Heroin-Coup

25. November 2014 09:52; Akt: 25.11.2014 14:19 Print

«Die Drogen hätten 10 Millionen eingebracht»

Die Zuger Polizei hat einen internationalen Drogenring ausgehoben. Das Heroin hatte einen Marktwert von 10 Millionen – doch der Markt wird sich bald erholen.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

In zweijähriger Ermittlungsarbeit konnten Polizei und Staatsanwaltschaft einen Drogenring ausheben, der von Zug aus weite Teile der Schweiz mit Heroin versorgt hatte. 15 Personen wurden verhaftet und 55 Kilogramm Heroin beschlagnahmt. Ins Rollen kam die Aktion «Hamburg» im Herbst 2012, als die Zuger Polizei Hinweise von der Hamburger Polizei bekam, dass im Kanton Zug eine kriminelle Organisation im grossen Stil Heroin schmuggelte und damit handelte. Daraufhin wurde eine Sonderkommission gegründet, die durch Spezialisten unterstützt wurde.

Laut Thomas Armbruster, Chef der Kriminalpolizei Zug, kam es etwa fünf Monate nach Ermittlungsbeginn zur ersten Verhaftung. Bei einem weiteren Zugriff im August 2013 in Cham wurden drei Türken verhaftet und 30 Kilogramm Heroin beschlagnahmt. Jedoch habe sich die Gruppierung nach dieser Aktion schnell reorganisiert.

«Der Kommissar Zufall hat hier keine Rolle gespielt!»

Oberstaatsanwalt Christoph Winkler betonte: «Der Kommissar Zufall hat hier keine Rolle gespielt!» Nach zwei Jahren Ermittlungsarbeit, 20 Hausdurchsuchungen, minutiös geplanten Observationen und technischen Überwachungen, konnte der Drogenring ausgehoben werden. «Die Drogen hätten auf der Strasse einen Erlös von rund 10 Millionen Franken einbringen können, da der qualitativ hochwertige Stoff auf gut 330 Kilogramm hätte gestreckt werden können», sagte Armbruster.

Oberstaatsanwalt Winkler sagte aber auch, es sei illusorisch zu glauben, dass mit der Aushebung des Drogenrings die Szene nachhaltig geschwächt worden sei. «Wir haben das Krebsgeschwür fürs Erste herausgeschnitten, aber wir müssen davon ausgehen, dass es sich bald regenerieren wird.» Nach der Beschlagnahmung der 30 Kilogramm Heroin im August 2013 habe es laut Armbruster zwar einen kurzzeitigen Engpass an Heroin in der Schweiz gegeben und die Preise seien etwas gestiegen. «Solche Engpässe sind aber meistens nur von kurzer Dauer.»

Beschuldigte waren nicht gut integriert

Die Aktion ist das grösste Betäubungsmittelverfahren, das jemals im Kanton Zug durchgeführt wurde. Die Verhafteten müssen laut Winkler mit Freiheitsstrafen von bis zu zehn Jahren rechnen. Bei den Festgenommenen handelt es sich um 14 Männer und eine Frau. Elf sind türkischer Nationalität, zwei Schweizer türkischer Herkunft und je eine Person aus dem Iran und aus den Niederlanden.

Die Mitglieder der Organisation waren laut Armbruster nicht gut integriert in der Schweiz: «Einige betreiben Kleingewerbe, die meisten sind jedoch arbeitslos.» Die Kuriere reisten jeweils zur Ferienzeit per Auto in die Türkei, bauten die wohl aus Afghanistan stammenden Drogen dort aufwendig in die Fahrzeuge ein und kehrten über Griechenland und Italien in die Schweiz zurück. Oft hätten sie zur Tarnung Frau und Kinder mitgenommen, die nichts vom Drogenschmuggel wussten.

Sechs Beschuldigte sind derzeit in Untersuchungshaft. Vier Männer befinden sich im vorzeitigen Strafvollzug. Drei Personen wurden inzwischen aus der Haft entlassen, ihre Urteile stehen noch aus. Ein Mann erhielt bereits eine Freiheitsstrafe, ein Verfahren wurde eingestellt. Die Ermittlungen dauern noch an.


(msa/sda)