Luzern

27. Juni 2019 18:04; Akt: 27.06.2019 18:32 Print

«Hier wird mehr gebettelt als in London oder Berlin»

Ein Zürcher auf Besuch in Luzern staunt, wie oft er in der Innerschweiz angebettelt wurde. Laut einer Expertin hat das einen einfachen Grund: Das Prinzip der Marktwirtschaft.

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Ein 29-jähriger Zürcher* war vergangene Woche in einem Lokal an der Frankenstrasse unweit des Luzerner Bahnhofs zu Gast: «Wir machten es uns auf den Aussenplätzen gemütlich, bestellten ein paar Drinks und führten gute Gespräche.» Diese seien aber immer wieder unterbrochen worden. «Alle paar Minuten kamen Personen zu unserem Tisch und fragten uns nach Geld.»

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«Alle paar Minuten wurden wir angebettelt»

Während zweier Stunden seien es mindestens zehn oder zwölf Männer und Frauen gewesen. «Die meisten waren sehr höflich und anständig, aber mit der Zeit war es schon etwas mühsam, wenn man in einem Lokal zu Gast ist und alle paar Minuten angebettelt wird», so der 29-Jährige.

Zudem habe er mit so einer grossen Zahl von Bettelnden nicht gerechnet in der Schweiz. «Zum einen ist es ja eigentlich illegal und zum anderen habe ich ein so häufiges und offensives Betteln in der Schweiz noch nie erlebt – auch nicht in grossen Städten wie New York, London oder Berlin.» Er sei immer wieder mal in Luzern und habe das auch dort noch nie so erlebt oder mitbekommen.

«Betteln ist eine Geschäftstätigkeit»

Christina Rubin kennt viele dieser Personen, die bettelnd in Luzern unterwegs sind. Sie ist Bereichsleiterin bei der Stelle Sicherheit Intervention Prävention SIP der Stadt Luzern. Sie meint: «Gesamthaft gibt es nicht plötzlich mehr Bettler auf den Strassen Luzerns, was mir auch die Polizei bestätigt.» Natürlich aber gäbe es Wellenbewegungen. Denn: «Betteln ist für diese Personen eine Geschäftstätigkeit, sie folgen dabei natürlich marktwirtschaftlichen Prinzipien. Bei schönem Wetter wie aktuell hat es mehr Passanten auf der Strasse; folglich gehen auch die Bettelnden raus.»

Besser Gespräche statt Geld

Rubin selber gibt diesen Personen eher selten Geld, lieber schenke sie ihnen Aufmerksamkeit in Form eines Gesprächs. Das empfiehlt die Expertin auch den Passanten in Luzern. Weiter weist sie darauf hin, dass es wichtig sei, zu hinterfragen, wieso diese Personen überhaupt betteln. «Einerseits haben sie ein Bedürfnis nach Geld, klar. Andererseits ist dies auch eine Möglichkeit, um mit anderen Personen in Kontakt treten zu können.» Passanten, die regelmässig und viel von Bettlern angesprochen werden, empfiehlt sie, man dürfe den Randständigen «auch ein höfliches Nein bekunden oder sie auf die verschiedenen Fachstellen und Hilfsorganisationen in der Stadt hinweisen. Ich frage die Bettler manchmal auch, ob sie Hunger oder Durst haben. Wird die Frage bejaht, nehme ich gerne jemanden direkt mit in die Bäckerei».

Bei Polizeikontrolle ist das Geld weg

Oft fragen die Randständigen mit dem Argument, sie bräuchten dieses für Essen oder für die Notschlafstelle. Laut der Expertin kaufen einige Personen tatsächlich Esswaren oder günstige Übernachtungsmöglichkeiten. Andere verwendeten das Geld jedoch auch zur Beschaffung von Drogen und Alkohol. Rubin: «Und dann gibt es auch Bettler, die das Geld ins Ausland zu ihren Familien schicken.»

In Luzern ist Betteln illegal. Komme die Polizei vorbei, interveniere sie. «Eine Konsequenz ist, das erbettelte Geld abgeben zu müssen.»

