Velounfall

29. Juli 2014 07:07; Akt: 29.07.2014 13:25 Print

«Die Ungewissheit macht uns zu schaffen»

von Marcel Habegger - Vor zwei Wochen starb ein Mann bei einer Kollision mit einem anderen Velofahrer. Jetzt spricht sein damaliger Begleiter – und ärgert sich über die Flucht des zweiten Unfallopfers.

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Auf diesem Radweg kam es zur tödlichen Kollision zwischen zwei Velofahrern. (Bild: 20 Minuten/Marcel Habegger)

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Seit Jahren haben sie zusammen Radtouren unternommen, nach einer tragischen Kollision mit einem anderen Velofahrer in Emmen muss Kurt Funk in Zukunft ohne seinen Freund auf Velotouren gehen. Der 80-Jährige verstarb zwei Tage nach dem Unfall im Spital.

Kurt Funk ist immer noch schockiert. «Dass so etwas auf einem völlig ungefährlichen Radweg passieren kann, ist für mich unerklärlich», erzählt Funk.

In Buchrain gestartet, über Rotkreuz bis Weggis fehlten den beiden nur noch vier Kilometer bis zu ihrem Ziel, als es zum Unfall kam. Kurt Funk hatte sein Velo gerade an einer Baustelle vorbeigeschoben und stieg wieder auf, als es 100 Meter vor ihm krachte. «Ich hörte einen Aufprall und einen Schrei», erinnert sich der 64-Jährige. Als Funk beim Unfallort angekommen war, sagte er dem anderen beteiligten Velofahrer, dass er unbedingt bis zum Eintreffen der Polizei und Sanität vor Ort bleiben müsse. «Er hatte nur eine Schürfwunde am Knie. Als ich mich abwendete, um die Sanität zu rufen, flüchtete er einfach», ärgert sich Funk.

Geflüchteter Velofahrer hat sich noch nicht gestellt

Nach knapp zwei Wochen hat sich der Flüchtige noch nicht bei der Polizei gemeldet. Kurt Funk appelliert an den Mann: «Er ist der Einzige, der weiss, was vorgefallen ist. Nur er kann mir und der Trauerfamilie Aufschluss über den Unfallhergang geben.» Es sei so schnell gegangen, dass er sich nur dunkel an den flüchtigen Velofahrer erinnern könne.

Gemäss der Luzerner Staatsanwaltschaft soll der gesuchte Velofahrer zwischen 20 und 30 Jahre alt sein, hat eine mittlere bis schlanke Statur und dunkles bis helleres, kurzes Haar. Er trug keinen Velohelm, ein dunkelblaues Kurzarm-T-Shirt und eine kurze Sporthose. Der Mann hatte einen Rucksack oder eine Tasche bei sich. Er fuhr ein schwarzes Mountainbike und sprach Schweizerdeutsch.

«Das würde uns bei der Verarbeitung helfen»

Nach dem Notruf kam Funk und dem Unfallopfer ein Ehepaar zu Hilfe. «Die Frau hatte Erfahrung und übernahm die erste Hilfeleistung», erinnert sich Funk. Heute quält ihn neben der Trauer um den Verlust seines Freundes die Ungewissheit über den Unfallhergang und auch Ärger über den anderen Fahrer. Dass er im Schock geflüchtet sei, könne er noch verstehen, doch solle er sich jetzt bitte melden. «Die Ungewissheit macht uns zu schaffen. Wenn wir wüssten, wie es geschah, würde dies der Trauerfamilie und mir bei der Verarbeitung des Verlustes sicher helfen.»