Polizeisprecher in Pension

03. Januar 2019 10:50; Akt: 03.01.2019 10:50 Print

«Ich konnte zwei Menschenleben retten»

Fast 40 Jahre lang war Kurt Graf bei der Luzerner Polizei tätig. Ende Jahr geht der Polizeisprecher in Pension. Mit 20 Minuten blickt er zurück auf seine Karriere.

Sprecher Kurt Graf erzählt über seine Zeit bei der Luzerner Polizei. (Video: gwa)
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Was kommt Ihnen als erstes in den Sinn, wenn Sie an die fast 40 Jahre bei der Luzerner Polizei zurückdenken?
Die Zeit vergeht schnell und ich konnte viel hautnah miterleben. Ich blicke zurück auf eine schöne Karriere – vom Frontdienst als junger Polizist bis zur jetzigen Aufgabe als Chef des Kommunikationsdienstes.

Welches war der schönste Moment, den Sie bei der Arbeit erlebt haben?
Ich durfte zweimal Menschen das Leben retten, einmal einem Kind und einmal einem älteren Mann. Das sind natürlich schöne Erlebnisse, wenn man danach die Rückmeldung erhält, dass sie dies überlebt haben.

Und welches war der härteste Moment?
Zu den Aufgaben der Polizei gehört es auch, dass man manchmal schlimme Nachrichten und Todesnachrichten überbringen muss. Das sind ganz Das sind ganz tiefgehende Momente für alle betroffenen Personen. Das geht auch Polizisten unter die Haut, die solche Nachrichten überbringen müssen.

Als Polizist erlebt man vieles: Was machen Sie als Ausgleich zum Job?
Vor allem in Stresssituationen oder bei schwierigen Ereignissen, die man bewältigen muss, ist es wichtig, dass man ein gutes Umfeld hat: Kollegen, Freunde, Familie. Ich habe aber auch immer gerne Sport gemacht. Ich gehe gern in die Natur und in die Berge. Das sind schöne Dinge, bei denen man sich zurückziehen und sich erholen kann. Auch einschneidende Momente kann man so besser verarbeiten.

Würden Sie rückblickend etwas anders machen in Ihrer Karriere?
Als ich angefangen habe, wusste ich nicht, wo ich landen werde. Ich würde vieles nochmals gleich machen. Man muss interessiert sein und sich entwickeln. So entfaltet sich eine persönliche Laufbahn. Diese habe ich wahrgenommen. Nun kann ich wunderschön abschliessen als Chef Kommunikationsdienst, dies beinhaltet die Polizeiarbeit in allen Bereichen.

Zu Ihrer letzten Position als Chef der Medienstelle: Was ist Ihr persönliches Credo punkto Kommunikation?
Die Bevölkerung hat ein Recht zu wissen, was bei Ereignissen passiert ist. Der Kommunikationsdienst ist ein wichtiges Bindeglied zwischen Polizei, Staat, Bevölkerung und Medienschaffenden.

Was darf ein Polizeisprecher eigentlich alles verraten und was nicht?
Es geht nicht darum, Dinge zu verraten oder zu verschweigen. Untersuchungshandlungen sind gemäss Strafprozessordnung geheim. Darüber darf man gar nichts aussagen. Da muss man sich daran halten, um die Untersuchung nicht zu gefährden. Zu Vorfällen, die in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden, kann man Auskunft geben. Man muss aber die wichtigen Elemente berücksichtigen, um die Strafuntersuchungen nicht zu gefährden und Persönlichkeitsrechte nicht zu verletzen.

Was wollen Sie Ihrem Nachfolger oder auch dem ganzen Korps mitgeben?
Es ist wichtig, dass man schnell den Kontakt zur Basis bei der Polizei hat. Man muss die Leute kennen. So wächst das gegenseitige Vertrauen. Wichtig ist auch der Kontakt zu Journalisten und Medien, aber auch zur Bevölkerung. Ich wünsche ihm, dass er diese Kontakte möglichst schnell herstellen kann.

Was machen Sie nach Ihrem Abgang bei der Polizei?
Ich werde vermehrt meinen Hobbys frönen, die ich bis jetzt nur am Wochenende oder an freien Tagen ausleben konnte. Da bieten sich mehr Möglichkeiten, wenn man nicht mehr so zeitgebunden ist. Ich mache gerne Velo-und Bergtouren. Daheim im Haus und Garten gibt es immer was zu werkeln. Natürlich werde ich Freundschaften künftig intensiver pflegen.

(gwa)