Obwalden

14. November 2016 16:32; Akt: 14.11.2016 18:30 Print

«Junge Luchse werden manchmal auch zurückgelassen»

von Noah Knüsel - In Alpnach tauchte am Sonntag ein junger Luchs vor dem Haus eines Lesers auf. Weil das Tier in einem schlechten Zustand war, musste es später getötet werden.

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In Obwalden hat die Wildhut am Sonntag einen verwaisten und geschwächten jungen Luchs erlegt. Das Tier habe sich in schlechtem gesundheitlichen Zustand befunden, sei abgemagert und apathisch gewesen und habe kein Fluchtverhalten gezeigt, teilte das Amt für Wald und Landschaft am Montag mit.

Zuvor hatte Leser-Reporter Edward Burch in Alpnach Dorf vor seinem Haus einen jungen Luchs beobachtet, der einen Vogel frass. Das Raubtier liess sich von Burch nicht gross stören: «Ich konnte bis auf zwei Meter an ihn heran und Fotos schiessen», erzählt er. Das Tier sei nach ungefähr zehn Minuten von selbst wieder gegangen.

Es gibt keine Auffangstation für Luchse

Cyrill Kesseli, Leiter Wildtiere und Jagd des Kantons Obwalden, bestätigt, dass es sich beim erschossenen Luchs höchstwahrscheinlich um das selbe Tier handelt, welches Burch gesehen hat. Bereits zum zweiten Mal innert zwei Monaten musste ein geschwächter Jungluchs in Obwalden erlegt werden. Kesseli: «Wir wissen nicht, was mit der Mutter passiert ist. Junge Luchse werden manchmal auch zurückgelassen, wenn sie zu schwach sind, um ihrer Mutter auf ihren Streifzügen zu folgen.» Er steht aber hinter der Praxis des Abschiessens. Das Hauptproblem sei, dass schlicht keine Auffangstation für Luchse zur Verfügung stehe. Ausserdem wäre der Erfolg des Aufpäppelns und Auswilderns nicht gesichert. «Ein wild geborenes Tier in den Zoo oder eine ähnliche Einrichtung zu geben, kommt für uns nicht in Frage», so Kesseli weiter.

Laut Fridolin Zimmermann, Wildtierbiologe bei KORA - Raubtierökologie und Wildtiermanagement, verschlägt es Jungluchse selten in die Nähe des Menschen. Wenn sie jedoch die Mutter verlieren, sind sie auf sich alleine gestellt: «Da sie noch zu klein und unerfahren sind, um selber zu jagen, zieht sie der Hunger in die besiedelten Gebiete.» Ausgewachsene und gesunde Luchse kämen dagegen praktisch nie in Wohngebiete. Es sei nicht zu befürchten, dass der Luchs Siedlungsgebiete für sich entdecke: «Er ist spezialisiert auf Gämsen und Rehe», so Zimmermann. Dies im Unterschied zu Füchsen, die sich zum Grossteil von Essensresten ernähren. Laut Zimmermann ist der Luchsbestand leicht steigend. Insgesamt hat es in der Schweiz rund 170 Luchse, die älter als ein Jahr sind.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Eurydikles am 14.11.2016 16:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht alles abknallen!

    Man hätte den Luchs besser in einen Zoo oder in eine Pflegestation gebracht. Ich verstehe nicht, weshalb Tiere mamchmal völlig grundlos abgeknallt werden. Wenn Rettung besteht, dann sollte man auch versuchen jedes Tier zu retten. Man knallt ja auch nicht ausgehungerte Menschenkinder einfach so ab. Sicher: Ein Mensch ist ein Mensch und ein Tier ist ein Tier. Aber beides sind fühlende Lebewesen.

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  • Kushtrim am 14.11.2016 16:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einfach nur traurig

    An alle Wildhüter: Nur zur Info: Es gibt Wildtierstationen, dessen Job es ist, sich um solche Tiere zu kümmern. Ich stört mich unglaublich an euerem Verhalten, einfach und überall den Abzug zu drücken.

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  • Eni M. am 14.11.2016 16:48 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso hilft keiner?

    Ich verstehe nicht ganz, wieso solchen Tieren nicht geholfen wird? Es gibt doch zig Auffangstationen oder Private, die solche Tiere grossziehen. Ist man zu faul, jemanden zu suchen und der Tod der schnellste und günstigste Weg oder woran liegt das? Finde es schlimm, dass wenn man ein Wildtier findet, welches nicht gesund ist, schon davon ausgehen kann, dass es getötet wird, wenn man es meldet. Das ist doch zum heulen. Da nimmt man das Tier ja lieber mit nach Hause und sucht selbst jemanden, der bereit ist mehr zu tun, als den Gnadenstoss!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Jane38 am 15.11.2016 07:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    echt?

    traurig das man nicht einmal den versuch machte dem tier zu helfen

  • Lillly13 am 14.11.2016 19:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traurig

    Traurig.Der Luchs konnte ja den Vogel noch fangen und sah relativ gut aus. Wieso muss man denn gleich alles abknallen?

  • Alain Senn am 14.11.2016 18:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Macht mich traurig und wütend

    Wildhüter sollte auf das Wild schauen und es hüten,wie es das Wort auch sagt, es heisst ja nicht Wildvernichter. Ein Jungluchs ohne scheu ist bestimmt nicht normal,aber es war noch so gut beinander das dieser ein Vogel fangen konnte?! Es ist traurig das abknallen einfacher ist als dieses junges aufnehmen und es gesund zu pflegen-es zumindest versucht !!! Aber es ist immer das selbe mit uns Menschen,wenn der Luchs ,Bär, Wolf wieder alle ausgerottet sind durch uns,haben alle ein grosses Fragezeichen und fragen sich warum . Mich macht das wütend,und bin traurig das ich den nicht gefunden habe.

  • Janee am 14.11.2016 18:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    traurig

    wenn ein Luchs einen Vogel fangen kann, dann geht es ihm sicher nicht so schlecht, dass man ihn töten müsste! Und außerdem warum nicht der Natur überlassen, ob der Luchs stirbt oder nicht?

  • Peterli am 14.11.2016 17:47 Report Diesen Beitrag melden

    Zu schnelles Töten!

    Warum bitte muss jedes Wildtier das Probleme hat umgehend "erlöst" werden? Es gibt doch mittlerweile genug Stellen die sich um solche Tiere kümmern. Ob das Tier später wieder ausgewildert werden kann, soll später beurteilt werden.