Instagrammerin

21. März 2019 04:53; Akt: 21.03.2019 04:53 Print

«Gefesselt kann ich wunderbar abschalten»

Viele Tattoos und viel Haut: Mrs. Nice ist eine etwas andere Instagrammerin. Sie hält sich fern von der perfekten Instagram-Welt. Das scheint gut anzukommen.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

«Ich führe ein Leben mit zwei Seiten», sagt Mrs. Nice. Eigentlich arbeitet die 26-Jährige als Uhrmacherin in Luzern. «Irgendwie aber auch als Künstlerin», sagt sie. «Ich liebe es, nackt zu sein und einfach intensiv mit meinem Körper zu arbeiten und mich damit auseinanderzusetzen.» Das scheint anzukommen: Über 125'000 Follower zählt ihr Account.

Grenzen ausloten

Auf Instagram zeigt sich die Luzernerin gerne freizügig – viel nackte Haut und ihre zahlreichen Tattoos sind auf ihrem Account zu finden. Immer wieder werden deshalb auch Posts von ihr gelöscht. Das nehme sie aber gerne in Kauf.

«Ich will Grenzen ausloten», sagt die junge Frau, die ihren richtigen Namen lieber nicht öffentlich machen will. Dies aber immer mit den nötigen ästhetischen Ansprüchen. Ihre Posts versieht sie auch gerne mit viel Text, dabei erzählt sie aus ihrem Leben und äussert viele ihrer Gedanken.

«Alles ist voll mit Werbung»

Damit will sie bewusst gegen Massentrends ankämpfen. «Es ist an der Zeit zu zeigen, dass es nicht nur diese ‹perfekten Influencer-Profile› gibt», sagt Mrs. Nice. «Alles ist voll mit Werbung, gestellten Situationen und den perfekten Outfits.» Dass sich viele von diesen Trends beeinflussen lassen, versteht die 26-Jährige nicht.

«Irgendwie sehen sie doch alle gleich aus. Dabei sind unsere Körper schön, eben weil sie alle unterschiedlich sind.» Die Leute müssten ihre Körper nicht verstecken. Für die Uhrmacherin ist klar: «Ich will den Leuten eben auch zeigen: Man kann glücklich sein, auch wenn man nicht mit der grossen Masse geht.»

Luzerner Motive als Tattoos

Zu ihrem eigenen Körper hat sie eine besondere Beziehung: «Ich will meinen Körper so gestalten, dass es das perfekte Zuhause für meine Seele wird. Denn ich bin ein sehr kopflastiger Mensch. Gefesselt kann ich wunderbar abschalten.»

«Es ist eine schöne Erfahrung, alles gehen zu lassen, wenn man sich nicht mehr bewegen kann.» Auch dass dies schmerzhaft sein kann, mag sie. «Das gefällt mir, das ist fast wie beim Tätowieren.» Unter anderem hat die Instagrammerin übrigens Luzerner Motive wie die Jesuitenkirche, das Rathaus oder den Pilatus auf ihrem Körper verewigt.

Obwohl sie das Zeug dazu hätte, will sich Mrs. Nice nicht dem Influencer-Marketing widmen: «Mir ist es wichtig, dass – unabhängig davon, wie viele Follower ich habe – ich mir selbst treu bleibe», sagt die Luzernerin. Sie will sich selbst zu ihrer eigenen Marke machen, daher macht sie auch keine Werbung auf ihrem Profil. Auch von einer Agentur will sie sich nicht unter Vertrag nehmen lassen.

«Ich bin eben ein kleiner Weirdo»

Ab und zu werde sie angefragt für Fotoshootings oder Modelaufträge, dabei verdiene sie natürlich Geld. Zudem habe sie einen Patreon-Account, bei dem Fans exklusive Bilder zu sehen kriegen. «Da sind freizügigere Bilder dabei, die bei Instagram nicht erlaubt sind.» Ein Porno-Profil sei es aber nicht.

Mrs. Nice sei eher sowas wie das tätowierte Mädchen von nebenan. «Ich führe mein Instagram eher wie einen Blog und teile vieles aus meinem Leben.» Sie versuche frei von gesellschaftlichen Zwängen zu leben. «Ich bin eben ein kleiner Weirdo.»

(gwa)