Kleidervorschrift an Schule

22. August 2019 04:49; Akt: 22.08.2019 11:19 Print

«Der Po darf nicht sichtbar sein»

von Daniela Gigor - Zu Schulbeginn hat die Oberstufe in Gersau SZ eine neue Kleiderverordnung erlassen. Ein Vater regt sich auf. Die Schule verteidigt sich.

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Das Lehrerteam der Oberstufe Gersau hat am letzten Montag den Schülern eine Verordnung abgegeben, die festhält, welche Kleider im Schulhaus Sunnäfang nicht geduldet werden. Dort ist etwa zu lesen, dass kein zu grosser Ausschnitt erwünscht ist, da nicht zuviel Haut gezeigt werden darf.

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Ebenfalls ein No-Go sind durchsichtige Textilien, bauchfreie Oberteile, trainerähnliche Kleider oder Trainerhosen, Hotpants oder Miniröcke. «Der Po darf nicht sichtbar sein!», heisst es weiter. Auch die Schultern müssten verdeckt werden und Gersauer Jungs dürfen keine Tanktops und Mädchen keine Shirts mit Spaghettiträgern anziehen. Verboten sind zudem T-Shirts mit rassistischen, politischen, pornografischen oder menschenverachtenden Motiven.

«Schule greift in freie Persönlichkeitsrechte ein»

Dieses Schreiben bringt den Vater eines betroffenen Schülers auf die Palme: «Als ich den Flyer las, standen mir die Haare zu Berge.» Obwohl er mit vielen Punkten einverstanden sei, gehe es ihm zu weit, dass etwa zu kurze Hosen nicht erlaubt sind. Der Vater findet: «Mit diesen Vorschriften greift die Schule in die freien Persönlichkeitsrechte der Schüler und der Eltern ein und das darf sie nicht.»

Weiter kritisiert der Vater, dass Schüler, die sich nicht an die Ordnung halten, zum Umziehen nach Hause geschickt würden und die fehlende Zeit nachgeholt werden müsse. Den Schülern soll auch mündlich mitgeteilt worden sein, dass es Einträge im Zeugnis geben könne. Diese negativen Einträge könnten Folgen haben, fürchtet der Vater: «Damit wird den Schülern der Sprung ins Berufsleben zumindest erschwert.» Er fordert von der Schule bezüglich der Kleider statt Verbote «lieber gesunden Menschenverstand».

Früher gabs wegen Kleidern Probleme an der Schule

Esther Krummenacher, Schulleiterin der Bezirksschule Gersau sagt: «Mit Bedauern nehmen wir zur Kenntnis, dass seitens dieses Elternteils im Vorfeld keine Kontaktaufnahme mit uns stattgefunden hat. Wir pflegen gemäss unserem Leitbild eine offene, ehrliche und klare Kommunikation.» Ebenfalls sei die Schule auf die Einhaltung der in der Schulordnung klar definierten Dienstwege angewiesen.

«Die Kleiderordnung in der Oberstufe ist ein Produkt aus Problemen, die im Alltag entstanden sind und solche Vorschriften sind heute an den meisten öffentlichen Schulen üblich», so Krummenacher weiter. Sanktionen würden erst ergriffen, wenn das Gespräch zwischen Lehrern und Schülern nicht gefruchtet hätte.

Oberste Lehrerin des Landes verteidigt Gersauer Schule

Auch Dagmar Rösler, Zentralpräsidentin des Dachverbands der Schweizer Lehrerinnen und Lehrer, verteidigt das Vorgehen der Schule: «Es gibt auch in anderen Kantonen klare Regeln, wie sich Schüler zu kleiden haben. Gewisse Vorschriften sind nötig.» Ein Trainingsanzug gehöre zum Beispiel auf den Sportplatz, aber nicht ins Schulzimmer.

«Auch im Beruf wird passende Kleidung erwartet»

Laut Rösler wurden die ersten Vorschriften erstmals vor rund 15 Jahren erlassen, weil die Schüler mit unpassender Kleidung übertrieben hätten. Rösler erklärt den Sinn der Vorschriften: «Damit werden die Schüler auch auf den Start ins Berufsleben vorbereitet. Dort wird das Auftreten in passender Kleidung erwartet.»

