Kiffer (19) aus Uri

09. Januar 2019 16:40; Akt: 09.01.2019 16:40 Print

«Dieses Gras war nur für den Eigengebrauch»

Die Urner Polizei hat bei einer Razzia in Uri zwei Kilo Gras beschlagnahmt. Einer der Besitzer (19) sagt: «Die Razzia war für meine Eltern ein Schock.»

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Die Urner Kantonspolizei teilte am 7. Januar 2019 mit, dass sie in Gurtnellen knapp zwei Kilogramm Marihuana sichergestellt hatte. Der Besitzer sagt: «Das Gras war nur für den Eigengebrauch.» Er habe das Cannabis innerhalb von drei Jahren von im Wald angebauten Pflanzen geerntet. Immer wieder beschlagnahmen Polizisten in der Zentralschweiz Gras oder professionell angelegte Indooranlagen. So etwa hier im Mai 2018 in . In der Indoor-Anlage fand die Polizei 180 Hanfpflanzen und 3,5 Kilo Marihuana. ,Oktober 2017: Dies dürfte etwas mehr als nur zwei Kilo wie die Urner Pflanzen abgeworfen haben. , 16. Mai 2017: Die Kantonspolizei Schwyz konnte 90 Kilo Gras beschlagnahmen, die in einer leerstehenden Wohnung versteckt waren. Das war wohl kaum für den Eigengebrauch bestimmt. , 10. September 2016: Bei einer Hausdurchsuchung wurden über 4100 erntereife Hanfpflanzen entdeckt. , 18. August 2015: Insgesamt wurden hier 1400 Gramm Marihuana respektive 140 Hanfpflanzen sichergestellt. , 28. Mai 2013: Die Polizei hat 200 Pflanzen sichergestellt. , Februar 2013: Eine Hanfanlage mit 250 Pflanzen wurde von der Polizei entdeckt. , 29. November 2012: In drei Zelten fand die Polizei 35 Pflanzen. Auch 1,5 Kilogramm getrocknete Blüten wurden gefunden. , 12. Juni 2012: Auf mehr als 300 Hanfplanzen stiessen die Ermittler bei einem «Hobby-Gärtner». , Januar 2012: Die Polizei stellte 220 Hanfpflanzen sicher. , August 2011: Rund 1000 Hanfpflanzen und über 34 Kilogramm Hanfblüten wurden sichergestellt. , Februar 2011: In einem Keller wurden 400 Hanfpflanzen entdeckt. , November 2010: In einem ungenutzten Stall wurde eine Hanf-Indooranlage mit 440 Pflanzen entdeckt. , 30. Juni 2010: In einem Dachzimmer fand die Luzerner Polizei rund 200 Hanfpflanzen. , Mai 2010: Die «Schaltzentrale» einer Indoor-Hanfanlage, die von der Polizei sichergestellt wurde. , Februar 2010: Diese Hanfanlage mit 100 Pflanzen hat die Kantonspolizei Schwyz entdeckt. , September 2009: In dieser Indoor-Anlage baute ein 55-jähriger Schweizer über Jahre hinweg Hanf an. , September 2009: Diese Indoor-Zucht wurde in einem Doppeleinfamilienhaus ausgehoben. , September 2009: Auf zwei Hanfplantagen hat die Kantonspolizei Schwyz rund 1400 Pflanzen sichergestellt. , 9. April 2009: Die Polizei entdeckte eine Kleinanlage mit 44 Pflanzen. , 7. November 2008: Diese Indoor-Hanfanlage war in einem Luftschutzkeller. , August 2008: Ein 49-jähriger Schweizer baute in seinem Garten Hanf «zum Eigengebrauch» an. , August 2008: In einem stillgelegten Schweinestall entdeckte die Polizei 626 Pflanzen. , Juli 2008: Bei einer Hausdurchsuchung hat die Polizei eine Indooranlage mit 425 Hanfpflanzen und zwei Kilo Marihuana sichergestellt , 9. Februar 2008: Die Polizei hob diese professionell aufgezogene Indoor-Hanfplantage mit 2000 Pflanzen aus. , Januar 2008: Rund 650 Hanfpflanzen wurden von der Polizei sichergestellt. , 2006: Die Kantonspolizei Uri hat insgesamt 1800 Hanfpflanzen sichergestellt.

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«Aufgrund von Hinweisen und polizeilichen Ermittlungen ergab sich der Verdacht, dass in Gurtnellen Hanf angebaut wird. Am Montag, 12. November 2018, kam es deshalb zu einer Hausdurchsuchung. Dabei konnten knapp zwei Kilogramm Marihuana sichergestellt werden»: So steht es in einer Medienmitteilung, die die Urner Kantonspolizei am 7. Januar verschickte.

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«Ich wäre der dümmste Dealer, hätte ich das gehortet»

Nun meldete sich einer der Hanf-Produzenten bei 20 Minuten. Es handelt sich um einen 19-jährigen Urner, der in der Ostschweiz wohnt, arbeitet und studiert. Er betont, dass er kein Dealer sei: «Diese zwei Kilogramm Gras wurden von der Polizei zwar an einem Tag beschlagnahmt, aber sie wurden innerhalb von drei Jahren geerntet. Ich wäre der dümmste Dealer, wenn ich diese Menge so lange im Keller gehortet hätte statt das Gras zu verkaufen.»

«Dieses Gras war nur für den Eigengebrauch für mich und meinen Bruder. Der Anbau war ein Hobby», er klärt er weiter. Auf die Frage, ob er wirklich nie etwas von seinem Cannabis verkauft habe, antwortet der junge Urner: «Nie, null, nix.»

