Schlachtfeier in Sempach

30. Juni 2008 17:02; Akt: 19.05.2009 11:56 Print

«Hier können wir ungehindert demonstrieren»

von Adrian Müller - Das Gedenkfest zur Schlacht bei Sempach verlief ohne Zwischenfälle. Erneut zeigte sich aber, wie sehr die Rechtsextremen die Feierlichkeiten für ihre Zwecke missbrauchen: Sie stellten einen Viertel der Besucher und legten beim Denkmal eigene Kränze nieder.

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In glühender Mittagssonne marschierten am Samstag historische Krieger mit Hellebarde und Armbrust bewaffnet vom Städtchen Sempach zum Winkelrieddenkmal, dem Zentrum des einstigen Schlachtfelds. Am Umzug nahmen rund 1000 Personen teil, darunter etwa 250 Rechtsextreme aus dem Dunstkreis der Partei National Orientierter Schweizer PNOS. Diese legten nach der Feier eigene Kränze am einstigen Kriegsschauplatz nieder.


Pnos-Sympathisanten scheuten die Öffentlichkeit

«Im Gegensatz zum Rütli können wir in Sempach ungehindert demonstrieren», erklärt Renato Bachmann, Mediensprecher der PNOS. Dennoch hätten sich viele ihrer Sympathisanten auch am Samstag nicht aus ihren Schützengräben gewagt – Bachmann hat dafür schnell einen Schuldigen ausgemacht: «Die umfangreiche Medienberichterstattung über Sempach schreckte etliche PNOS-Anhänger davon ab, an der Schlachtfeier teilzunehmen», beklagt er sich gegenüber 20 Minuten Online. Die Leute hätten Angst, auf Fotos erkannt und anschliessend vom Arbeitgeber oder antifaschistischen Gruppen denunziert zu werden.

Doch offenbar ist die PNOS nicht nur den Antifaschisten ein Dorn im Auge: «Die PNOS marschiert vermehrt an solchen ländlichen Heldenfeiern auf, weil die Städte unsere Kundgebungen fast immer verbieten», erklärt Bachmann weiter. Thun und Langenthal etwa hätten ihre Demogesuche für eine 1.-Mai-Kundgebung aus Sicherheitsgründen stets abgelehnt.


Polizei setzte auf Dialog statt Konfrontation

Die andere Marschrichtung gab die Luzerner Kantonspolizei vor. Sie ging im Vorfeld der Schlachtfeier von Sempach auf die Rechtsextremen zu: «Wir suchten das Gespräch mit den PNOS-Leuten, gaben ihnen aber den Tarif durch», erklärt Daniel Bussmann, Pikettoffizier der Kapo Luzern. Diese Deeskalationsstrategie sei erfolgreich gewesen: Die Rechten hätten die Feier nicht gestört, es gab keine Zwischenfälle. Die Polizei stellte sich während des Umzugs in den Hintergrund: «Zwei Zivilpolizisten mischten sich unter die Leute, dazu kamen zwei uniformierte Ordnungshüter.» Angemessene Verstärkung sei jedoch zur Sicherheit in der Nähe gewesen, ergänzt Bussmann.


Der Sieg des kleinen Mannes

Auf dem Feld bei Sempach besiegten am 9. Juli 1386 die Eidgenossen die übermächtigen Kämpfer des Habsburgerreichs. Die «kleinen» Eidgenossen schlagen den grossen Feind: Das fasziniert und inspiriert bis heute die Leute der PNOS. «Wir wollen den Sieg von damals in die heutige Zeit übertragen, darum gehen wir an die Schlachtfeier», erklärt Mediensprecher Bachmann. Der heutige Gegner heisse Kapitalismus und Imperialismus.

Wie sehr die PNOS und ihr Gedankengut polarisieren, zeigt die Diskussion auf 20 Minuten Online.


Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Moudi am 01.07.2008 11:27 Report Diesen Beitrag melden

    Rechtsextreme Parteien verbieten

    Naziaufmärsche und rechtsextreme Parteien verbieten. Wer die Demokratie grundsätzlich ablehnt, darf auch nicht die demokratischen Rechte in Anspruch nehmen. Good night, white pride.

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  • Thomas, Sempach am 29.06.2008 12:49 Report Diesen Beitrag melden

    Wa?

    Ich lach mich tot. Keine einzige Person hat den Rücken zugekehrt, einige haben Applaudiert! Alle Geschäfte hatten geöffnet, einige verzeichneten einen grossen Umsatz!

  • Eticus Rozas am 27.06.2008 15:37 Report Diesen Beitrag melden

    Frieden

    Sehr gute Idee, anstatt laut und provokativ, ist das denke ich sicher die bessere Lösung. Hoffe für alle beteiligten, dass der Umzug friedlich verläuft.

Die neusten Leser-Kommentare

  • jaja am 15.07.2008 21:16 Report Diesen Beitrag melden

    oi

    jaja aud den fotos trägt jeder springerst. mit bomberjacke und alles wird abgerundet durch die glatze------ und ich glaube die geschichter der Gebrüder grimm

  • mostindianer am 01.07.2008 16:11 Report Diesen Beitrag melden

    Versteck

    Das Wort "Patriot" ist immer häufiger ein Deckname für diese Art Gesinnung. Ist ja klar: Niemand ist gegen Patriotismus. Ich bin ja auch patriotisch, bin stolz auf mein Land. Trotzdem wähle ich links. Diese Art Diskussion versucht, alle auf das Niveau der Rechtsextremen runterzuziehen...

  • bello99 am 01.07.2008 11:37 Report Diesen Beitrag melden

    schande von heute

    die herren manager, politiker die das volk im namen des gesetzes bescheissen und betrügen wo bleibt da der aufschrei? wo bleibt der aufschrei der schweizer für ihre 700jährige kultur. feige und maultot wurde sie gemacht. es lebe die globalisierung und integration.

  • Moudi am 01.07.2008 11:27 Report Diesen Beitrag melden

    Rechtsextreme Parteien verbieten

    Naziaufmärsche und rechtsextreme Parteien verbieten. Wer die Demokratie grundsätzlich ablehnt, darf auch nicht die demokratischen Rechte in Anspruch nehmen. Good night, white pride.

    • Ruedi am 22.08.2012 22:45 Report Diesen Beitrag melden

      Realität

      Wer heute sagt, dass die Schweiz demokratisch ist, der ist offensichtlich blind, und das ist das verschulden unser eigenes Volkes.

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  • Realitätsverlust III am 01.07.2008 11:21 Report Diesen Beitrag melden

    Es ist auch völlig egal, ob die Demo

    friedlich bleibt, das ändert nichts an der Aussage. Faschismus steht für Menschenverachtung, Gewalt, Unterdrückung und Totalitarismus. Muss man da zuerst wirklich die Demo abwarten, um zu urteilen? Nein, auch wenn die Demo an sich friedlich bleibt, so wird doch Gewaltpropagandha betrieben!