vor dem Flugzeug auftaucht, ist es die Horrorvision für den Piloten.» Normale Ballone seien kein Problem für Wächter. «Ich bin im Umgang damit abgehärtet.» Schliesslich fliege er immer wieder in Bodennähe über Feste und erstelle viele Luftaufnahmen. Da sei er schon ein paar Mal in einen Schwarm von Ballonen geraten.

Diese seien aber rund und würden durch den Luftstrom des Flugzeuges weggedrängt. Der Ballon in Vogelform sei aber nicht prall gewesen. «Er war ungefähr ein Kubikmeter gross. Es kann auch Draht darin verbaut sein.» Aussergewöhnlich sei, dass er plötzlich auftauchte. «Normale Ballone sieht man schon aus weiter Entfernung.»

«Alles hätte passieren können»

Woher der Ballon stammt, ist unbekannt. «In Knonau gab es kein Fest, dafür aber eine Ballonfabrik.» Die Produkte dieser Firma seien aber kleine, normale Ballone. «Vielleicht ist ein Prototyp weggeflogen oder es war eine Werbung, die sich selbständig gemacht hat.»

In der Luftfahrt könne fast nichts kalkuliert werden. «Es hätte alles passieren können. Der Ballon könnte sich zusammenfalten und am Flugzeug kleben bleiben oder sich im Propeller verwickeln.» Das hätte im schlimmsten Fall einen Motorenausfall bedeuten können. «Wenn der Ballon in eine äussere Ecke des Höhenleitwerks geflogen wäre, hätte er dieses wegreissen können. Dann gibt es keine Überlebenschancen», sinniert Wächter.

Doch im Nachhinein sei er froh über den Zwischenfall. «Es ist ein guter Test für die Reflexe. So weiss ich, dass ich noch fliegen kann.»

Persönliche Verantwortung der Piloten

Die Anzahl Segelflieger oder Drohnen, die sich im Luftraum befinden, würde jeweils nicht aufgezeichnet, sagt Vladi Barrosa, Leiter Medienstelle Skyguide. «Das befindet sich alles im unkontrollierten Luftraum. Dort fliegen auch die Ballone.» Es liege in der persönlichen Verantwortung der Piloten, Ausschau nach Objekten zu halten. «Es ist ein Sehen und Gesehenwerden.»


(tst)