Auch würde den Schulen oft vorgeworfen, dass sie zu wenig in Sachen Erziehung tun würden. Wenn die Schule dann etwas gegen Missstände unternimmt,werde dies in manchen Fällen als persönlicher Eingriff taxiert.

Und hier gibts die Kleidervorschriften der Bezirksschule Gersau SZ im Wortlaut zum Nachlesen:

In Zukunft werden wir bei den Kleidern auf folgende Punkte grossen Wert legen:

• Kein zu grosser Ausschnitt! → es darf nicht zu viel Haut gezeigt werden!

• Nichts Durchsichtiges!

• Keine bauchfreien Oberteile!

• Keine Trainerhosen → Trainerähnliche Kleidung!

• Keine Hotpants / Miniröcke → Mädchen

• Keine zu kurzen Hosen → Jungs

• Der Po darf nicht sichtbar sein!

• Keine Tanktops bei Jungs und keine Spaghettiträger bei Mädchen! Die Schultern sind verdeckt!

• Keine T-Shirts mit rassistischen, politischen, pornografischen und menschenverachtenden Motiven!

Wer sich nicht an diese Kleidervorschriften hält, wird von der Lehrperson nach Hause geschickt um sich umzuziehen. Die fehlende Zeit wird nachgeholt!

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Toni am 22.08.2019 07:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Richtig so

    Solche Eltern regen mich tödlich auf. Sie sollen sich nicht in jeden Mist einmischen. Wenn die Regeln so sind, dann ist es so, es wird seine Gründe haben. Es wäre besser wenn man die Kids so erzieht, dass solche Regeln gar nicht nötig wären.

    einklappen einklappen
  • Kusi am 22.08.2019 06:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Richtig so

    Super - die Kleiderordnung finde ich total in Ordnung. In vielen Ländern gibt es Schuluniformen. Sollte es bei uns auch geben.

  • Notti am 22.08.2019 07:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Inhalt

    Ich kann die Schulen verstehen. Es geht um das Wohl der Kinder. Je mehr Haut um so mehr Ablenkung. Je mehr Mode/ Marken auch eine grössere Angriffsfläche auf Sozialschichten. Die Schule steht für Bildung und nicht für Catwalk und Bodyshaming oder der gleichen. Jeder Beruf hat seine Kleiderordnung. Bei uns wurde diese auch angepasst auf das neue Schuljahr. Kindergarten bis Oberstufe!! Der Fokus soll auf den Inhalt gelegt werden, der Rest ist Freizeit.

Die neusten Leser-Kommentare

  • WaleLi am 22.08.2019 15:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nackte Arme

    Wenn die Prüderie so weiter geht, gelten schon bald nackte Arme als anstößig.

  • M.F. am 22.08.2019 14:22 Report Diesen Beitrag melden

    Schuluniformen=Problem gelöst

    Völlig richtig. Was unter dem Deckmantel der modischen Freiheit daherkommt ist oft bloss die gewollte Provokation. Ich danke dabei mehr an Labels als nackte Haut. Ich habe in Australien und Neuseeland gelebt, da haben alle Schuluniformen. Wünsche ich mir hier in der CH auch!

  • Sonja Grathwohl am 22.08.2019 13:47 Report Diesen Beitrag melden

    Kleiderordnung mangels Erziehung

    Die Eltern sollen sich selber an der Nase nehmen. Weil sie den Kindern nicht beibringen (oder es ihnen vorzeigen?!) was sich gehört und was nicht, braucht es solche Massnahmen. Zudem ist es die richtige Vorbereitung aufs Berufsleben! Dankt den Lehrern und der Schulbehörde für die Erziehungsmassnahmen und den Mehraufwand, statt zu reklamieren. Selber Mami von 21/25J.

  • derchristoph am 22.08.2019 13:44 Report Diesen Beitrag melden

    Damals vor 30 Jahren

    Ich habe vor 30 Jahren die Schule abgeschlossen und damals hat der Lehrer mit bequemen (langen) Sporthosen mit Tafel und Kreide motiviert Mathematik gelehrt. Heute in kapitalistischem Sozialismus alles undenkbar.

  • I/L am 22.08.2019 13:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Künstliches Problem

    Diese Regeln provozieren zum Ausloten der Grenzen und zum Überschreiten. Wahrscheinlich wird dadurch das Problem(-chen) nur größer als kleiner! Wer will schon Duckmäuser heranziehen?