Unfall-Gaffer

22. März 2019 16:43; Akt: 22.03.2019 16:50 Print

«Eine Frechheit, dass man filmt statt zu helfen»

Bei einem Unfall wurde in Kirchleerau ein Mann verletzt. Rasch scharten sich Gaffer um den Unfallort. «Unverständlich», sagt ein Leser-Reporter.

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Der Unfall ereignete sich am Donnerstag gegen 15 Uhr in Kirchleerau AG, wie die Kantonspolizei Aargau mitteilte. Ein Autofahrer (63) war unterwegs auf der Hauptstrasse in Richtung Luzern.

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Aus noch unbekannten Gründen geriet das Auto auf die Gegenfahrbahn, wo es zu einer Kollision mit einem entgegenkommenden Auto kam. Dessen Fahrer (64) wurde beim Zusammenstoss im Auto eingeklemmt. Er musste von der Feuerwehr gerettet werden.

«Ich hörte die Sirenen schon bald»

Der Rettungsdienst brachte den 64-Jährigen mit mittelschweren Verletzungen ins Spital. Der 63-Jährige dürfte nach Polizeiangaben leicht verletzt worden sein. Der Sachschaden beträgt 30'000 Franken. Die Unfallumstände werden abgeklärt. Beim 63-Jährigen wurde eine Blut- und Urinprobe angeordnet, zudem wurde ihm der Fahrausweis abgenommen.

«Es gab einen lauten Knall», sagt ein Leser-Reporter, der in der Nähe des Unfallortes wohnt. Zuerst sei er wie versteinert gewesen, danach habe er aber bis zum Eintreffen der Einsatzkräfte versucht, den Verkehr zu leiten. «Ich hörte die Sirenen schon bald. Die Rettungskräfte waren sehr schnell vor Ort und haben einen tollen Job geleistet.»

Gaffer scharten sich um Unfallstelle

Nach dem Eintreffen der Blaulichtorganisationen entfernte sich der Leser-Reporter zügig vom Unfallort – anders als zahlreiche Gaffer, die vor Ort waren. «Zeitweise waren es 30 bis 40 Personen», sagt er.

Schon kurz nach dem Zusammenprall seien erste Gaffer am Unfallort aufgetaucht, einige hätten ihr Smartphone gezückt und gefilmt oder fotografiert. «Ich habe einige angesprochen und gesagt, sie sollten doch lieber helfen statt zu filmen», sagt der Leser-Reporter.

«Das ist unverständlich»

Ein Autofahrer etwa habe hinter dem Lenkrad gesessen und das Smartphone hervorgenommen. «Ich finde es eine Frechheit, dass man filmt statt zu helfen. Das ist unverständlich. Es kann schliesslich das Leben eines Menschen auf dem Spiel stehen.» Hilfe leisten könne man auf unterschiedliche Weise – sei es, indem man den Notruf alarmiert, bei der Betreuung von Verunfallten hilft oder den Verkehr leitet.

Der Leser-Reporter war vor Jahren selbst in einen Unfall verwickelt. «Ich war sehr froh, dass ich damals Hilfe bekommen habe.» Dass man hilft, sollte eigentlich selbstverständlich sein, findet der Leser-Reporter. Noch heute sei er dankbar für die Unterstützung eines Helfers. «Wir stehen heute noch in Kontakt und treffen uns einmal jährlich.»

Er selbst habe – nachdem die Einsatzkräfte am Unfallort eingetroffen waren – noch kurz zwei Fotos gemacht, um die Medien zu informieren. «Ich wollte darauf hinweisen, dass es zu Verkehrsbehinderungen kommen kann. Zuerst stand aber die Hilfe im Vordergrund», sagt der Leser-Reporter.


(gwa)