Lawinen-Opfer

12. April 2019 11:17; Akt: 12.04.2019 11:54 Print

«Der Tod war näher als das Leben»

Karl Mattli wurde am Dienstag von einer Lawine begraben. 90 Minuten musste er ausharren. Wie durch ein Wunder überlebt er. Nun erzählt er von den Momenten um Leben und Tod.

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Am Dienstagmittag räumte Karl Mattli mit seinem Kollegen den Schnee auf Strasse in der Göscheneralp weg. Plötzlich donnert eine Nassschneelawine den Hang hinab. Mattli wird unter der Schneemasse begraben.

Im Interview mit «Tele 1» begibt sich der Schneeräumer an den Ort, wo er verschüttet wurde. «Ungefähr 2,5 Meter war ich unter der Lawine begraben. Dies 1,5 Stunden lang», sagt er gegenüber dem Fernsehsender.

Luftloch rette ihm das Leben

Mattli zeigt vor der Kamera, wie er in der Lawine gelegen hat: In kauernder Position, auf einem Bein sitzend, das andere angewinkelt. Seine rechte Hand hat über seinem Kopf im Schnee gesteckt.

Überlebt habe er wegen einem Luftloch, das er sich selbst im Schnee verschaffen hat: «Den Kopf konnte ich frei bewegen. Ich hab mir Luft verschafft, indem ich im entscheidenden Moment mit den Händen vor dem Kopf ein Hohlraum geschaffen habe.»

«Ist es das nun gewesen?»

«Die erste halbe Stunde war noch relativ gut, aber danach wurden die Kleider nass, es wurde kalt und die Gedanken sind langsam aber sicher heruntergefahren.» Bei den eineinhalb Stunden, die Mattli unter dem Schnee lag, hätte er eigentlich keine Überlebenschancen mehr gehabt.

«Ist es das nun gewesen?», fragt sich Mattli während dieser Zeit. Und er dachte sich: «Ich konnte keinen Abschied von meiner Familie nehmen.» Es sei stockdunkel gewesen, er konnte kaum mehr atmen. «Ich fühlte mich ziemlich hoffnungslos.»

Kollege dachte schon an das Schlimmste

In der Zwischenzeit hat sein Kollege Christian Näf, der knapp der Lawine entkam, die Rega alarmiert. Diese kam mit mehreren Lawinenhunde-Teams und einem Helikopter zum Unfallort.

«Es ging alles sehr schnell», sagt Näf. Es sei ihm nicht wie eineinhalb Stunden vorgekommen. «Es war aber schon genügend lang, denn ich wusste, dass jede Sekunde zählt. Ich habe mich schon gefragt, was ich ohne Karl mache.» Zum Glück sei alles doch noch gut gekommen. Trotzdem hat Näf bei den Erinnerungen mit den Tränen zu kämpfen.

«Der Tod war näher als das Leben»

Nach eineinhalb Stunden fand dann die Lawinenhündin Nora den verschütteten Karl Mattli. Erstaunlicherweise hat er sich nichts gebrochen. Stark unterkühlt wurde er ins Spital gebracht, konnte dieses aber sogar am selben Tag wieder verlassen. Einen Tag nach dem Vorfall arbeitet Mattli schon wieder.

Allerdings sei Schlafen momentan noch schwierig: «Der Tod war näher als das Leben. Aber dafür schätzt man dann das Leben umso mehr und geniesst es mehr.»

(tst)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Green Liberal am 12.04.2019 11:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke....

    an die Retter.

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  • Flokile am 12.04.2019 12:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lawinenopfer

    Einen guten Schutzengel gehabt. Gute Genesung!

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  • Rita Walker am 12.04.2019 12:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lawine

    wir wünschen Ihm und seinen Lieben das Allerbeste

Die neusten Leser-Kommentare

  • Pippi am 15.04.2019 07:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles Gute

    Ich wünsche Karl Mattli und Christian Näf alles gute und weiter hin viel Glück. Was würden auch die Bewöhner von der Göscheneralp, im Winter machen wenn die beiden nicht immer den vielen Schnee räumen würden. Da hätten zwei wirklich einen Orden verdient.

  • Dr No am 13.04.2019 08:33 Report Diesen Beitrag melden

    Eben nicht!

    Ein guter Schutzengel hätte VERHINDERT, dass er überhaupt in die Lawine gerät! Gute Genesung.

  • Luzernerin am 12.04.2019 15:54 Report Diesen Beitrag melden

    Danke an Karl Mattli und an alle Strassenarbeiter

    Die, wie man hier sehen konnte, oft unter Einsatz ihres Lebens die Schweizer Strassen bewirtschaften !! Alles Gute für Karl Mattli, Respekt für seine Überlebenskunst und auf dass er sich vollständig erholen möge. Vielleicht wäre ihm ein Sonderurlaub jetzt doch zu gönnen.

  • Strolchi am 12.04.2019 14:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dank an die Retter!

    Da läuft es mir eiskalt den Rücken runter! Da hatte der gute Mann aber mindestens 10 Schutzengel! Das ist wirklich tragisch, während der Arbeit verschüttet zu werden, dachte nie darüber nach, dass die Strassenarbeiter in Bergregionen solchen Gefahren ausgesetzt wären! Meistens trifft es ja Abenteuerlustige, die abseits der Pisten fahren müssen, und für diese empfinde ich nicht das geringste Mitleid!

  • MD am 12.04.2019 14:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke Nora

    Danke an die Hündin Nora und ihren Menschen, die sich beide mit viel Einsatz auf so eine Rettung vorbereitet haben!