Thriller

17. Januar 2015 08:39; Akt: 17.01.2015 08:39 Print

«Der Bozzetto soll seine Ruhe im Vatikan finden»

von Daniela Gigor - Nun greift Hermann A. Beyeler auch noch zur Feder: Der Thriller «Bozzetto» soll nicht nur fiktiv sein und sorgt darum umso mehr für Gänsehaut.

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Der Luzerner Immobilienunternehmer, Millionär, Kunstsammler und Mäzen Hermann A. Beyeler ist unter die Autoren gegangen. Gemeinsam mit dem österreichischen Juristen und freien Schriftsteller Gerd J. Schneeweis hat er den 600-seitigen Thriller «Bozzetto» auf den Markt gebracht.

Im Roman geht es um die dunkle Geschichte und das Verschwinden einer Entwurfsskizze, eines sogenannten Bozzettos von Michelangelos weltberühmtem Fresko des «Jüngsten Gerichts» in der Sixtinischen Kapelle im Vatikan. Überliefert ist, dass der Bozzetto in Form einer Holztafel während zwölf Jahren in den Archiven des Vatikans blieb, bis ihn ein Kardinal an die ehemalige Geliebte von Michelangelo verschenkte.

Von da an begann die Reise für den Bozzetto über die Jahrhunderte hinweg: Er wechselte immer wieder die Besitzer, bis er 1944 in Paris in die Hände der Nazis geriet. Diese wollten, wie alle anderen Besitzer zuvor, aus lauter Habgier die Kräfte und Mächte nutzen, die in der Holztafel stecken sollen. Glaubt man den Autoren, stürzte der Fluch des Bozzettos die jeweiligen Besitzer jedoch nur ins Unglück oder gar den Tod. Heute soll sich der Bozzetto in einem Zollfreilager in Zürich befinden.

Herr Beyeler, wie sind Sie darauf gekommen, den Thriller gemeinsam zu schreiben?
Hermann A. Beyeler: Weil man ein so komplexes und intensives Thema wahrscheinlich allein gar nicht bewältigen kann. Nachdem wir uns unsere gemeinsamen Wissensstände erzählt hatten, war klar, dass wir das nur gemeinsam bewältigen können. Also haben wir von Anfang an unsere Kapazitäten zusammengefügt und uns gemeinsam auf das Thema Bozzetto fokussiert.

Wie würden Sie den Anteil des Buches an Fiktion und Realität in Zahlen beurteilen?
Das möchte ich lieber nicht tun. Ich sage nur so viel: Der Anteil an Realität ist erheblich grösser, als man das gerne glauben würde. Die Wahrheit ist nämlich leider wirklich beängstigend. Was reine Fiktion ist, haben wir teilweise bewusst so übertrieben dargestellt, damit man sie ohnehin leicht erkennt. Dazwischen gibt es natürlich auch Grauzonen, bei denen Realität und Fiktion eng beieinander liegen. Und es gibt auch einiges, von dem wir wissen, dass es wahr ist, obwohl wir es möglicherweise nicht immer beweisen könnten.

Haben Sie den Bozzetto mit eigenen Augen im Zollfreilager in Zürich gesehen?
Ja, den haben wir beide gesehen. Gerd Schneeweis in den 80er Jahren in Basel und ich später in Zürich.

Ihr Ziel ist, dass der Bozzetto den Weg zurück in den Vatikan findet. Würde der Fluch der Holztafel dadurch ein Ende finden?
Ja, nur dort wird und kann er seine Ruhe finden. Ich bin sicher, dass es mir gelingen wird, den Bozzetto zurück in den Vatikan zu bringen.

Sie sind immer wieder im Vatikan zu Gast. Wurden Ihnen für die Recherchen des Buches alte Überlieferungen zur Verfügung gestellt?
Ja, der Vatikan hat uns sozusagen Tür und Tor geöffnet. Das war alles sehr beeindruckend für uns.

Ist geplant, den Inhalt des Buches zu verfilmen?
Das ist ein Ziel, das wir verfolgen. Aber auch da stehen wir noch ganz am Anfang. Möglicherweise ist der Stoff aber für eine Verfilmung zu komplex und durch Kürzungen würde er nicht mehr das sein, was er einmal war. Es gab bereits auf der Buchmesse eine Anfrage, ob wir uns den Stoff als Inhalt einer mehrteiligen TV- Serie vorstellen könnten. Darauf könnte es möglicherweise hinauslaufen. Aber weiter will ich darüber jetzt nicht spekulieren. Es kommt so, wie es kommt. Hauptsache, das Interesse ist da.