(mme)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • S. aus L. am 27.06.2019 19:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gutschein

    Wohne in der Stadt Luzern. Wenn mich Bettler ansprechen, biete ich ihnen Coupon von der GasseChuchi an. Die meisten lehnen diesen ab, sie wollen Geld. Wer jedoch den Coupon nimmt, der hat Hunger und ist froh, dass er eine warme Mahlzeit erhält. Und diesen Personen helfe ich gerne. Diejenigen, die Geld wollen, können von mir aus bleiben wo der Pfeffer wächst.

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  • Frido am 27.06.2019 18:31 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Geld für Bettler in der Schweiz

    Grundsätzlich gebe ich in der Schweiz kein Geld an Bettler. In der Schweiz muss keiner Hunger haben dafür ist gesorgt. Helfen Sie lieber jemandem den Sie kennen. Diese Leute betteln nicht.

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  • Luisa am 27.06.2019 18:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    irre ich mich?

    steuerfreies einkommen kann man dem auch sagen....wenn unsereiner nebenbei was verdient ohne es anzugeben heisst es steuerhinterziehung.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Luzerner am 27.06.2019 20:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    Das nervt wirklich. Am einem Sonntag Richtung Bahnhof geht's los :Hätten Sie was für die Gassenküche, I Fr. für eine Suppe und und und. Wirklich Schade für Luzern

  • Eniel am 27.06.2019 20:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kann man mit Betteln reich werden?

    Ein Freund von mir hatte sich mal auf eine Wohnung in der Neustadt Luzern beworben. Den Inhaber, der ihm die Wohnung zeigte, hatte er ein paar Tage später auf der Strasse in zerfetzten Kleidern beim Betteln erwischt. Betteln scheint lukrativ zu sein.

  • Sara P. am 27.06.2019 20:36 Report Diesen Beitrag melden

    Luzern leuchtet immer weniger

    Tja so ist das! Luzern ist halt mittlerweile Rot-Grün. Da muss mann auch zeigen was man hat/kann.

  • Hercules. am 27.06.2019 20:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    BETTELN IST IN LUZERN SEHR STARK VERTRETEN.

    Als Stadtluzerner fällt mir auf, dass es noch nie so viele Droegeler und Alkoholiker gab, wie in letzter Zeit. VBL- Fahrgäste, besonders auch ältere Leute, suchen des öfteren vergeblich Sitzgelegenheit, bis ihr Bus eintrifft. Besonders die Alkis besetzen reihenweise die Bänke und gehen keinen Zentimeter weg. Überlaute "Musik", kleffende Hunde und unanständiges Benehmen sind an der Tagesordnung! Die Behörden machen nix -- LUZERN ist in dieser Hinsicht der schlimmste Ort der SCHWEIZ. Auch die Touristen meinen, "im falschen Film zu sein". NB. -- Ich habe jedoch schon mehrmals einer randstaendigen Person was gegeben (Fr. 5.-- bis 1O.--). Schließlich hat es IMMER einen deftigen Grund, wenn jemand so abstürzt; und das Problem ist zu fast 1OO% in der Kindheit zu suchen... TRAURIG -- ABER WAHR!

  • Daniel am 27.06.2019 19:51 Report Diesen Beitrag melden

    Sagt Nein

    Leider ist betteln in den Schweizer Städten zur Tagesordnung geworden. Ich komme nicht 1x durch die Stadt Bern ohne angebettelt zu werden. Es nervt mich ausserordentlich. Viele Ost Europäer insbesondere flehen einem geradezu an. Es ist schon hart nein zu sagen aber ich gebe nie etwas. Zu oft ist das ganze organisiert. Ich bin für ein striktes Verbot von betteln, was die Polizei hart durchsetzen sollte. Am meisten nerven die Punks, welche zu faul zum arbeiten sind, die dir dann wenn man nichts gibt, noch ins Gesicht grinsen und einen schönen Tag wünschen.