Schwimmer gerettet

19. August 2019 19:49; Akt: 19.08.2019 19:49 Print

«Lange hätte ich nicht mehr durchgehalten»

von Daniela Gigor - Zwei Luzerner haben einem Asiaten, der in der Reuss fast ertrank, das Leben gerettet. Auch für sie keine ungefährliche Situation.

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Passiert ist der Vorfall am Sonntagabend gegen 20.30 Uhr: Im Bereich der St. Karlibrücke in Luzern war ein asiatischer Student (19) beim Schwimmen, als er einen Krampf und einen Schwächeanfall erlitt und fast ertrank, wie die Luzerner Polizei am Montag mitteilte.

Der junge Mann hatte Glück: Zwei Passanten kamen ihm rechtzeitig zu Hilfe. Einer davon ist der 37-jährige Marcel Ziegler aus Luzern: «Ich war als Fussgänger im Gespräch mit Bekannten, als ich einen Mann rufen hörte und sah, wie er einen Rettungssack in die Reuss warf.» Der Schwimmer habe die Sack aber nicht zu fassen bekommen und Ziegler realisiert, dass sich der Mann in Lebensgefahr befand. Unverzüglich rannte er los: «Auf dem Weg zum Fluss ging mir die Frage durch den Kopf, ob ich mich selber in Lebensgefahr begeben solle oder nicht», so Ziegler weiter.

Kraftaufwand unterschätzt

Doch dann entschied sich Ziegler, seine Kleider auszuziehen und ins Wasser zu springen. «Der Mann war bereits am Ertrinken, er tauchte immer wieder für etwa zwei Sekunden auf und schnappte nach Luft, danach tauchte er wieder unter.» Ziegler gelang es, den schlanken, kleineren Mann in den Teil der Reuss zu bringen, der nicht mehr so tief war.

In der Zwischenzeit war auch der 23-jährige Schwimmer Lino Kammermann auf die beiden Männer aufmerksam geworden: Kraulend schwamm der Luzerner zu den beiden hin. «Dort erkannte ich, dass Ziegler einen erschöpften Eindruck machte.»

Ziegler bestätigt: «Lange hätte ich nicht mehr durchgehalten. Glücklicherweise war der Mann nicht schwer, denn ich hatte unterschätzt, welche Kraft eine Rettung im Wasser benötigt.» Mit Hilfe der hinzu gekommenen Polizei gelang es den Männern, den Studenten über die Ufermauer an Land und in Sicherheit zu bringen.»

Rettungsschwimmer-Kurs

Der Mann aus Asien soll ansprechbar gewesen sein, offenbar stand er aber kurz vor der Bewusstlosigkeit und erlitt vermutlich einen Schock. Ausserdem habe er seine Beine nicht bewegen können. Auch sein Begleiter habe unter Schock gestanden.

«Es wird mir unvergesslich bleiben und ich bin froh, dass ich helfen konnte», sagt Retter Ziegler rückblickend. «Ich handelte instinktiv und versuchte, dem Mann einfach zu helfen.»

Auch Kammermann ist erleichtert, dass alles gut ausgegangen ist. Er hat aus dem Vorfall eine Lehre gezogen: «Es hätte mir in dieser Situation sehr geholfen, wenn ich einen Kurs als Rettungsschwimmer gemacht hätte.» Dies will der 23-Jährige nun nachholen.