«Habe noch nie besseres Gras geraucht»

Angebaut hätten sie das Gras auf Privatgrund in einem Wald im Kanton Uri. Wer sich nun eine Plantage vorstelle, der irre:«Es waren drei, vier Pflanzen, die in Töpfen wuchsen. Das war also keine Plantage oder so.» Der Ort, wo sie wuchsen, habe «perfekte» Bedingungen geboten. Im letzten Jahr, wo es sehr trocken gewesen sei, habe er besonders viel ernten können: «Das war eine super Qualität, ich habe noch nie besseres Gras geraucht.» Ihm sei es darum gegangen, sauberes Cannabis zu konsumieren, von dem er die Herkunft kenne, und «nicht irgendwelches Zeugs von der Strasse».

«Ein Grossaufgebot wegen zwei, drei Pflanzen?»

Nun hat der 19-Jährige nichts mehr zum Rauchen. Alles wurde von der Staatsanwalt beschlagnahmt. «Ich war bei der Razzia nicht da, weil ich in der Ostschweiz wohne. Für meine Familie war das aber ein Schockmoment, als es um sieben Uhr morgens klingelte und acht Polizisten vor der Tür standen.» Immer noch staunt der Urner über das, was passiert ist: «Ein solches Grossaufgebot der Polizei wegen ein wenig Cannabis? Das verstehe ich nicht.»

«Ich habe nie viel gekifft»

Vorerst hat der 19-Jährige nun keine Lust mehr aufs Kiffen. «Ich will nur eigenes Gras rauchen. Sowieso habe ich nie viel gekifft. Ich bin Musiker, da hat man halt beim Musizieren mal eins geraucht.» Seinen Cannabis-Konsum bezeichnet er als «sehr verantwortungsvoll», gerade auch, wenn er diesen mit dem Alkoholkonsum von Gleichaltrigen vergleiche. Alkohol sei eine viel schlimmere Droge als Cannabis.

Nun hat er sich einen Anwalt genommen, da er und sein Bruder sich wegen Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz vor der Staatsanwaltschaft Uri verantworten müssen. «Ich hoffe, das gibt keine grosse Sache, denn Eigenkonsum wird ja nicht so hoch bestraft. Aber Geld wird das sicher kosten.»


(mme)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jan Eck am 09.01.2019 17:00 Report Diesen Beitrag melden

    Cannabis Eigenanbau freigeben

    Wenn man nur schon alleine den Anbau für Eigenbedarf freigeben würde, wäre das Zeugs nicht nur sauber und von viel besserer Qualität, nein sogar der Schwarzmarkt würde grösstenteils einbrechen. Aber so weit kann ja kaum ein Politiker im 2019 denken.....

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  • Staatsangestellter am 09.01.2019 16:48 Report Diesen Beitrag melden

    Zu viel Staatspersonal

    8 Polizisten wegen etwas Canabis. Ich glaube wir haben wirklich zu viele Polizisten in unserem Staat angestellt.

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  • rasta am 09.01.2019 17:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    420-legal

    Wann kommt der Tag, an dem Cannabis endlich legalisiert wird?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Rudi Mentär am 09.01.2019 21:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wird sich das nie ändern?

    Das nennt man auch ein unverhältnismässiger Einsatz, dass kennt man ja leider in der Schweiz. Es ist aber wirklich sehr, sehr beschämend, wenn ausgerechnet die Amis in Sachen Kannabis intelligenter sind, als das Schweizer Justizwesen mit ihren Gesetzen, und der Willkür, der man ausgeliefert ist, weil einige Staatsangestellte die Spreu vom Weizen nicht unterscheiden können. Ich denke an den Fall Malters. Oder die andere Geschichte mit dem Jungen Muslim, der kürzlich wegen seiner Begrüssung verurteilt wurde. Wir werden nie frei sein, weil wir uns den Weg mit solchen Dummen Paragraphen versperren

  • Stefan Anrig am 09.01.2019 19:56 Report Diesen Beitrag melden

    Rechtsverdreher!

    Alle ihr Kiffer, Staats- und Polizisten-Hasser und Gesetzes-Untreuen: ihr könnt hier "Daumen ruter" drücken, "stämpfele und trötzele" wie ihr wollt. Solange der Besitz von mehr als 10 Gramm Gras bestraft wird, nimmt ganz einfach jeder das Risiko in Kauf, tatsächlich bestraft zu werden, wenn er mehr als 10 Gramm dabei hat. Wer hier motzt, der ändert gar nichts! Wer was bewegen will, muss in die Politik. Übrigens ist der Staat samt Politik die Ursache, weshalb die Polizei "wegen 1 Hanfpflanze" an der Tür klopft. Hier wird so getan, als wäre die Feuerwehr am Feuer schuld..

  • random person am 09.01.2019 19:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    yikes

    ich glaube dem jungen sofort aber bitte, 3 jahre lang im keller gehortet? ohne einfrieren? da kann man ja auch gleich staub rauchen ;)

  • Beat am 09.01.2019 19:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leagalize it!!

    Mit den Steuereinnahmen wäre der AHV z.B. wäre in kürzester Zeit saniert!

  • IchDuWir am 09.01.2019 19:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    polizei macht auch nur ihren...

    ich wurde einmal von der polizei erwischt als ich gerade gras gekaufte hatte. die polizisten waren sehr freundlich, ich gab ihnen ein minigrip und behielt das 2. zurück;) sie dursuchten mich nicht. ich bezahhlte die busse von 100.- wir gaben uns die hand und mit dem 2. minigrip feierte ich den abend;)